Sanierung teurer als geplant Stadtsportbund reagiert sauer auf Ausgaben für Borssumer Bad
Weil die Stadt Geld für den Sportstättenbau in das Freibad Borssum steckt, schwinden die Hoffnungen auf einen neuen Kunstrasenplatz in Emden. Der Sportbund ist darüber „nicht erfreut“.
Emden - Die steigenden Kosten für die laufende Sanierung des Freibades Borssum sorgen in Emden weiterhin für Diskussionen. In dieser Woche war bekannt geworden, dass dieses Vorhaben noch einmal um etwa 400.000 Euro teurer wird als zuletzt geplant. Damit erhöhen sich die Gesamtkosten auf knapp vier Millionen Euro.
Was und warum
Darum geht es: Die Sanierung des Freibades Borssumer wird teurer als geplant.
Vor allem interessant für: alle, die gerne schwimmen gehen, Emder Sportlerinnen und Sportler sowie diejenigen, die sich für die Finanzpolitik der Stadt interessieren
Deshalb berichten wir: Über die steigenden Kosten für die Freibad-Sanierung wird in Emden viel diskutiert. Wir haben weitere Stimmen dazu gesammelt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Der Verwaltungsausschuss des Rates - das ist das wichtigste Gremium zwischen den Ratssitzungen - hat am Dienstag in einer nicht-öffentlichen Sitzung mit Mehrheit beschlossen, das noch fehlende Geld im Vorgriff aus dem noch nicht genehmigten Haushalt der Stadt für 2023 zu nehmen. Es gab eine Gegenstimme.
Mittel für den Sportstättenbau schrumpfen
Die Stadt bedient sich für die Freibad-Sanierung aus dem Topf, der für den Sportstättenbau vorgesehen ist. Insgesamt hat sie dafür 700.000 Euro im Haushalt für dieses Jahr eingesetzt. Diese Summe schrumpft wegen der Verteuerung des Freibades folglich auf 300.000 Euro. Erster Stadtrat und Kämmerer Horst Jahnke begründete diesen Schritt gegenüber dieser Zeit damit, dass es sich bei dem Freibad auch um eine Sportstätte handele. „Irgendwo muss das Geld herkommen, es liegt ja nicht auf der Straße“, so der Finanzvorstand der Stadt.
Beim Emder Stadtsportbund (SSB), in dem 56 Emder Sportvereine zusammengeschlossen sind, stößt das nicht auf Gegenliebe. „Dass wir über diese neue Entwicklung nicht erfreut sind, versteht sich von selbst“, schreibt Vorsitzender Peter Bartsch dieser Zeitung auf Anfrage. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) habe ihn und seinen Stellvertreter Reiner Bruns noch am Dienstagabend nach der Sitzung des Verwaltungsausschusses darüber informiert.
Konkrete Projekte gibt es noch nicht
Konkrete Projekte, die mit Mitteln für den Sportstättenbau finanziert werden sollen, gibt es bislang nicht. Stadt und Stadtsportbund wollten sich darüber noch abstimmen. Es gibt aber sowohl in Larrelt als auch in Borssum Überlegungen für den Bau einen Kunst- oder Hybridrasenplatzes.
„Beide Vorhaben sind allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so weit gediehen, dass uns aktuell ein konkretes und für eine Förderung durch den Landessportbund antragsfähiges Konzept mit Finanzierungsplan vorliegt“, so SSB-Chef Bartsch. Obwohl er es nicht so klar sagt, dürften mit der jetzt getroffenen Entscheidung zugunsten des Freibades die Hoffnungen auf die baldige Realisierung eines Kunstrasenplatz schwinden. Bartsch: „Was das ganze rechnerisch für die 2023 vorgesehenen Sportstättenbaumaßnahmen bedeutet, kann sich jeder ausmalen.“
Vereine wollen über Konsequenzen beraten
Die genauen Konsequenzen der von der Stadt getroffenen Entscheidung - insbesondere mit Blick auf die beiden Kunstrasen-Vorhaben - will der SSB laut seinem Vorsitzenden in Kürze bei einer Zusammenkunft mit den Emder Fußballvereinen erörtern. Diese Sitzung sei schon zu einem Zeitpunkt angesetzt werden, an dem die neue Sachlage noch nicht bekannt war.
Der Vorstand des Fördervereins des Freibades Borssum will sich unterdessen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu den neuen Entwicklungen und den Mehrausgaben für die Sanierung der Freizeit- und Sportanlage äußern, teilt Vorsitzender Rainer Wortelker dieser Zeitung auf Nachfrage mit. Er habe diese Entscheidung gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden Wolfgang Linnemann getroffen, weil dem Verein dazu die notwendigen Informationen nicht vorlägen.
Bad soll „zu den Sommerferien“ wieder öffnen
Das sollte beim runden Tisch für das Freibad besprochen werden, so Wortelker. Diesem Arbeitskreis gehören Vertreter der Stadt, der Wirtschaftsbetriebe, der Stadtwerke, des Badbetreibers GMF, des Stadtsportbundes, des Schwimmvereins Neptun und des Fördervereins an.
Der runde Tisch kommt laut Wortelker das nächste Mal am 11. April auf der Baustelle des Freibades zusammen. Dabei soll es um den Fortschritt der Sanierung und um den Abgleich des aktuellen Bauzeitenplans mit dem Projektcontrolling gehen. Erst dann könne eine verlässliche Aussage zur Fertigstellung gemacht werden.
Die Stadtverwaltung hatte zuletzt als Ziel genannt, das seit 2017 geschlossene Bad „zu den Sommerferien“ wieder zu eröffnen. Da sei auch wichtig, um den Betrieb unter echten Bedingungen erproben und mit Blick auf mögliche Regressansprüche überprüfen zu könnten, ob alle Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt wurden, so die Stadt. Mit der Sanierung wurde im Februar 2022 begonnen.
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