Heide Noch mehr Mädchen-Gewalt in Heide: Weitere Schülerin verprügelt
Nach der enthemmten Gewalt gegen eine 13 Jahre alte Förderschülerin in Heide ist der Fall eines weiteren verprügelten Mädchen öffentlich geworden. Zugeschlagen wurde in der Schule. Jetzt kommt Mobbing-Experten Carsten Stahl in die Stadt.
Ein Vater berichtete der Bild-Zeitung, seine zwölf Jahre alte Tochter habe im Januar eine Morddrohung erhalten und sei am nächsten Tag im Schulzentrum Heide Ost (Schleswig-Holstein) niedergeschlagen worden. „Sie bekam eine Rechts-Links-Kombination mit der Faust und lag sofort blutend am Boden.“
Der Vater kritisiert die mangelnde Aufarbeitung des Falles: „Die Angreiferin saß nach dem Wochenende gleich wieder mit in der Klasse. Alles wird verdreht. Die Opfer müssen bei uns die Schule wechseln, die Täter dürfen bleiben.“
Das Kieler Bildungsministerium erklärt dazu: „Uns liegt durch Schule und Schulaufsicht vor Ort eine andere Darstellung vor. Fest steht, dass dieser Vorfall in der Schule intensiv aufgearbeitet wurde und auch entsprechende pädagogische Maßnahmen ergriffen wurden. Aus Sicht der Schule hat sich das Verhältnis der Beteiligten wieder deutlich verbessert.“
Hintergrund für die Tat soll die verschmähte Zuneigung eines Jungen sein, der daraufhin schrieb: „Ich töte dich morgen“. Er soll dann die Angreiferin zu den Schlägen angestiftet haben.
Der Vater der Zwölfjährigen hatte sich an den Berliner Mobbing-Experten Carsten Stahl gewandt, nachdem das furchtbare Video mit dem Angriff auf eine andere Förderschülerin öffentlich geworden war und Stahl angekündigt hatte, nach Heide zu kommen.
Für Sonntag hat Stahl von 14 bis 16 Uhr die Veranstaltung „Gemeinsam für Respekt und Toleranz“ angemeldet. Ihn habe nicht nur die Mutter des im Video schikanierten Mädchens angerufen, sondern auch die Mütter der Täterinnen hätten „unter Tränen um Hilfe gebeten“.
Mit allen Müttern, auch denen der mutmaßlichen Schlägerinnen, sowie den Mädchen selbst will Stahl sich vor der Veranstaltung treffen. „Dann werde ich sehen, was ich für beide Seiten tun kann.“ Bei der Veranstaltung soll auch Hanna dabei sei, wie unsere Redaktion die geschlagene und gedemütigte Förderschülerin zu ihrem Schutz genannt hat.
Bereits im vergangenen Jahr war Heide durch die Gewalttaten von Jugendlichen in die Schlagzeilen geraten. Die Polizei erklärte den zentralen Südermarkt zum gefährlichen Ort, es gab mehr Polizeipräsenz und Videoüberwachung. Die Lage beruhigte sich – bis die Kameras wieder abgebaut wurden.
Laut einer Studie des Vereins „Kieler Antigewalt-und Sozialtraining“ handelt es sich bei den Jugendlichen vom Südermarkt zu einem Drittel um Jugendliche mit aktueller Zuwanderungsgeschichte, sprich Menschen mit Fluchthintergrund, zu einem Drittel um hier aufgewachsene Menschen mit Migrationshintergrund und zu einem weiteren Drittel um deutsche Jugendliche. Laut Polizei hat die Gruppe der Schlägerinnen vom Video „Verflechtungen“ zu den Jugendlichen vom Südermarkt.
Hoffnung setzt Heide jetzt auf einen Streetworker, bei dessen anteiliger Finanzierung durch den Kreis eine Entscheidung aber noch aussteht. Was er leisten kann, muss sich zeigen. Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat sagte: „Wir haben hier in der Stadt einen harten Kern, dem wir mit unseren Möglichkeiten nicht Herr werden können. Da sind andere Akteure gefragt.“ Er sehe das Land in der Pflicht.