Seit 65 Jahren verheiratet Fehntjer feiern eiserne Hochzeit in der dritten Generation in Folge
Großes familiäres Glück erleben Berta und Karl Weber aus Ostgroßefehn seit Jahren, doch bis zu ihrer Eisernen Hochzeit jetzt haben sie auch bittere Schicksalsschläge erlitten.
Ostgroßefehn - 65 Jahre lang verheiratet durchs Leben zu gehen, Höhen und Tiefen zu durchleben und gemeinsam die eiserne Hochzeit feiern zu können, das schaffen nur wenige Paare. Mit diesem Jubelfest, das Karl Weber aus Ostgroßefehn mit seiner Frau Berta (geb. van der Hey) an diesem Mittwoch feiern kann, gelingt seiner Familie aber sogar der Hattrick. „Ich weiß nicht, ob das in den Genen liegt, aber meine Eltern und meine Großeltern haben das auch geschafft – und drei eiserne Hochzeiten in Folge: Das ist doch schon was, oder?“, sagt der 88-Jährige, grinst und zieht einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1957 hervor über die diamantene Hochzeit seiner Großeltern, Stienke und Cassen Weber. Ein Jahr später sollte er seine Jugendliebe Berta selbst heiraten und mit ihr gemeinsam Vater eines Sohnes werden.
Wie sein Großvater und sein Vater verdingte sich Karl Weber aus Südermoor bei Bagband nach der Schule in der Landwirtschaft und bei seinem Großvater als Milchfuhrmann. „Berta hat damals in der Pastorei in Bagband gearbeitet, ich habe den Posaunenchor dort mitgegründet – und da haben wir uns immer gesehen und oft auch, wenn wir mit dem Milchwagen bei einem Bauernhof beim Pfarrhaus gewendet haben und Berta dort Milch geholt hat. Dann haben wir uns immer angeblinkt“, sagt Karl Weber und lächelt seine Frau an. „Es sind aber noch einige Jahre unter der Tür durchgegangen, bis wir auch ein Paar geworden sind. Sie wollte erst wissen, ob ich auch ein vernünftiger Kerl bin“, sagt der Jubilar und lacht. Das geschah im April 1957 auf dem Bagbander Markt. „Damals gab es in Bagband ’ne wunderbare Blaskapelle, und dann haben wir getanzt. Mann, wie toll haben wir getanzt“, fügt Karl Weber an.
Bewegtes Berufsleben, schwere Schicksalsschläge
Anders als seine Altvorderen blieb Karl Weber nur kurz Milchfuhrmann, ging dann als Heizer auf einen Schlepper, der Lastenkähne über den Dortmund-Ems-Kanal und später auch über den Rhein von Rheinfelden bis Rotterdam zog. Dann fing der Fehntjer im Freileitungsbau bei einer Firma aus Detern an, wechselte in eine Eisengießerei, ehe er als Lkw-Fahrer für Baustoffe bei einem Bauunternehmen anheuerte. Es folgten zwei Jahre bei einem Maschinenbauer in Großefehn und zwei weitere Stellen als Laster-Fahrer für Baustoffe. „Man kann schon sagen, ich hatte deutlich mehr verschiedene Arbeitsstellen als Frauen“, sagt Karl Weber und lacht. Berta Weber verdingte sich unter anderem als Haushälterin in Düsseldorf, arbeitete auf den Ostfriesischen Inseln und in der Schreibmaschinenfabrik Olympia in Wilhelmshaven.
Und wie kriegt man das hin? „Viel Arbeit, viel Verständnis füreinander, viel Liebe und enger Zusammenhalt“, sagt der Fehntjer. Der Zusammenhalt wurde im Leben der Webers mehrfach auf harte Proben gestellt. So unglaublich glücklich das Paar über zwei gesunde Kinder, fünf Enkelinnen und zwei Urenkel ist: Gleich drei eigene Kinder musste das Paar zu Grabe tragen. Zwei starben in ganz jungen Jahren an Krankheiten. Ihren ersten Sohn verloren die Webers im September 1976, als er – 18 Jahre alt – als Mitfahrer auf einem frisierten Moped auf dem Rückweg von der Disco vom Sitz geschleudert und von einem entgegenkommenden Auto getroffen wurde. „Das war wirklich hart, bricht dir das Herz in 1000 Stücke. Da hat man schon viel Freude im Leben verloren – auch wenn das Leben ja weiterging“, sagt Karl Weber. Umso glücklicher sei das Familienleben geworden, als Anfang 1979 zusätzlich zum 1964 geborenen Sohn mitten im dicken Gestöber der Schneekatastrophe 1979 Tochter Erika zur Welt kam. „Das war wirklich ein ganz besonderes Geschenk“, sagt Karl Weber.
Hausmannskost, Honig und Reisen halten fit
Die Tochter wohnt inzwischen im Haus hinter den Webers, hat drei Töchter und zwei davon, Zwillinge, kommen jeden Morgen noch vor der Schule zum Teetrinken. „Dafür stehen wir gern extra früher auf“, sagt Berta Weber. „Unsere Enkel und Urenkel sind unser ganzer Stolz, unser Leben“, fügt die ebenfalls 88-Jährige an. Die drei Generationen essen auch täglich gemeinsam zu Mittag. Eine Woche lang gibt es bei den Großeltern „ostfriesische deftige Hausmannskost, die gibt Kraft und hält jung: Schnippelbohnen, Grünkohl, Bratkartoffeln mit schön Speck dran“, sagt Karl Weber. In der anderen Woche gibt es dann „auch mal Nudeln, Pizza, modernere Sachen“, sagt Tochter Erika Fürst. „Auch lecker“, sagt Berta Weber.
Die Enkelinnen helfen auch gern mit, wenn Berta und Karl Weber selbst mit annähernd 90 Jahren weiter im Garten rackern, Kartoffeln pflanzen, grüne Bohnen ziehen, Beete jäten, Blumen betüdeln, imkern. „Den ganzen Tag im Sofa sitzen ist nichts für mich: So ’n bisschen rumklüngen ist viel besser und hält gesund“, sagt Karl Weber. Seit mehr als 50 Jahren imkert er und Berta Weber „liebt es, im Garten zu sein“. Und jeden Morgen essen beide Senioren warme Milch mit Haferflocken und einem Esslöffel eigenen Honigs. Und manchmal schwärmen sie dann von den gemeinsamen Reise-Erlebnissen. Viermal waren sie in den USA – „ganz beeindruckend war der weltgrößte Flugzeug-Schrottplatz der Welt in Tucson, Arizona“, sagt der 88-Jährige. Dreimal waren sie zudem in Kanada und ungezählte Male sonst unterwegs, in Moskau und St. Petersburg, gern auch im Allgäu und im Schwarzwald. In die USA bestanden auch familiäre Bande zu Ausgewanderten, die aus Ostfriesland stammten.
Nun aber wird sich an diesem Mittwoch erst mal das Haus mit Gästen zum Feiern und Teetrinken füllen. Am Wochenende gibt es dann einen noch etwas größeren Tee-Empfang. „Und das Wichtigste ist, dass die Familie da ist. Und wir haben so ein unglaublich schönes Familienleben. Nach allen Tiefen, die wir auch durchgestanden haben, ist das ein unschätzbares Glück“, sagt der Jubilar.