Berlin Abwesenheiten im Bundestag: Sahra Wagenknecht fehlt besonders oft
Regelmäßig stimmt der Bundestag über wichtige Beschlüsse ab. Nicht immer sind dabei alle Abgeordneten anwesend. Das gilt besonders für Sahra Wagenknecht, die für einen Talkshow-Auftritt auch mal eine Sitzung verpasst.
Im September des vergangenen Jahres polarisierte Sahra Wagenknecht mit einer Rede im Bundestag. Die Linken-Politikerin warf der Bundesregierung damals vor, einen Wirtschaftskrieg gegen Russland zu führen und erklärte, Deutschland habe „die dümmste Regierung in Europa.“
Wie eine Recherche des „Spiegels“ jetzt zeigt, war der Auftritt von Wagenknecht eine echte Seltenheit. Denn im Vergleich zu anderen Abgeordneten, fehlt die Politikerin im Bundestag besonders häufig.
Demnach tagte der aktuelle Bundestag seit Oktober 2021 insgesamt 89-mal. Wagenknecht fehlte dabei 29-mal entschuldigt. Bei weiteren acht Sitzungen war sie wiederum ohne Entschuldigung abwesend. Der „Spiegel“ geht daher davon aus, dass die Linken-Politikerin bei 37 von 89 Sitzungstagen zumindest nicht bis zum Ende geblieben war.
Nach Angaben des Nachrichtenmagazins fehlen die meisten Bundestagsabgeordneten durchschnittlich zehn bis 15-mal bei Sitzungen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) – von Berufs wegen viel unterwegs – fehlte bei den Sitzungen 18-mal entschuldigt, bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) waren es 17-mal.
Allerdings ist Wagenknecht bei den Fehltagen nicht die Rekordhalterin. Uwe Witt, ehemaliger AfD-Politiker und mittlerweile fraktionsloser Abgeordneter, ließ sich nur bei 4 der insgesamt 89 Bundestagssitzungen blicken.
Wagenknechts Abwesenheiten setzen sich auch bei den Bundestagsabstimmungen fort. Hier soll die Linken-Politikerin von 67 Abstimmungen lediglich an 34 teilgenommen haben. Zum Vergleich: Parteikollegin und Linken-Chefin Janine Wissler fehlte nur bei neun Abstimmungen, bei Fraktionschef Dietmar Bartsch war es eine einzige. Auch Baerbock verpasste lediglich 27 Abstimmungen.
„Ich bin leider mehrfach krankgeschrieben gewesen und konnte deshalb an etwa 30 Sitzungstagen nicht teilnehmen“, sagte Wagenknecht auf Nachfrage des „Spiegels“. Nach einer Burn-out-Erkrankung hatte die Linken-Politikerin 2019 den Fraktionsvorsitz aufgegeben, im vergangenen Jahr infizierte sie sich zudem mit dem Coronavirus.
Jedoch waren ihre Erkrankungen nicht der einzige Grund, warum Wagenknecht so häufig im Bundestag fehlte. Aufgrund der stellenweise kurzfristigen Ansetzung von Abstimmungen hätten sich „terminliche Kollisionen nicht in jedem Fall vermeiden lassen“, so die Politikerin. Darunter fallen auch Auftritte bei Talkshows, beispielsweise bei „Markus Lanz“.
Ein Beispiel ist dafür der 19. Mai 2022. Zwar erschien Wagenknecht zur Sitzung im Bundestag, zum Tagesordnungspunkt 14 – eine Abstimmung zur Nahrungsmittelversorgung in der Ukraine – verließ sie allerdings den Bundestag und nahm an der Talkshow im ZDF teil.