Geschichte erlebbar machen  Noch zwei Entscheidungen, dann geht’s an den Bunkerbeton

| | 08.03.2023 13:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Bunkermuseum kann wegen Brandschutzbestimmungen seit Jahren nicht öffnen. Foto: Müller/Archiv
Das Bunkermuseum kann wegen Brandschutzbestimmungen seit Jahren nicht öffnen. Foto: Müller/Archiv
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Am 6. September soll das Emder Bunkermuseum nach Jahren der Schließung wiedereröffnen. Eine wichtige Entscheidung fiel nun, zwei stehen noch aus.

Emden - Die Wiedereröffnung des laut Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) deutschlandweit einzigartigen Emder Bunkermuseums rückt in greifbare Nähe. Nachdem der Kulturausschuss des Rats in der vergangenen Woche einem Zuschuss von 350.000 Euro für Umbauarbeiten zugestimmt hatte, kommt an diesem Mittwoch die große Mitgliederversammlung des Museums-Trägervereins zusammen. Diese muss darüber abstimmen, ob der Bunker für einen symbolischen Betrag von einem Euro von der Stadt gekauft werden soll.

Sie blicken zuversichtlich nach vorn: Roswitha Franke, Wolfram Heidrich und Marten Klose vom Vorstand des Arbeitskreises Bunkermuseum. Foto: Hanssen/Archiv
Sie blicken zuversichtlich nach vorn: Roswitha Franke, Wolfram Heidrich und Marten Klose vom Vorstand des Arbeitskreises Bunkermuseum. Foto: Hanssen/Archiv

Dieser Schritt wird als sinnvoll erachtet, weil es der Trägerverein in den Ausschreibeverfahren für die Arbeiten leichter haben dürfte als die Stadt Emden. Die Stadt nämlich müsste europaweit nach Firmen suchen, die die Brandschutzmaßnahmen am Weltkriegsbau durchführen können, der Verein kann sich regional entscheiden. „Wir wollen Firmen in und um Emden nehmen“, sagte Wolfram Heidrich aus dem Vorstand im Kulturausschuss. Er hatte bereits über Monate Angebote von Unternehmen eingeholt, die unter anderem einen außenliegenden Treppenturm aufbauen sollen. Viele hätten ihm einen „Emden-Bonus“ zugesagt, also eine Vergünstigung, weil man sich Emden verbunden fühlt.

Im April sollen Arbeiten vergeben werden

War man 2019 bei einer ersten Kostenermittlung von rund 650.000 Euro für die Arbeiten ausgegangen, hat der Verein mit der Stadt nun Gesamtkosten in Höhe von 415.000 Euro kalkuliert. Neben dem Löwenanteil von der Stadt Emden, der sich aus Haushaltsresten für die Innenstadtsanierung aus dem vorangegangenen Haushaltsjahr zusammensetzt, gibt das Land Niedersachsen 50.000 Euro dazu. Das Bunkermuseum leistet einen Eigenanteil von fast 15.500 Euro aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Beim Emder Kaufmannsmahl allein waren gut 11.500 Euro für das Museum gespendet worden. Heidrich hat einen großzügigen Puffer eingeplant, sollte es zu Preissteigerungen kommen. Wenn die Kosten geringer ausfallen, muss die Stadt Emden weniger zahlen.

Hat der Emder Rat am 16. März dem Zuschuss noch zugestimmt, kann es schnell ins Auftragsverfahren gehen, so Heidrich. Anfang April könnten die ersten Arbeiten dann schon vergeben werden. Der Übersichtsplan für die kommenden Schritte sei klar mit den Handwerkern abgestimmt. Wenn alles wie geplant klappt, soll das Museum am 6. September wieder eröffnen. An dem Tag 1944 war Emden fast vollständig zerbombt worden. Bunker wie der in der Holzsägerstraße, in dem das Museum untergebracht ist, retteten vielen Emderinnen und Emdern das Leben.

Rund 17.000 Besucher zählt das Bunkermuseum normalerweise jährlich. Weil der Bau nicht den aktuellen Brandschutz-Maßnahmen entspricht, denn er hat nur einen Ausgang, ist das Museum seit Jahren fast durchgehend geschlossen. „Es ist ein wichtiger Anlaufpunkt in der Innenstadt“, betonte Tim Kruithoff. Als Warnung vor dem Krieg und Erinnerung an den Weltkrieg sei die Einrichtung wichtig, stimmten Ausschussmitglieder überein. Annalena Sophie Götz, fürs Jugendparlament im Gremium, betonte, dass es eine Bereicherung sei, das im Unterricht gelernte an einem Ort wie dem Bunkermuseum noch einmal ganz anders zu verinnerlichen. „Es ist unglaublich, welche Gefühle und auch welchen Respekt man in diesem Museum empfindet“, sagte sie.

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