Hamburg  Risiko minimieren: Was Sie tun können, um Demenz vorzubeugen

Jule Rumpker
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Von Jule Rumpker
| 14.03.2023 14:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jeder Dritte ab 90 Jahren ist von einer Demenzerkrankung betroffen. Foto: imago images/imagebroker/Jan Tepass
Jeder Dritte ab 90 Jahren ist von einer Demenzerkrankung betroffen. Foto: imago images/imagebroker/Jan Tepass
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Es gibt bestimmte Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung, die Sie minimieren können – auch schon im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Darauf sollten Sie achten.

Dutzende Studien haben bereits gezeigt, dass der schleichende Verlust von Denkleistung zu den Alterserscheinungen des Gehirns gehört. Doch in etlichen Fällen lässt sich der Beginn einer Demenz herauszögern. Zwar gibt es genetische Faktoren, auf die Sie keinen Einfluss haben – gleichwohl aber auf bestimmte andere Aspekte.

Forschende haben Faktoren ausfindig gemacht, die vorbeugend wirksam sein können gegen das Vergessen. In der sogenannten Livingston Studie kommt die internationale Expertenkommission zur Demenzprävention in der Zeitschrift Lancet zu dem Schluss, dass es neben nicht vermeidbaren Ursachen auch veränderbare Risikofaktoren für eine Demenz gibt. Die Vermeidung aller schädigenden Faktoren könnte bis zu 40 Prozent des Risikos senken.

„Wir können das Risiko zwar nicht vollständig eliminieren, aber es immerhin reduzieren“, wird Jonathan Schott, Leiter der Forschungsorganisation Alzheimer Research UK, in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Das meiste, was man verändern könne, passiere im Abschnitt zwischen Mitte 40 und Mitte 60. Insofern sollten nicht erst Senioren damit anfangen, etwas für die Gesundheit ihres Gehirns zu tun.

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Bildung ist der einzige relevante Faktor im Alter von unter 45 Jahren. Ein geringes Bildungsniveau erklärt basierend auf den vorhandenen Daten weltweit rund sieben Prozent aller Demenzerkrankungen. Es gehört zu den erwiesenen Schutzfaktoren, sein Leben lang geistig rege zu bleiben und in allen Altersphasen das Gehirn zu fordern – durch anspruchsvolle Lektüre, anregende Gespräche, Rätsel oder andere Denksportaufgaben.

Schwerhörigkeit ist der wichtigste Risikofaktor im mittleren Lebensalter. Tritt sie bei 45- bis 65-Jährigen auf, ist das Risiko für eine Demenz im Alter verdoppelt. Das liegt womöglich auch daran, dass ein Hörverlust wiederum andere Risikofaktoren wie Depression und soziale Isolation verstärkt. „Eine Hörhilfe zu tragen, vermindert die Entwicklung einer Demenz um 27 Prozent“, wird Demenzforscherin Sarah Bauermeister in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Bereits mit Mitte 40 seien Hörtests sinnvoll. Zudem könne jeder darauf achten, sich nicht akut extremen Lärmbelästigungen auszusetzen.

Mechanische Verletzungen des Gehirns können die Neigung zu Demenzformen aller Art verstärken. Gerade im mittleren und höheren Alter kommt der Sturzprävention daher eine wichtige Rolle zu. Ein Schädel-Hirn-Traumata (SHT) im mittleren Alter geht mit einem rund verdoppelten Risiko für eine Demenz einher, global lassen sich 3,4 Prozent aller Demenzfälle auf ein SHT zurückführen. Insgesamt steigt das Demenzrisiko mit der Zahl und der Schwere der SHT. Geht ein SHT mit Bewusstlosigkeit einher, ist das Risiko in etwa vervierfacht.

Regelmäßige körperliche Aktivität mit Übungen zur Verbesserung der Kraft und Koordination tragen spätestens ab Mitte 50 dazu bei, Stürze weniger wahrscheinlich zu machen oder mögliche Unfallfolgen abzumildern.

Ein Blutdruck über 140 mmHg im mittleren Alter erhöht das Demenzrisiko den Daten zufolge um 60 Prozent. Rund zwei Prozent aller Demenzfälle lassen sich darauf zurückführen. Übergewicht lässt wiederum wiederum den Blutdruck steigen und geht außerdem mit einem erhöhten Diabetes-Risiko einher.

Übergewichtigen kann es gelingen, mit jedem Kilogramm Gewichtsverlust auch den Blutdruck um einen Millimeter auf der Quecksilbersäule (mmHg) zu senken. Die metabolischen Veränderungen bei Menschen, die Diabetes haben, beeinträchtigen auch die Hirngesundheit – außerdem leiden sie häufiger unter Blutdruck und sind übergewichtig.

Alkohol im Übermaß zerstört nicht nur die Leber, sondern auch Gehirnzellen. Übermäßiger Alkoholkonsum (mehr als 24 Gramm täglich) geht in der Summe der verfügbaren Studien mit einem um 20 Prozent erhöhten Demenzrisiko einher. Rauchen ist im Alter über 65 Jahren der wichtigste Demenzrisikofaktor und erhöht es um 60 Prozent. Und auch Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide schädigen das Gehirn.

Keinen Passivrauch zuzulassen und die Belastung in Innenräumen durch systematisches Lüften zu verbessern, kann im direkten Umfeld die Luftqualität verbessern.

Wer sich sozial isoliert, hat weniger Kontakte und weniger Austausch. Wer depressiv wird, entzieht sich oft der Teilhabe. Beides verstärkt sich gegenseitig und erhöht das Risiko an Demenz zu erkranken. Depressionen und psychischer Stress im Alter scheinen das Demenzrisiko zu verdoppeln. Soziale Isolation im Alter wird mit einem um 60 Prozent erhöhten Risiko assoziiert.

Kontakte zu pflegen, neue Verbindungen im Verein, der Nachbarschaft oder mit neuen Hobbys zu knüpfen, ist ein effektiver Schutz vor Demenz. Gleiches gilt für die Therapie einer Depression.

Körperliche Inaktivität im Alter hat sich in vielen Langzeitstudien als Risikofaktor herauskristallisiert. Couchpotatoes haben danach ein um rund 40 Prozent erhöhtes Demenzrisiko. Sport oder andere Formen der regelmäßigen Bewegung verbessern nicht nur Kraft und Koordination, sondern sich auch gut für das Gehirn. Die Konzentration verbessert sich und das Gehirn wird durch die etwa beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen in schneller Folge abwechselnden visuellen Reize stimuliert. Das wirkt einem vorzeitigen Abbau der Gehirnleistung entgegen.

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