Ernährungstrends Der neue Burger bei McDonalds ist besser für die Umwelt, aber...
Der Fast-Food-Riese will in die „grüne“ Offensive gehen. Doch der neue McPlant-Burger ist in einem Bereich eigentlich ein Rückschritt. Warum er dennoch besser fürs Klima ist, erklärt eine Expertin.
Ostfriesland - Grüne Luftballons und Girlanden hängen überall in der Emder McDonalds-Filiale. Plakate weisen auf ein ganz neues Angebot hin: Jetzt wird‘s pflanzenbasiert. In Kooperation mit dem Unternehmen „Beyond Meat“ mit Hauptsitz in Kalifornien gibt es seit kurzem Nuggets, die mit Weizen erzeugt werden, und einen Burger mit einem Patty größtenteils aus Erbsenproteinen. Die Zutatenliste bei beiden ist lang. Der Geschmack ähnelt dem Fleischprodukt stark beziehungsweise ist kaum ein Unterschied zu merken.
Der neue McPlant-Burger löst den „Fresh Vegan TS“ ab. Der war 2021 auf die Speisekarte gekommen und war laut McDonalds tatsächlich vegan, sollte also keinerlei tierische Zusatzstoffe enthalten. Doch die Nachfrage war laut dem Konzern nicht groß genug. Der neue Burger soll laut McDonalds nun diejenigen Kunden abholen, „die ab und an auf Fleisch verzichten möchten“. Speziell Veganer und Vegetarier werden dort also nicht mehr angesprochen. Das hat gleich mehrere Gründe.
Wer isst den Pflanzen-Burger?
Laut Jana Fischer von der Verbraucherzentrale in Hamburg werden die fleischlosen Produkte bei Fast-Food-Riesen wie McDonalds größtenteils von sogenannten Flexitariern gegessen. Das sind Leute, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten und daher zwischendurch auf die Alternativen zurückgreifen. Etwa 44 Prozent der Deutschen bezeichnet sich als Flexitarier, heißt es in einem Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem vergangenen Jahr. In vielen Schul- und Firmenkantinen gibt es mittlerweile fleischlose Tage.
Diese Flexitarier dürfte es daher auch nicht stören, dass der neue McPlant-Burger nicht vegan und im Grunde genommen auch nicht vegetarisch ist, meint Jana Fischer im Gespräch. Zwar ist die Bulette rein pflanzlich, aber die Soße enthält Ei und der Käse besteht aus Milch. Auch – so vermeldet es McDonalds in einer Fußnote zu den Produkten – können sowohl Patty als auch Nuggets beim Braten und Frittieren in Kontakt mit Hühnchen, Schweine- oder Rindfleisch kommen. Beim Fast-Food-Konkurrent Burger King hatte es im vergangenen Jahr für einen Skandal gesorgt, dass die als vegan beschriebenen Produkte in derselben Fritteuse landeten wie fleischliche. McDonalds will es offenbar anders machen und vermeldet direkt, dass so etwas im Tagesgeschäft passieren kann.
Ist „plant based“ nur ein Marketing-Trick?
„Veganer müssen immer ganz genau hingucken“, sagt Jana Fischer. Sie würde sich wünschen, dass noch transparenter und offensichtlicher erkennbar wäre, dass ein Produkt nicht vegan ist. „Vegan und vegetarisch ist klar definiert, ‚plant based‘ aber nicht“, sagt sie. Das kann Verbraucher in die Irre führen. Besser wäre – wie bei vielen Eisdielen oder Restaurants – ein Symbol am Produkt, das schnell und einfach deutlich macht, dass die Speise vegan oder vegetarisch ist. Das könnte ein kleines Herzchen oder grünes Blatt sein, das in einer Legende dann erklärt wird. „Wenn etwas nicht explizit drauf steht, sollte man besser nachfragen“, rät sie. Rechtlich dürfe zumindest nichts falsch beschrieben sein – so wie beim Burger-King-Skandal.
