Osnabrück  Reaktionen zum Rücktritt: „Bischof Bode macht den Weg für den Neuanfang frei“

Stefanie Witte, Jean-Charles Fays
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Von Stefanie Witte, Jean-Charles Fays
| 25.03.2023 15:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Franz-Josef Bode (hier bei einer Messe in Rom) ist seit Samstagmittag um 12 Uhr nicht mehr Osnabrücker Bischof. Foto: dpa/Johannes Neudecker
Franz-Josef Bode (hier bei einer Messe in Rom) ist seit Samstagmittag um 12 Uhr nicht mehr Osnabrücker Bischof. Foto: dpa/Johannes Neudecker
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Für viele überraschend ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode am Samstag von seinem Amt zurückgetreten. Im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gilt der Amtsverzicht eines Bischofs in Deutschland als Novum. Wir haben die Reaktionen – von der Osnabrücker Oberbürgermeisterin bis zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Samstag um 8.30 Uhr feierte Bode noch als Bischof die reguläre Messe im Osnabrücker Dom. Mit Wirkung von Samstag, 12 Uhr, nahm Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des 72-Jährigen an. Seit Samstagmittag ist Bodes Rücktritt somit offiziell.

„Ostern steht im christlichen Glauben für Neuanfang. Bischof Bode macht dafür den Weg frei“, kommentierte die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) den Rücktritt. Diese Entscheidung verdiene Respekt. „Ich hoffe sehr, dass der zuletzt eingeschlagene Weg der Modernisierung und Erneuerung der katholischen Kirche im Bistum Osnabrück fortgesetzt wird.“

Landrätin Anna Kebschull (Grüne) zeigte „großen Respekt vor der Lebensleistung des Osnabrücker Bischofs“. Es erfordere großen Mut, in dieser Weise persönlich Verantwortung zu tragen. Die Landrätin hofft sehr, dass die katholische Kirche auch im Osnabrücker Land „den von Bode sehr eindrücklich eingeschlagenen synodalen Weg weitergehen wird“. Persönlich wünschte sie dem 72-Jährigen für seine Zukunft alles Gute.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dankte Bode für seinen jahrzehntelangen Dienst im Bistum. Der Osnabrücker Bischof Bode habe seit 1995 viel für die katholische Kirche in Niedersachsen, aber auch für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft getan. Gerade in den vergangenen Jahren habe er auch immer wieder notwendige Reformen in der katholischen Kirche angemahnt. Weil erklärte: „Dass Bischof Bode seinen Rücktritt auch ausdrücklich mit eigenen Fehlern im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen begründet und sich zu seiner Verantwortung bekannt habe, verdiene ausdrücklich Respekt.“ Auch wenn damit begangenes Unrecht nicht wettgemacht werden könne, setze Bode damit „ein Beispiel für den glaubwürdigen Umgang mit eigenen Fehlern“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, würdigt in einer Mitteilung die Amtszeit des „dienstältesten, amtierenden Bischofs in Deutschland“, der seit 2017 auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war und seit 2019 zum Präsidium des sogenannten „Synodalen Weges“ der Kirche in Deutschland gehörte.

Bätzing nahm Bodes Rücktrittsgesuch „mit großem Bedauern und Respekt“ zur Kenntnis: „Gerne hätte ich Dich noch weitere Jahre an unserer Seite in der Deutschen Bischofskonferenz gesehen“, stellte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz heraus. Gleichzeitig zeigte er aber auch Verständnis für die Entscheidung und die damit verbundenen Konsequenzen. „Von Herzen spreche ich Dir ganz persönlich und im Namen der Deutschen Bischofskonferenz meinen Dank und meine Anerkennung für Dein Wirken aus“, betonte Bätzing. „Sicherlich war Dir die Aufgabe manchmal schwer und Deine Gesundheit hat darunter gelitten. Aber Du hast bis auf den heutigen Tag die Aufgaben und Herausforderungen mit Herzblut ausgefüllt.“

Der Betroffenenrat der norddeutschen Bistümer hatte eine kirchenrechtliche Anzeige gegen Bode auf den Weg gebracht und ihm vorgeworfen, im Umgang mit Missbrauchsfällen gegen das Kirchenrecht zu verstoßen und einen Fall von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige als „Beziehung“ deklariert zu haben. Der Kernvorwurf lautete: Bodes Haltung sei nach wie vor mehr täter- als opferorientiert. Die Anzeige des Betroffenenrats war Ende 2022 über die vatikanische Botschaft in Berlin nach Rom weitergeleitet worden. Zuletzt hatte der Osnabrücker Bischof einen Rücktritt noch abgelehnt, was beim Betroffenenrat auf Unverständnis gestoßen war. Jetzt bezeichnet der Betroffenenrat Bodes Rücktritt in einer Stellungnahme „als wegweisenden Schritt in die richtige Richtung“ und „wichtiges Zeichen sichtbarer Verantwortungsübernahme“.

