Mehr Mut! Eine Befreiung vom Auto wäre besser
Die Verkehrsexperimente in der Emder Neutorstraße sind beendet. Die Stadt schlägt eine handzahme Gesamtlösung vor. Mehr Mut hätte Signalwirkung.
Ja, Veränderungen sind schwierig. Alte Gewohnheiten sitzen meist tief. Doch gerade beim Thema Verkehrswende und „autofreie Innenstädte“ sollte man nicht auf die Bremse treten. Weniger Autos bedeutet schließlich: bessere Luft, sicherere Straßen, weniger Stress. Um das verdeutlicht zu bekommen, muss man nur einmal auf eine unserer autofreien Inseln gehen.
Je unattraktiver man Innenstädte für Autos macht, desto weniger Autos wird es dort geben. Und das Argument, dass dann niemand mehr ins Zentrum kommt, lasse ich nicht gelten. Dafür haben wir mittlerweile zu viele Emderinnen und Emder, die gerne mit dem Rad fahren – da muss man sich nur an den Markttagen umschauen.
Und im Parkhaus das Auto abzustellen und dann ins Zentrum zu laufen, klappt in den Niederlanden ja auch bestens. Es würde kein Emder auf die Idee kommen, in Groningen eine Parkbucht direkt bei der Fußgängerzone zu suchen.
Deswegen sehe ich es wie die Stadtverwaltung und auch wie die Bürgerinnen und Bürger bei der Info-Veranstaltung: Die beste Lösung wäre es eigentlich, die Neutorstraße komplett autofrei zu gestalten. Das wäre der mutige Schritt. Das hätte eine Signalwirkung, die weit über Ostfriesland hinaus strahlen würde. Emden meint es ernst.
Bis 2030 sollen Radfahrer 40 Prozent des Gesamtverkehrs in Emden ausmachen. Jetzt sind es schon etwa 30 Prozent. Die Vorbedingungen sind also denkbar gut. Also: Wer Radwege schafft, wird Radverkehr ernten. Das wäre der richtige Schritt.
Die Autorin erreichen Sie unter m.hanssen@web.de
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