Ob das neue Angebot bei McDonalds nur ein Marketing-Trick ist, beantwortet sie diplomatisch: „Aus ökologischer Sicht ist es ein super wichtiger Schritt.“ Allerdings sollte man sich als Verbraucher bewusst sein, dass wegen eines pflanzlichen Produkts der ganze Fast-Food-Konzern nicht zwangsläufig nachhaltiger oder umweltbewusster sei. „Größtenteils wird hier noch Fleisch verarbeitet“, sagt sie. Sie spricht von einem „Health Halo“-Effekt, also einen Gesundheits-Heiligenschein-Effekt. Nur weil ein Lebensmittel beispielsweise weniger Fett als früher enthält, heiße das nicht, dass auch weniger Salz und Zucker verarbeitet wurden. Das Produkt sei nicht unbedingt gesünder geworden, nur weil eine Zutat als weniger schädlich bezeichnet wird, erklärt sie.
Ist der Burger besser für die Umwelt?
Viele Verbraucher würden unterschätzen, wie relevant der Verzicht auf tierische Produkte für das Klima und die Umwelt ist, sagt Jana Fischer. Laut einer Studie der Georg-August-Universität Göttingen wissen zwar die meisten Leute, dass Fleischkonsum wohl einen Einfluss auf das Klima hat, aber nicht wie groß dieser ist. Rindfleisch etwa ist fast um ein 40-Faches schädlicher für das Klima als etwa Linsen. Damit Konsumenten leichter einschätzen können, mit welcher Ernährung sie die Umwelt mehr schonen, plädiert die Forschergruppe für klare Klima-Label. Auf einer Skala von A bis E käme Blumenkohl beispielsweise auf A, Vollmilch auf C und Parmesan-Käse auf E.
Dass Fast-Food-Riesen wie McDonalds und Burger King pflanzenbasierte Alternativen anbieten, hält die Verbraucher-Beraterin also für einen guten Schritt. „Der Verzicht auf Fleischkonsum ist fürs Klima sehr wichtig“, sagt sie. Argumente von Kritikern, dass das Soja aus einigen Alternativ-Produkten im Regenwald angebaut würde und diese damit schlecht für die Umwelt seien, entkräftet sie direkt. „Mehr als 80 Prozent der Soja-Ernte aus dem Regenwald landet im Futtertrog und wird somit konsumiert, wenn man Fleisch isst“, sagt sie. Soja für Tofu und andere Alternativ-Produkte werde größtenteils in Europa und sogar Deutschland angebaut.
Ist der Pflanzen-Burger gesünder als der Standard?
Jein. „Ein Fast-Food-Burger bleibt ein Fast-Food-Burger“, erklärt Jana Fischer. Auch der McPlant enthalte viele Kalorien und sei ein „hoch verarbeitetes“ Produkt. Laut McDonalds hat der McPlant 414 Kalorien, der „Big Mac“ 503, der „McCrispy Homestyle“ 676 und der „Big Tasty Bacon“ sogar 880 Kalorien. „Es sollte nicht die Basis für die Ernährung sein, sondern viel Obst und Gemüse und Getreide“, rät sie.
Innerhalb der Alternativ-Produkte-Palette gebe es aber große Unterschiede. Generell gelte: Je mehr ein Alternativ-Produkt nach Fleisch schmeckt und so aussieht, desto stärker wurde es dafür „hochprozessierte Zutaten“ hergestellt, wie auch eine Studie der Verbraucherzentrale Berlin aus dem Oktober 2021 zeigt. Im Umkehrschluss sind Gemüse-Buletten, die nicht nach Fleisch schmecken, mit wenigen Zutaten meist gesünder.
„Ein guter Vergleich ist auch der klassische Döner und der mit Falafel“, sagt Jana Fischer. Falafel schmecken nicht im Geringsten nach Fleisch und bestehen größtenteils aus Kichererbsen. Ein Falafel-Döner sei gesünder und klimaverträglicher als die klassische Variante.