Berlin Gender Pay Gap: Warum verdienen Frauen weniger als Männer?
Am 7. März ist es so weit: Ab Dienstag werden Frauen endlich auch für ihre Arbeit bezahlt – zumindest symbolisch. Heute ist der Equal Pay Day. Was das bedeutet und warum Frauen immer noch weniger verdienen als Männer.
Wenn Frauen im Jahr 2022 genauso viel verdienen wollten wie Männer, mussten sie deutlich länger arbeiten – und zwar bis zum 7. März 2023, dem Equal Pay Day. Wenn Sie eine Frau sind, werden Sie zumindest symbolisch erst ab dem 8. März (zufälligerweise dem Internationalen Weltfrauentag) für Ihre Arbeit bezahlt.
Initiiert wurde der Tag vom Frauennetzwerk BPW, das jedes Jahr auf die Lücke hinweist, die nach wie vor zwischen den Gehältern von Männern und Frauen besteht. Doch warum gibt es diese Lücke überhaupt noch? Und was können wir dagegen tun? Eine Übersicht.
Beim Thema Lohngleichheit wird zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap unterschieden, also der Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern. Der unbereinigte Wert betrachtet das durchschnittliche Einkommen von Frauen im Vergleich zu dem von Männern. Der betrug im Jahr 2022 18 Prozent. Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienten Frauen durchschnittlich 4,31 Euro weniger pro Stunde als Männer.
In dieser Grafik sehen Sie, wie sich der Gender Pay Gap über die Jahre verändert hat:
Der Wert wird seit 2006 ermittelt. Seitdem ist der Gender Pay Gap kleiner geworden, damals lag er noch bei 23 Prozent. Der Gender Pay Gap ist deutschlandweit nicht gleich: In Ostdeutschland ist die Lohnungleichheit mit sieben Prozent deutlich geringer als in Westdeutschland.
Der bereinigte Gender Pay Gap zieht den Vergleich zwischen Gehältern bei gleicher Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie. Der Wert ist zwar geringer als im allgemeinen Vergleich, liegt aber immer noch bei sieben Prozent.
Woran also liegt die Ungleichheit bei den Gehältern? Eine beliebte Erklärung ist: „Männer verhandeln eben einfach besser.“ Sie würden forscher und mehr selbstbewusst in die Verhandlung gehen, während Frauen ihre Fähigkeiten schlechter einschätzen und zögerlicher seien. Und tatsächlich zeigen Studien, dass Frauen seltener ihr Gehalt verhandeln und früher nachgeben als Männer.
Das hat jedoch gesellschaftliche Gründe: „Schon als kleine Kinder werden wir in diesem Rollenbewusstsein aufgezogen: „Sei nett“ als Mädchen und „Setz dich durch“ als Junge“, sagt Arbeitsrechtlerin Johanna Wenckebach dem RND. Frauen hätten diese Stereotypen verinnerlicht und würden sie an den Verhandlungstisch mitbringen – wo sie womöglich auf Männer treffen, die ebenfalls Geschlechterklischees verinnerlicht haben.
Müssen Frauen also einfach nur selbstbewusster verhandeln? Ganz so einfach ist es nicht. Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass genau das auf Abwehr beim Verhandlungspartner stößt. Eine Frau, die sich entgegen der gängigen Geschlechterklischees verhält, wird demnach oft als unangenehm empfunden. „Während Männer als durchsetzungsstark und selbstbewusst wahrgenommen werden, wenn sie hart verhandeln und Forderungen stellen, wird dasselbe Verhalten bei Frauen als unangenehm, aufmüpfig oder zickig empfunden“, so Wenckebach.
Selbst wenn Frauen also weniger Erfolg in Verhandlungen haben, darf ein Arbeitgeber deshalb jedoch nicht schlechter bezahlen. Das Bundesarbeitsgericht hat erst kürzlich entschieden, dass Gehaltsunterschiede nicht mit besserem Verhandlungsgeschick begründet werden dürfen.
