Verkehr in Südbrookmerland  Warum „Elterntaxis“ zur Gefahr für Kinder werden können

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 11.03.2023 09:03 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sogenannte Elterntaxis an Schulen sind ein Problem für die Verkehrssicherheit. Foto: Peter Steffen/dpa
Sogenannte Elterntaxis an Schulen sind ein Problem für die Verkehrssicherheit. Foto: Peter Steffen/dpa
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In Südbrookmerland kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil massenhaft Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Die Polizei hat Tipps, die für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Südbrookmerland - Jeden Morgen derselbe Anblick in Südbrookmerland: Ein Auto nach dem anderen bahnt sich vor Schulen den Weg durch die Menge und lässt ein Kind aussteigen. So beschreibt Gemeindesprecherin Martina Dirksen die Situation. Dabei werde oft einfach dort geparkt, wo gerade Platz ist.

Was und warum

Darum geht es: Morgens kann es an Schulen und Kitas durch hohes Verkehrsaufkommen gefährlich werden. Die Polizei erklärt, wie Eltern dafür sorgen, dass der Schulweg sicherer wird.

Vor allem interessant für: Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler

Deshalb berichten wir: Die Gemeinde Südbrookmerland hat darauf hingewiesen, welch großes Problem sogenannte Elterntaxis darstellen können.

Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de

„Trotz verschiedener Aktionen, wie dem Installieren von eingeschränkten Halteverboten und Kontrollen des Ordnungsamtes und der Polizei, parken Eltern weiterhin direkt vor den Einrichtungen“, sagt sie. Das sei nicht nur verkehrswidrig und führe zu Beschwerden der Lehrkräfte, deren Parkplätze durch das Verkehrschaos blockiert seien. Die Masse an sogenannten Elterntaxis könne gerade für die Kleinsten sogar gefährlich werden. Eine vermeidbare Gefahr, findet Wiebke Baden, Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Sie hat Tipps, wie sich Eltern richtig verhalten.

Warum bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule?

Die Gründe, aus denen Kinder mit „Elterntaxis“, statt mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule gebracht werden, seien vielfältig. Zum einen meinten einige Eltern, es sei sicherer für den Nachwuchs, mit dem Auto gefahren zu werden, weiß die Polizeisprecherin. Das werde gerade dann angenommen, wenn ein Kind noch im Grundschulalter ist. „Zwar gibt es mehr Verkehr, als noch vor ein paar Jahrzehnten, aber es wird auch viel getan, um den Schulweg sicherer zu machen: mehr Ampeln und Zebrastreifen oder eine bessere Beleuchtung zum Beispiel. Außerdem ist die Polizei in den Morgenstunden vermehrt auf Streife“, so Baden. Sicherheit von kleinen Kindern sei jedoch nicht der einzige Grund, aus dem es inzwischen so viele „Elterntaxis“ gebe, meint die Sprecherin.

Der Schulweg ist einigen Eltern für ihre Kinder alleine zu gefährlich. Andere bringen ihren Nachwuchs aus Bequemlichkeit mit dem Auto. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Schulweg ist einigen Eltern für ihre Kinder alleine zu gefährlich. Andere bringen ihren Nachwuchs aus Bequemlichkeit mit dem Auto. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Manchmal liege es schlichtweg an Bequemlichkeit. Es koste nicht so viel Zeit, mit dem Auto zur Schule zu fahren, wie das Kind zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu begleiten. „Und vielleicht muss ich da eh lang, wenn ich zur Arbeit fahre. Das ist dann für viele einfach praktischer“, erklärt Baden das Verhalten. Dagegen sei auch grundsätzlich nichts einzuwenden, findet sie. Es gebe jedoch Probleme, wenn das „Elterntaxi“ zur Regel werde und nur ein Kind pro Auto zur Schule gebracht wird.

Wo liegt die Gefahr dabei?

Die Polizei und die Gemeinde Südbrookmerland warnen davor, dass „Elterntaxis“ in der Masse problematisch, gar gefährlich, sein können. Bringen Eltern ihren Nachwuchs beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit zur Schule, bringe das oft Zeitdruck mit sich. „Das Kind wird schnell aus dem Auto gelassen, ohne wirklich zu gucken, ob es gerade sicher ist. Dabei kann es zu brenzligen Situationen kommen“, sagt Polizeisprecherin Baden.

Das hohe Verkehrsaufkommen verunsichere außerdem einige Autofahrerinnen und -fahrer, was ebenfalls zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen könne. In der Masse an Autos würden zudem Schülerinnen und Schüler, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad ankommen, eher übersehen, warnt sie.

Wann kann ein Kind alleine den Weg zur Schule antreten?

Je jünger ein Kind, desto weniger weiß es, andere Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer einzuschätzen. Gerade in den ersten beiden Schuljahren sei es deshalb wichtig, Kinder auf ihrem Schulweg mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu begleiten, sagt Baden. Stichwort: Verkehrserziehung. „Wir bieten auch Fußgänger- und Radfahrführerscheine für Kinder an Kindergärten und Schulen an. Aber das ist vor allem dafür da, die allgemeinen Regeln zu lernen. Echte Verkehrssituationen können wir da nur eingeschränkt simulieren“, erklärt sie.

Werden Kinder auf dem Schulweg begleitet, sei das näher an der Realität. „Dann können Eltern den Kleinen alles zeigen und auf Gefahren hinweisen. So lernen Kinder, mit Verkehrssituationen umzugehen“, so die Polizeisprecherin. Das koste zwar Zeit, lohne sich aber allemal, findet sie. Danach könnte der Nachwuchs den Schulweg auch ohne Begleitung antreten.

Wie verhalten Eltern sich richtig, wenn sie Kinder doch mit dem Auto bringen?

Ob aufgrund des Wetters oder einer Verletzung: „Es gibt immer Fälle, da geht es nicht anders, als mit dem Auto zur Schule zu fahren“, sagt Baden. Ist dies abzusehen, sei es allerdings sinnvoll, Fahrgemeinschaften mit anderen Eltern einzurichten. Das habe gleich zwei Vorteile: Zum einen würde es für ein geringeres Verkehrsaufkommen vor den Einrichtungen sorgen. Zum anderen müssten Eltern nicht jeden Tag den Weg selbst antreten.

Fahrgemeinschaften können das Verkehrschaos entzerren. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Fahrgemeinschaften können das Verkehrschaos entzerren. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Grundsätzlich gelte beim Autofahren an Schulen und Kitas erhöhte Vorsicht. „Man sollte vorausschauend fahren, genügend Abstand zu anderen halten und einen geeigneten, sicheren Platz zum Halten suchen“, rät die Polizeisprecherin.

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