Verkehr in der Emder Neutorstraße  Die kluge Strategie der kleinen Schritte

Heiko Müller
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Ein Kommentar von Heiko Müller
| 08.03.2023 19:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieses Bild zeigt das grobe Prinzip, wie der Verkehr in der Neutorstraße künftig fließen soll. Aber: Geht es nach der Verwaltung, soll alles einheitlich gepflastert und ebenerdig werden. Grafik: Stadt Emden
Dieses Bild zeigt das grobe Prinzip, wie der Verkehr in der Neutorstraße künftig fließen soll. Aber: Geht es nach der Verwaltung, soll alles einheitlich gepflastert und ebenerdig werden. Grafik: Stadt Emden
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Die Stadt Emden will den Autoverkehr vorerst nicht ganz aus der Neutorstraße verbannen. Dabei wäre es aus ihrer Sicht die beste Lösung.

Emdens parteiloser Oberbürgermeister Tim Kruithoff nimmt bei seiner großen Verkehrsreform für die Innenstadt den Fuß vom Gaspedal. Für die Neutorstraße propagiert er ein gemäßigtes Tempo. Seine Strategie der kleinen Schritte ist gut und richtig. Denn für die radikale Lösung, den Abschnitt zwischen dem Knotenpunkt Agterum und dem Rathaus als reine Fahrradstraße auszuweisen und damit praktisch autofrei zu machen, ist die Zeit noch nicht reif.

In der Stadtverwaltung wissen sie, dass ein solcher Einschnitt zum großen Aufschrei in den Randgebieten der Innenstadt führen und den Verkehr auf den Ausweichstraßen über die Maßen belasten würde. Die Proteste, die seit Beginn der Einbahnstraßenregelung in der Neutorstraße vor allem aus Faldern kommen, sind schon laut genug.

Wer Kruithoff genau zuhört, der weiß, was er und seine Stadtplaner im Sinn haben. Sie wollen die Verkehrsteilnehmer quasi häppchenweise Appetit auf mehr machen. Als ein Beispiel nennt der OB beispielsweise Shopping-Tage, an denen die Neutorstraße für Autos dicht gemacht wird. Mit solchen kleinen Schritten will er die Bürgerinnen und Bürger überzeugen und behutsam an weitergehende Varianten heranführen. Das ist der klügere Weg, als par ordre du mufti sofort die autofreie Zone auszuweisen.

Wenn die Neutorstraße vielleicht 2026 einmal so umgebaut sein wird, wie es die Stadt plant, und zu einem sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 und Rampen an der Ein- und der Ausfahrt wird, werden sich Autofahrer ohnehin zweimal überlegen, ob sie diese Achse noch nutzen. Bis dahin werden sie sich in kleinen Schritten schon mal daran gewöhnen können. Und an den Häppchen wird sich niemand verschlucken.

Den Autor erreichen Sie unter h.mueller@zgo.de

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