47,9 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiteten 2020 in Teilzeit, bei erwerbstätigen Müttern sind es sogar 65,5 Prozent. Als Gründe nennen Frauen vor allem familiäre Verpflichtungen. Der Unterschied zu Männern ist groß: Nur sieben Prozent der Väter hat die Arbeitszeit reduziert, und nur 11,2 Prozent der erwerbstätigen Männer insgesamt.
Denn obwohl Frauen weniger bezahlter Arbeit nachgehen, ist ihr Anteil bei der sogenannten Care Arbeit deutlich höher. Dazu zählen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Haushaltsarbeiten. Männer bringen im Schnitt pro Tag zwei Stunden und 46 Minuten für unbezahlte Sorgearbeit auf, bei Frauen sind es vier Stunden und 13 Minuten.
Diese Grafik zeigt, wie sich die Care Arbeit zwischen Männern und Frauen verteilt:
Männer gehen außerdem deutlich seltener in Elternzeit, weshalb die unbezahlte Arbeit nach wie vor größtenteils an Frauen hängen bleibt. Das zeigt auch diese Grafik:
Das hat auch Auswirkungen über die Zeit der Erwerbstätigkeit hinaus. Da ein großer Teil ihrer Arbeitsleistung unbezahlt ist, können Frauen im Schnitt deutlich weniger für die Rente vorsorgen und sind häufiger von Altersarmut betroffen.
Erzieherin, Krankenpflegerin, Verkäuferin: Viele Frauen arbeiten in deutlich schlechter bezahlten Berufen. Drei Viertel aller Mitarbeitenden in Erziehungsberufen ist weiblich – in gut bezahlten technischen Berufen sind mehr als 90 Prozent Männer zu finden. Müssen sich Frauen also einfach nur für andere Jobs entscheiden?
Ganz eindeutig ist die Studienlage nicht, warum sich Frauen und Männer so unterschiedlich entscheiden. Welche Art von Beruf sich Kinder vorstellen können, hängt allerdings Studien zufolge schon stark davon ab, wie darüber gesprochen wird. Mädchen trauen sich technische Berufe eher zu, wenn Lehrkräfte die Berufsbezeichnung in der weiblichen Form verwenden, also von Mechanikerinnen sprechen und nicht nur von Mechanikern. Jungen hingegen sind oft voreingenommen, was Jobs in der Pflege oder der Erziehung angeht.
Doch auch wenn Frauen in männlich dominierten Bereichen arbeiten, ist das nicht immer der Weg zur Lohngleichheit. Eine Untersuchung der Uni Bamberg fand 2015 außerdem heraus: Steigt der Frauenanteil in einem Beruf, sinkt das Lohnniveau. Und zwar nicht, weil Männer auch weniger verdienen, sondern weil Frauen konstant weniger verdienen – denn auch der bereinigte Gender Pay Gap liegt immerhin noch bei sieben Prozent.
Ende vergangenen Jahres verkündete das Bundesfamilienministerium, den Gender Pay Gap verkleinern zu wollen. Um das zu erreichen, will die Regierung Kitas ausbauen, das Elterngeld reformieren, für mehr Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen sorgen und mit dem Entgelttransparenzgesetz dafür sorgen, dass Mitarbeitende Einsicht in die Gehälter in ihrem Unternehmen bekommen können.
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Doch gerade am Entgelttransparenzgesetz gibt es Kritik. Denn gut zwei Drittel aller erwerbstätigen Frauen arbeiten dem Deutschen Gewerkschaftsbund zufolge in kleinen und Kleinstbetrieben. Das Gesetz greift jedoch erst ab einer Mitarbeiterzahl von 200., außerdem muss es mindestens sechs Personen des anderen Geschlechts geben, die den gleichen Job machen.
Außerdem sorgt das Gesetz nur für Transparenz – eine Konsequenz müssen Arbeitgeber nicht daraus ziehen.