Energie im Landkreis Leer  Neue Windkraft-Flächen in Uplengen nehmen wichtige Hürde

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 16.03.2023 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Neue Windkraftanlagen könnten in den kommenden Jahren in Uplengen entstehen. Foto: Büttner/DPA
Neue Windkraftanlagen könnten in den kommenden Jahren in Uplengen entstehen. Foto: Büttner/DPA
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Etwa 150 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Sitzung des zuständigen Ausschusses. Unter ihnen sahen viele den Ausbau der Windkraft kritisch. Doch unter den Politikern gab es eine klare Mehrheit.

Uplengen - Wenn 150 Bürgerinnen und Bürger zur Sitzung eines Fachausschusses kommen, stehen offenbar wichtige Themen auf der Tagesordnung. Am Mittwochabend war es die Zukunft der Windenergie, die Uplengenerinnen und Uplengener in die Grundschule Remels strömen ließ. Dort tagte der Bau- und Entwicklungsausschuss der Gemeinde – aus Platzgründen. Doch selbst die Aula der Schule reichte nicht aus und für manche Bürger gab es keinen freien Stuhl mehr.

Großer Andrang ist nicht neu, wenn in Uplengen über Windkraft debattiert wird. Kritische Bürgerinnen und Bürger begleiten die Schaffung neuer Flächen für die Windkraft seit Jahren kritisch. Auch am Mittwoch waren die Kritiker zumindest im Publikum in der Überzahl. Immer wieder gab es für Kritik an den Ausbau-Plänen lauten Beifall. Vereinzelt störten Zwischenrufer die Beiträge der Ausschussmitglieder. Der Vorsitzende Heinz Brunken musste sich von einem Störer, der völlig die Fassung verlor, gar als „Arschloch“ beschimpfen lassen, ehe er wutentbrannt den Saal verließ.

Mehr Flächen als ursprünglich geplant

Die Debatte um Windkraft hatte zuletzt einen neuen Impuls erhalten. Die Gemeindeverwaltung hat ihre ursprünglichen Pläne, 1,13 Prozent der Gemeindefläche zur Verfügung zu stellen, nochmals deutlich erweitert. Nun sollen es 2,24 Prozent werden. Bürgermeister Heinz Trauernicht (parteilos) begründete diesen Schritt mit den Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. „Der Krieg hat dramatische Auswirkungen auf unsere Energiesituation“, sagte er. Deutschland habe sich zu sehr von russischem Gas abhängig gemacht. Es gelte daher möglichst energieautark zu sein.

„Als große Flächengemeinde sind wir gefordert, der Windenergie Raum zu geben“, so der Bürgermeister. Er äußerte den Wunsch, dass die Pläne der Verwaltung eine breite politische Mehrheit finden. Die in den nun vorgelegten Planungen ausgewiesenen Flächen liegen in den Bereichen Kleinoldendorf, Bühren-Spols, Kleinsander, Südgeorgsfehn, an der A 28 (nahe der Ihausener Straße), Bühren-Großsander, Meinersfehn, Oltmannsfehn und Hollriede.

Moin-Fraktion stimmt gegen Pläne

Widerspruch gab es im Ausschuss tatsächlich nur von den beiden Vetretern der Moin-Fraktion. Dr. Julia Delingat sagte: „Wir haben uns für einen verträglichen Ausbau eingesetzt.“ Die Gemeinde habe Spielräume für weitere Abstände möglicher Anlagen zu Wohnbebauung aber nicht genutzt. Die nun vorgelegte Planung sei „nicht tragbar“. Ihr Fraktionskollege Claus Garrels sagte: „Wenn das so kommt, wäre das ein rabenschwarzer Tag für Uplengen. Unsere Heimat und Lebensraum würde unwiederbringlich zerstört.“ Das Ziel eine „Verspargelung“ der Landschaft zu verhindern, werde angesichts von nun neun potenziellen Windkraftflächen nicht erfüllt.

Aus den anderen Fraktionen kam hingegen Zustimmung zu den Plänen der Verwaltung. Alexander Frank (CDU) sagte: „Wir haben viele Ratsmitglieder, die selbst betroffen sind. Wir haben es uns nicht leicht gemacht.“ Die nun vorgelegte Planung sichere aber, dass langfristig 600 Meter Abstand zu Siedlungen im Außen- und 800 Metern im Innenbereich gesichert werden. „Wir wollen keine Gewinnmaximierung, sondern Abstände für alle Bürger sichern“, betonte er.

Mehrheit im Ausschuss für Windkraft

Die sozialdemokratische Fraktionschefin Frauke Jelden kündigte ebenfalls an, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen. „Wir wollen die Bevölkerung schützen und Abstände sichern“, sagte sie und mahnte zugleich an: „Das muss sich im Portmonnaie bemerkbar machen.“ Es solle künftig für Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit geben, sich auch mit kleinen Summen am Ausbau der Windkraft in der Gemeinde zu beteiligen.

Der Ausschuss votierte schließlich dafür, die Änderung des Flächennutzungsplans nun in eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung zu überführen. Gegenstimmen gab es nur von den beiden Vetretern der Moin-Fraktion. Bis Ende des Jahres könnte das Verfahren damit zu einem Abschluss kommen. Vorher haben Bürgerinnen und Bürger aber erneut die Möglichkeit Stellungnahmen zu den Plänen einzureichen. Eine politische Mehrheit zu den neuen Windkraft-Flächen scheint jedoch derzeit sicher.

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