Wolfsrudel in Friedeburg Nach jüngsten Wolfsrissen wächst die Nervosität
Das neue Jahr bescherte den Tierhaltern rund um den Knyphauser Wald wieder tote und verletzte Tiere. Selbst ein Pferd wurde Opfer einer Wolfsattacke. Nicht verwunderlich, sagt die Landesjägerschaft.
Landkreis Wittmund - Um das Friedeburger Wolfsrudel war es zuletzt ruhiger; zumindest wurden deutlich weniger Risse von Nutztieren gemeldet. Doch nun nimmt die Zahl der Wolfsrisse im Umfeld des Knyphauser Waldes (Gemeinde Friedeburg) wieder zu. Ende Januar und Anfang März wurde ein Pferd in Collrungermoor bei Wolfsattacken verletzt. Und am 7. März gab es gleich zwei Übergriffe auf Schafherden in Dose in der Gemeinde Friedeburg. Mit verheerendem Ausgang: 18 Tiere kamen ums Leben, 16 wurden verletzt. So ist es auf der Umweltkarte des Landes Niedersachsen nachzulesen, auf der die Nutztierrisse durch Wölfe verzeichnet sind.
Hintergrund: In der Gemeinde Friedeburg lebt ein bestätigtes Wolfsrudel, so ist es bei der Landesjägerschaft Niedersachsen nachzulesen, die das Wolfsmonitoring betreibt. Im vergangenen Jahr kam es in der Gemeinde Friedeburg sowie in angrenzenden Kommunen zu zahlreichen Wolfsrissen, vor allem von Rindern. Zwischen April und November wurden in diesem Gebiet 15 Kühe nachweislich vom Wolf attackiert. Hauptverantwortlich war ein Rüde, dem per DNS-Nachweis mehr als die Hälfte dieser Angriffe zugeordnet werden konnte. Wenn die Tiere nicht gleich starben, mussten sie eingeschläfert werden. Mit dem Aufstallen des Viehs im Winter hörten diese Vorfälle auf.
Das Pferd
Die beiden Angriffe auf das Pferd sind für Ostfriesland ungewöhnlich. Auf der Umweltkarte des Landes Niedersachsen gab es in dieser Region keinen einzigen solchen Fall, solange sie zurückreicht, also bis 2021. Auch im übrigen Niedersachsen sind sie selten. In den Kreisen Cuxhaven und Stade kamen Wolfsangriffe auf Pferde vereinzelt vor, auch um Hannover herum.
Die beiden Angriffe in Ostfriesland sind auch deshalb ungewöhnlich, weil es beide Male dasselbe Pferd traf. Ein Deutsches Reitpony, wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mitteilt, das mit anderen Pferden zusammen in einem Offenstall gestanden habe. Demnach waren die Tiere auch nicht ungeschützt: Die Weide sei mit einem Litzenzaun bestehend aus sechs Litzen wolfsabweisend eingezäunt, heißt es weiter. Die Litzen seien in den Höhen 20, 40, 60, 90, 120 und 130 Zentimeter angeordnet gewesen. Die Angriffe auf das Reitpony ereigneten sich am 27. Januar und am 3. März.
Das Pferd als Beute
Bei der Landesjägerschaft Niedersachsen sind die beiden Wolfsangriffe auf das Reitpony in Ostfriesland bekannt. „Wenngleich Pferderisse sehr selten sind, nehmen sie mit zunehmender Wolfspopulation in Deutschland zu“, schreibt auf Nachfrage Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft. Das sei nicht verwunderlich, da auch Pferde zum Beuteschema von Wölfen gehörten. In Nordamerika etwa würden sogar ausgewachsene Elche, Moschusochsen oder Bisons von Wölfen gerissen.
Wölfe seien außerdem sehr intelligent, schreibt Reding, und immer wieder würden einzelne Individuen herausstechen, die bei der Jagd ein größeres Risiko eingingen. „Ein Wolf der schonmal gute, bzw. keine schlechten Erfahrungen an Pferden gemacht hat, neigt folglich eher dazu, zum Wiederholungstäter zu werden und dieses Verhalten eventuell an seine Nachkommen weiterzugeben.“ Die Möglichkeit, dass das Raubtier sich mit dem Angriff auf ein Pferd irgendwie versehen haben könnte, wischt Reding vom Tisch: „Wölfe sind wie gesagt hochintelligent und haben Zeit, sie können Situationen genau beobachten und sondieren, dabei kommt es nicht zu einem Versehen.“
Die Nervosität
Mit den Rissen in diesem Jahr – vor allem mit den vielen toten Schafen in Dose – nimmt auch die Nervosität in der Bevölkerung wieder zu. So nimmt es jedenfalls Wittmunds Kreisjägermeister Harald Dirks wahr. „Die Sichtungen häufen sich, mittlerweile gibt es innerhalb einer Woche mehrere Begegnungen“, sagt er. Er selbst hat nach eigenem Bekunden noch keinen Wolf gesehen, erhalte aber stets die Berichte über Sichtungen. Im Karl-Georgs-Forst, dem anderen größeren Waldstück in der Gemeinde Friedeburg, würde außerdem praktisch täglich frische Wolfslosung gefunden, so Dirks.
Während der vergangenen Winterwochen haben sich die Raubtiere vermutlich überwiegend von Wild ernährt. „Wir sehen nicht mehr so viel Jungwild in den Revieren“, sagt der Kreisjägermeister. Ein Jäger habe sogar beobachtet, wie ein Wolf ein Damkalb niederriss und tötete. Wie das nun weitergeht in diesem Jahr? Dirks geht davon aus, dass es sehr viel mehr Nutztierrisse geben wird. Es sei denn, die Landwirte würden ganz darauf verzichten, ihre Tiere auf die Weiden zu lassen. Angesichts der jüngsten Risse hält der Jäger das für gar nicht mehr so unwahrscheinlich.
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