München  Neuer Bayern-Coach: Das sollten Sie über Thomas Tuchel wissen

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 24.03.2023 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sein größter Triumph: Thomas Tuchel gewann mit dem FC Chelsea 2021 die Champions League. Foto: dpa/Press Association
Sein größter Triumph: Thomas Tuchel gewann mit dem FC Chelsea 2021 die Champions League. Foto: dpa/Press Association
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Thomas Tuchel wird Nachfolger von Julian Nagelsmann als Bayern-Trainer. Was Tuchel in seiner Karriere bereits erreicht hat – eine Übersicht über seine Erfolge.

Paukenschlag beim FC Bayern München: Trainer Julian Nagelsmann – dessen Vertrag bis 2026 lief – ist von seinen Aufgaben entbunden. Übernehmen soll ein alter Bekannter: Thomas Tuchel. Die offizielle Bestätigung des Vereins gab es am Freitagabend.

Tuchel erhält an der Isar einen Vertrag bis zum 30. Juni 2025 und wird schon am Montag erstmals das Training an der Säbener Straße leiten. Der 49-Jährige wird die Münchner auf den Klassiker gegen die Dortmunder nach der Länderspielpause vorbereiten.

Weiterlesen: Julian Nagelsmann gefeuert, Thomas Tuchel kommt

Thomas Tuchel war seit seinem Rauswurf beim FC Chelsea im September 2022 verfügbar. Er war und ist bei vielen Topclubs auf einer möglichen Kandidatenliste ganz weit oben. Tottenham Hotspur soll sich für ihn konkret interessiert haben und auch bei Real Madrid wäre er ein möglicher Nachfolger, sollte Carlo Ancelotti nach der Saison aufhören.

Tuchel soll auch als englischer Nationaltrainer im Gespräch gewesen sein. Zuletzt wurde sogar über eine Rückkehr zu Paris St. Germain spekuliert. Mit dem Pariser Starensemble schaffte er 2020 den Einzug ins Champions League-Finale scheiterte dann aber Hansi Flick und dem FC Bayern.

Nur ein Jahr später aber hob er den Henkelpott dann selbst in die Höhe: Als Trainer des FC Chelsea gewann er 2021 sehr überraschend die Champions League und schlug im Endspiel in Porto den Topfavoriten Manchester City um Trainer Pep Guardiola. Tuchel hat in England ein riesiges Standing und seine Demission im September wurde mit Verwunderung aufgenommen.

Torwart-Oldie Gianluigi Buffon hat Trainer Thomas Tuchel als außergewöhnlich schlau und einfühlsam geadelt. „Ich habe nur wenige Leute kennengelernt, die so intelligent sind“, sagte der inzwischen 45 Jahre alte Italiener, der in der Saison 2018/19 bei Paris Saint-Germain unter Tuchel gespielt hatte. Beide waren im Sommer 2018 neu nach Paris gekommen. Der deutsche Coach sei „extrem intelligent“ und jemand, der es schaffe, sofort ein Gefühl für die Kabine zu bekommen, schwärmte Buffon.

Darüber hinaus lobte Buffon das fußballerische Know-how von Tuchel. „Das Training und seine offensiven Ideen waren außergewöhnlich, die eines Top-Top-Top-Trainers. Dabei war er fast noch ein Nobody, als er nach Paris kam“, erinnerte sich der Weltmeister von 2006. 

Tuchel ist detailverliebt. Ihn zeichnet eine unglaubliche Besessenheit aus, den Gegner auszulesen. Ein Taktik-Fuchs, der stundenlang über die richtige Aufstellung, gnadenloses Pressing sowie Vierer- oder Dreierketten sinnieren kann. Tuchel lebt Fußball.

Eine Anekdote über Taktik mit Salz- und Pfefferstreuern beschreibt den Fußball-Freak Tuchel perfekt. 2014 traf sich der Coach im Münchner Nobelrestaurant Schumann‘s mit dem damaligen Münchner Trainer Pep Guardiola. Es entwickelte sich eine Diskussion, in der sich Salzstreuer in Lionel Messi oder Andrés Iniesta verwandelten. „Fußball, Fußball, Fußball. Wir haben uns nur über Fußball unterhalten“, sagte Guardiola später über das Treffen.

Mit fünf Jahren Verspätung käme Tuchel also an die Isar. Karl-Heinz Rummenigge wollte den Coach 2018 unbedingt zum Fußball-Rekordmeister holen – doch die Münchner zögerten in dieser Frage – für Tuchel zu lange. Er ging nach Paris, Bayern engagierte letztlich Niko Kovac und wurde damit nicht glücklich. Die Chance auf Tuchel mochte der Bundesligist offenbar nicht ein zweites Mal verstreichen lassen. Noch ist der international begehrte Fußball-Lehrer, der mit Chelsea die Champions League gewann, auf dem Markt. Internationale Topclubs sind an ihm interessiert.

Auf folgender Grafik von Statista sehen Sie die durchschnittliche Arbeitsdauer von Trainer in der Bundesliga nach Vereinen sortiert.

Die Verpflichtung von Nagelsmann war 2021 eine für die Zukunft vielversprechende Lösung, aber auch nicht ohne Risiko. Ein junger Trainer, ohne große Titel und mit wenig Erfahrung auf europäischem Top-Niveau. Auch der Wechsel zu Tuchel ist kurz vor wegweisenden Wochen nicht ohne. Der gebürtige Krumbacher ist spätestens mit seinem Champions-League-Sieg 2021 mit Chelsea in den Trainer-Olymp aufgestiegen. Aber der fußballbesessene Schwabe eckt mitunter an. 

Pikant: An der Trainer-Karriere von Julian Nagelsmann hat auch Thomas Tuchel einen Anteil. Als Tuchel noch Coach der zweiten Mannschaft des FC Augsburg war, beauftragte er den heutigen Cheftrainer des FC Bayern München mit dem Scouting der Gegner.

„Ich bin über die Sportplätze getingelt mit dem Camcorder, habe gefilmt und gleichzeitig aufgeschrieben“, erzählte Nagelsmann über seine Anfänge. „Ich habe aufgeschrieben, was die Gegner machen, versucht es ein bisschen darzustellen und dem Thomas zu erklären.“

Tuchel muss die Analyse gefallen haben, meinte Nagelsmann, der seine Spielerkarriere wegen Verletzungen früh beenden musste. Der zuletzt beim FC Chelsea beurlaubte Trainer lieferte 2008 demnach die „Grundidee“ für die spätere Karriere seines Kollegen.

mit dpa-Material

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