Tarifstreit um mehr Geld Verdi-Streik legt Norder Kitas lahm
Weil so viele Mitarbeiter aus städtischen Kitas in Norden sich am Streik beteiligt haben, waren Notgruppen nötig. Nur noch 40 Prozent der Kinder konnten betreut werden.
Norden - Aus keiner anderen Stadt im Landkreis Aurich haben am Mittwoch so viele Kita-Mitarbeiter am Streik der Gewerkschaft Verdi teilgenommen wie aus Norden. Das bestätigte Jürgen Jakobs von Verdi Bezirk Weser Ems unserer Zeitung. Das führte am Morgen zu gravierenden Einschränkungen in den städtischen Kindertagesstätten. Nur rund 40 Prozent der Kinder konnten am Mittwoch noch betreut werden, teilte Jasmin Ihnken von der Norder Verwaltung mit.
Wie berichtet, will die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes höhere Löhne erstreiten. Die bisherigen Verhandlungen verliefen ergebnislos, sodass es nun zu weiteren Warnstreiks kam.
Eltern der Kitakinder wurden frühzeitig informiert
Am schlimmsten betroffen waren die Norder Eltern der Kindergärten Schulstraße und Wirde Landen. Dort wurde der Betrieb in der Kita Wirde Landen zusammengelegt. Aus beiden Kitas wurden dort in Notgruppen noch 65 Kinder betreut. Im Kindergarten Süderneuland waren es noch 25 von insgesamt 83 Kindern. Die Kita Hooge Riege war laut Verwaltung fast vollständig besetzt. Dort sei es nur vereinzelt in der Nachmittagsgruppe zu Einschränkungen gekommen. Kinder mussten etwa früher abgeholt werden.
In allen Kitas seien die Eltern aber frühzeitig informiert worden, sodass der Bedarf für die Notbetreuung angemeldet werden oder alternative Betreuungen organisiert werden konnten, so Ihnken. Denn, bei allem Verständnis für den Arbeitskampf, sei es aus Sicht der Verwaltung am wichtigsten, dass die Eltern, die eine Betreuung für ihre Kinder benötigen, diese auch am Streiktag bekommen.
Gewerkschaft spricht von vielen Neueintritten
Der Gewerkschaftsvertreter Jürgen Jakobs bestätigte die starke Norder Beteiligung auch an der Kundgebung auf dem Rathausmarkt in Oldenburg. Auch die Gemeinde Hinte habe sich „durchaus“ am Streik beteiligt, so Jakobs. Im Bereich Aurich habe es hingegen nur vereinzelte Teilnehmer gegeben, aber nicht in einem solchen Ausmaß, dass Kitas hätten geschlossen werden müssen. Darüber hinaus hätten sich der Kreis Wittmund und Friesland stark am Streik beteiligt. Dieses Bild ergab auch eine Abfrage unserer Zeitung. Danach waren in Aurich und Ihlow keine kommunalen Kitas vom Streik betroffen. Holger Saathoff, Fachbereichsleiter in Ihlow sagte dazu: „Der Kelch ist bisher an uns vorüber gegangen.“ Auch Großefehn war nicht betroffen. In Südbrookmerland gibt es keine kommunalen Kitas.
Darüber hinaus sprach Gewerkschafter Jürgen Jakobs von einer hohen Zahl an Neueintritten. Die Zahl sei „ganz gewaltig“, so Jakobs. Konkrete Zahlen für die einzelnen Bereiche wollte er aber nicht mitteilen.
Der Norder Bürgermeister Florian Eiben hatte in dieser Woche bereits Verständnis für die Forderungen der Arbeitnehmerseite gezeigt, auch wenn für die Tarifverhandlungen die Tarifvertragsparteien zuständig sind, wie er betonte. „Die Forderung der Arbeitnehmerseite kann ich nachvollziehen, insbesondere durch die stark gestiegenen Energiekosten und die Inflation, sowie früheren ‚Nullrunden‘“, sagte Eiben. Um wettbewerbsfähig gegenüber der Privatwirtschaft zu bleiben, aber auch in Anerkennung der guten Arbeit der Kollegen im öffentlichen Dienst, sollte aus Eibens Sicht eine „merkbare Tariferhöhung“ erfolgen. „Wir sind zuversichtlich, dass eine gute Einigung zwischen den Tarifvertragsparteien dazu auch erfolgen wird“, sagte er.