Der Betroffenenrat Nord zeigte sich „sehr zuversichtlich, dass der Aufarbeitungs- und Schutzprozess, der im Bistum Osnabrück durch Bischof Bode 2019 installiert wurde, auch weiterhin konstruktiv und zielgerichtet verfolgt wird“. Bodes Rücktritt könne gleichzeitig „eine Ermutigung für Betroffene sein, jetzt ihr Schweigen zu brechen und sich zu offenbaren“. Einige Betroffene aus dem Bistum Osnabrück hätten sich dem Betroffenenrat gegenüber bereits entsprechend geäußert.

Bislang war Ulrich Beckwermert als Generalvikar der zweite Mann im Bistum Osnabrück. Mit Bodes Rücktritt schied allerdings auch er am Samstagmittag aus diesem Amt aus. So sehen es die Regularien der katholischen Kirche vor. Beckwermert zieht eine positive Bilanz seiner Zusammenarbeit mit Bode: „Der Rücktritt von Bischof Franz-Josef ist eine große Zäsur für unser Bistum“, sagte er unserer Redaktion. Bode habe das Bistum als Verfechter einer weltoffenen Kirche geprägt, die Gott und den Menschen nahe sei. Bodes Rücktritt kommentierte Beckwermert: „Er steht zu den Fehlern, die er selbst im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt gemacht hat.“ Und er habe zugleich viel dafür getan, dass das Bistum diesen Umgang im Laufe der Zeit wesentlich verbessert habe und auch weiterhin verbessern könne.

Joachim Jeska ist der leitende Geistliche des Kirchenkreises Osnabrück. Gegenüber unserer Redaktion äußerte Jeska großen Respekt für Bodes Entscheidung. „Er übernimmt damit persönlich Verantwortung, was ich für ein starkes Zeichen halte.“ Jeska dankte Bode zudem für seine Verdienste um die Ökumene. „Es war immer ein konstruktives Miteinander, geprägt von großem Respekt auf allen Seiten.“

Die Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Osnabrück, Katharina Abeln, zeigte sich „persönlich sehr berührt und überrascht“ vom Rücktritt Bodes. Sie bedauerte diese Entscheidung sehr und zollte gleichzeitig hohen Respekt vor der Übernahme von Verantwortung, die eine Konsequenz aus der Missbrauchsstudie darstelle, aber auch gesundheitliche Probleme einschließe.

Über 25 Jahre habe Bode das Bistum „als Bischof, Seelsorger, Visionär und Reformer geleitet und gestaltet“. Mit Bode gehe auch ein Mitstreiter, der in der Bischofskonferenz viele Themen und Fragen gut platziert, erstritten und weitergebracht habe.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken würdigt Bode als einen „Bischof mit Herz und Haltung“, der das Bistum Osnabrück 28 Jahre lang geprägt habe. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp respektiert, „dass Bode nun eine klare persönliche Konsequenz aus dem Zwischenbericht zu Missbrauchsfällen in seinem Bistum gezogen hat“. Sein Rücktritt vom Amt markiere aus Sicht der Betroffenen „einen wichtigen Schritt, um auf dem Weg der Bearbeitung des Missbrauchsskandals auf diözesaner Ebene wirklich voranzukommen.“

Aus eigenen Fehlern zu lernen und entschieden zu handeln, sei ein Zeichen von Stärke und Einsicht. „Bischof Bode ist diesen Weg gegangen. Das ist gut“, betonte die ZdK-Präsidentin. Es zeige gleichzeitig, dass er eine sich verändernde Stimmungslage in seinem Bistum sensibel wahrgenommen habe.

Der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit, Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, zeigt Respekt dafür, dass Bode „persönliche Verantwortung für den Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück übernimmt“ und von seinem Amt als Bischof zurücktritt. Die Aufarbeitung von und der wirksame Schutz vor sexualisierter Gewalt durch haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter habe auch für die evangelischen Kirchen in Niedersachsen höchste Priorität. Zentrale Aufgabe sei es, „konsequent die Belange der Betroffenen und den Schutz von Menschen in den Mittelpunkt“ zu stellen. Als Vizepräsident des Synodalen Weges habe Bode sich in besonderer Weise für Veränderungen stark gemacht und Reformen im Bistum Osnabrück und darüber hinaus angestoßen.

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