Ihrhover pfeift Bezirkisliga Joris Mülder ist mit 16 der jüngste Siebtliga-Schiri im Land
Mit nur 16 Jahren, 6 Monaten und 16 Tagen pfiff Joris Mülder am Samstag in Pewsum erstmals ein Spiel der Herren-Bezirksliga. Der Rekord-Schiri erhielt interessante Bewertungen.
Ihrhove/Pewsum - Der Einstieg ins Schiedsrichter-Hobby verlief für Joris Mülder alles andere als reibungslos. Als er im Herbst 2020 die Prüfung ablegte, waren beim Gruppenfoto Maske und Abstand angesagt. Und bevor der Schüler hinterher zur Pfeife greifen konnte, sorgte der Lockdown für einen vorzeitigen Abbruch der Saison. Hürden dieser Art sind aber nun Geschichte. Seit August 2021 startet der Ihrhover richtig durch und klettert im Formel-1-Tempo die Spielklassen empor. Am Samstag stellte das Talent mit Pfeife und Karten beim Bezirksliga-Spiel in Pewsum einen Rekord auf. Mit 16 Jahren 6 Monaten und 16 Tagen ist er nunmehr der jüngste Siebtliga-Schiedsrichter in Niedersachsen.
Hinterher prasselten die Komplimente nur so auf den Elfklässker nieder. Das größte Lob sprach ihm Teammanager Thorsten Ulferts vom TuS Pewsum aus. „Joris Mülder war der beste Schiedsrichter, den wir in dieser Saison in Pewsum gesehen haben.“ Ulferts bezog auch die Assistenten Hennes Meyer und Nicolas David Becker mit in die Beurteilung ein. „Sie haben es alle klasse gemacht.“
Lob für den Neuling
Vor allem das Auftreten des jungen Mannes beim TuS-Duell mit dem SV Jheringsfehn/Stikelkamp/Timmel (Endstand 3:0) imponierte dem Pewsumer Teammanager. „Er wirkte reif und souverän. Eine wirkliche Fehlentscheidung habe ich auch nicht gesehen.“ Zu sehr möchte Ulferts den Neuling aber nicht in den Schiedsrichter-Himmel heben. „Beide Mannschaften haben es ihm auch leicht gemacht.“
Der Jüngling im Schiedsrichter-Dress hatte mit leichter Nervosität den Platz betreten und verließ das Feld überglücklich, nachdem ihm der Pewsumer Stürmer Keno Buß noch mit den Worten „du hast das richtig gut gemacht“ verabschiedet hatte. Mit zwei Gelben Karten war der neue Mann ausgekommen. Zudem pfiff er einen Elfmeter für Pewsum, den niemand auf dem Sportgelände hörbar bemängelte. „Das war eine klare Sache“, sagte auch Ulferts.
Ex-Oberligaschiri als Betreuer
Kein Wunder also, dass das Fazit von Joris Mülder nach der Siebtliga-Premiere positiv ausfiel. „Es hat mir viel Spaß gemacht. So würde ich mir alle Spiele in dieser Liga wünschen.“ Auch von höchster Stelle gab es für den Sohn des Vorsitzenden von Concordia Ihrhove gute Noten. Der langjährige Emder Oberliga-Schiedsrichter Peter Bartsch betreut den Neuling auf dem Weg nach oben. „Die ersten 60 Minuten waren ohne Fehl und Tadel“, sagt der Ex-Spielleiter bei seiner kritischen Analyse. „Danach gab es ein paar Kleinigkeiten, die wir hinterher besprochen haben.“
Bartsch, der sich beim Norddeutschen Fußballverband als Sportrichter engagiert, hatte schon beim Schiedsrichter-Lehrgang gehört, dass der Schüler aus Ihrhove ein pfiffiges Kerlchen mit einer souveränen Ausstrahlung sei. Deswegen nahm er ihn gerne unter seine Fittiche. Im Rahmen des eingeführten Patensystems für Neu-Schiedsrichter begleitete Bartsch den Ihrhover in den ersten Partien und erkannte die außergewöhnliche Begabung. „Joris hat es auch menschlich drauf.“
Mit allen Spielern per du
Erst leitete der Ihrhover Jugendspiele. Nachdem er im September den 16. Geburtstag gefeiert hatte, bekamen es auch die Männer mit ihm zu tun. Erst vor zwei Wochen stand Joris Mülder erstmals bei einer Kreisligapartie auf dem Feld. Nun meisterte der Elfklässler, der an der Leeraner BBS das Abitur anstrebt (Bereich Wirtschaft), die nächste Stufe mit Bravour.
In der B-Jugend der JSG Overledingerland kickt er auch selber noch im Mittelfeld. „Aber da bin ich nicht so talentiert“, sagt er. „Deshalb habe ich den Schiedsrichterschein gemacht.“ Beim Umgang mit den Herrenkickern verzichtet der Jugendliche übrigens auf künstlich erzeugte Distanz. „Ich duze die Spieler und sie duzen mich“, erzählt er. „Das ist angenehmer bei den Gesprächen auf dem Platz.“
Beim Auftritt in Pewsum überzeugte der Emporkömmling offenbar nicht nur die Akteure. „Ich habe keine Pfiffe und auch keine Buhrufe gehört“, sagt Joris Mülder mit einem Lächeln. Wenn es weiterhin so glatt läuft, könnte der Weg für den jüngsten Bezirksliga-Spielleiter Niedersachsens steil nach oben führen. So sieht es auch sein Mentor Peter Bartsch. „Joris hat alle Möglichkeiten.“