Pflasterarbeiten in Emden Die Sanierung der Fußgängerzone könnte schneller fertig sein
Im April waren die Arbeiten in der Straße Zwischen Beiden Sielen gestartet. Jetzt sei man praktisch auf der Zielgeraden. Die Arbeiter aber müssen viel Kritik einstecken, ärgert sich der BEE.
Emden - Gerade in diesen Tagen, in denen der Matsch sich in der Emder Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen auch noch mit Schnee vermischt und niemand mehr trockenen Fußes hindurchkommt, wünscht man sich ein Ende der Sanierung. Anders als Kritiker meinten, gingen die Arbeiten aber sehr gut voran und seien voll im Zeitplan, sagte Wolfgang Fecht vom Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) im Ausschuss am Donnerstagabend. Die schwierigsten Flächen habe man schon hinter sich. „Ich will nicht sagen, wir sind auf der Zielgeraden, aber jetzt kommt nur noch der kleinste Teil.“
Laut Zeitplan habe es von Anfang an geheißen, dass die Arbeiten im Sommer 2023 fertig sein würden. „Wir werden wohl eher fertig werden“, sagte er nun. Einen genauen Termin wollte er aber nicht nennen. Er ärgerte sich darüber, dass insbesondere den Männern, die nun die Pflasterarbeiten durchführten, vorgeworfen werde, dass sie zu lange bräuchten. „Viele Vorarbeiten waren nötig“, sagt Wolfgang Fecht. Die Stadtwerke etwa hätten neue Rohre verlegen müssen, der Kanalbau sei tätig geworden.
Viel Arbeit für einen Baum
Um zu erklären, dass die Arbeiten nicht so simpel sind, wie Kritiker meinen, nannte das Beispiel der Baumpflanzung vor dem Hörcenter Auric. Anders als früher wolle man dafür sorgen, dass ein Baum lange stehen bleiben und die Wurzeln tief ins Erdreich graben kann, statt diese nach oben wachsen zu lassen und das Pflaster irgendwann anzuheben. Dafür wurden zwölf Kubikmeter, also 12.000 Liter Erde, durchwurzelbarer Raum unter dem Baum geschaffen, so Fecht. „Das muss man erst mal machen“, sagte er.
Auch seien sie schon mehrfach wegen der noch fehlenden Holz-Rondell-Bank vor der Löwen-Apotheke angesprochen worden. Mit der Montage warte man aber bewusst ab, obwohl das Möbelstück schon vorliege, weil der derzeit für die Arbeiten noch ständig vorbeifahrende Radlader die Bank sonst beschädigen könnten. „Vor Ostern wird die Bank montiert“, so Wolfgang Fecht.
Bauarbeiter werden scharf kritisiert - zu Unrecht
„Wir sind gut dabei“, betonte er. Klinker aber sei gar nicht einfach zu verlegen. Auch seien Kabelschächte schwer zu bekommen, was die Pflasterarbeiten komplizierter gestaltet. Um voranzukommen, habe man teilweise die Kabel erst einmal „nackt“ in den Boden gelegt und die Straße zugepflastert. Später müssen die Steine dann wieder hochgenommen werden. Auch dürften bei Temperaturen unter fünf Grad keine Elektrokabel verlegt werden, so dass man teilweise auf besseres Wetter warten müsse.
Um die Störungen für die Einzelhändler so gering wie möglich zu halten, habe das Bauarbeiter-Team teilweise schon um halb 7 vor den Ladentüren mit der Pflasterarbeit begonnen, um zur Ladenöffnungszeit fertig zu sein, hob Fecht hervor. Wenn er das Engagement der Männer sehe, könne er noch weniger verstehen, dass die Mitarbeiter mitunter „hart kritisiert“ würden - unter anderem über die sozialen Medien. „Die Motivation lässt dann auch nach.“ Teilweise bekäme der BEE Anrufe von Passanten, die darauf hinweisen wollten, dass „die Firma gar nicht arbeitet“, nur weil die Männer mal eine Pause gemacht hätten.
Immer wieder Kritik - Sanierung aber notwendig
Im vergangenen April war die Sanierung losgegangen. Der Baustart hatte eine Woche Verspätung, weil die zuständige Baufirma wegen Corona-Fällen Personalmangel hatte. Schon die großen Bauzäune in der Fußgängerzone hatten für viel Kritik gesorgt. Sie hätten den Bummel-Bereich für Passanten stark eingegrenzt und den Geschäften keine Möglichkeit gelassen, ihre Waren draußen zu präsentieren. Die Stadtwerke und deren Tochtergesellschaft Emden Digital hatten dann dort die Versorgungsleitungen für Gas, Wasser, Strom sowie für das Glasfasernetz komplett erneuert.
Auch die Einzelhändler hatten wiederholt Kritik geäußert: der Baulärm, die blockierten Zugänge ihrer Geschäfte, der Schmutz. Gleichzeitig aber hatten viele ihr Verständnis für die Maßnahme signalisiert, wie in Gesprächen mit dieser Zeitung deutlich wurde. Tatsächlich scheinen Anwohner wie Einzelhändler mit Geduld auf die Sanierung zu reagieren. Laut Stadtsprecher Dinkela habe es bislang, so erklärte er Ende Oktober auf Nachfrage, zumindest kaum Beschwerden wegen der Lärm- und Schmutzbelästigung gegeben. Die Sanierung, so störend sie auch sein mag, wurde allen voran von Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands für Ostfriesland mit Sitz in Emden, immer wieder als absolut notwendig bezeichnet. Die Fußgängerzone sei deutlich in die Jahre gekommen.
Die Straße wird mit den gleichen rot-bunten Klinkern gepflastert wie der Neue Markt. Es sollen die gleichen Lichtmasten und Sitzbänke wie dort aufgestellt werden. Und auch besondere Lichtinstallationen mit Projektionen auf das Straßenpflaster, wie es sie unter anderem auch auf der Straße Zwischen beiden Märkten schon gibt, sind geplant. Auf Plattdeutsch steht auf dem Banner, der über der Flaniermeile hängt: „Dat mutt eerst mall worden, ehrdat dat mooi word“. Es muss erst einmal schlimm werden, bevor es schön wird, also.