Klare Kante  Stolz auf unsere revolutionäre Geschichte

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 16.03.2023 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Heute blickt unser Kolumnist auf die Märzrevolution – und fragt sich, warum wir Deutschen uns mit unserer Geschichte fast immer so schwertun.

Es klingt hochherrschaftlich, wenn Bundespräsident Steinmeier morgen aus Anlass des 175. Jahrestages der „Märzrevolution 1848“ zu einem „republikanischen Bankett“ bittet. Dieser Einladungstext hat freilich einen historischen Hintergrund, waren Bankette in der Tradition der damaligen Zeit von den Machthabern doch besonders gefürchtet, weil die liberale und demokratische Opposition hier den Aufbruch zur Freiheit geistig vorbereitete. So war das Verbot eines Banketts der Zündfunke für Aufstände in Frankreich.

Es ist gut, dass die deutsche Erinnerungskultur die schändliche NS-Zeit gründlich aufarbeitet, doch wäre es falsch, die Geschichte nur auf ihre Abgründe zu reduzieren. Die Erinnerungen an die Barrikadenkämpfe in Berlin und die vom März 1848 bis zum Juli des darauffolgenden Jahres währenden revolutionären Erhebungen im Deutschen Bund werden in der Hauptstadt ein „Wochenende der Demokratie“ prägen.

Die Märzrevolution war Teil der nationalen Einheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen gegen die Herrscherhäuser in Europa. Der Kampf für die Freiheitsrechte führte zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, die eine Zentralregierung einsetzte und sich als Parlament eines revolutionären, entstehenden Deutschen Reiches betrachtete. Der erste Versuch, einen demokratisch verfassten einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, scheiterte aber, wurde von preußischen und österreichischen Truppen niedergeschlagen.

Während Amerikaner und Franzosen stolz auf ihre revolutionäre Geschichte sind, in Feier-und Gedenktagen auf historische Daten verweisen, die Kindern im Unterricht mit der Geschichte des Landes vertraut machen, hat die deutsche Erinnerungskultur diesen Teil unserer Vergangenheit eher links liegen gelassen. Das sollte sich ändern. So wird die Paulskirche, in der am 18. Mai 1848 das erste frei gewählte deutsche Parlament tagte, als Gedenk- und Lernort aufgewertet und von einem „Haus der Demokratie“ begleitet werden.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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