Osnabrück Getötete Luise und gequältes Mädchen: Wir brauchen Antworten
Gewalt unter Jugendlichen hat zuletzt für viel Aufsehen in der Öffentlichkeit gesorgt. Wenn Kinder und Jugendliche schlagen, peinigen und töten, stimmt etwas nicht. Was ist da los? Die Antworten machen nachdenklich.
In den vergangenen Tagen sind Dinge passiert, die jeden sprachlos machen. Sicher haben Sie die Berichte über die Ermordung von Luise, dem zwölfjährigen Mädchen aus Freudenberg, durch zwei gleichaltrige Mädchen verfolgt. Sicherlich waren sie genauso erschüttert wie ich.
Unfassbar war auch eine Tat kurz darauf in Heide in Schleswig-Holstein, wo eine Gruppe von Mädchen eine 13-jährige Mitschülerin in einer Weise misshandelt und gedemütigt hat, dass man das nur Folter nennen kann. Die Taten wurden per Smartphone gefilmt. Und dann noch die Meldung, dass die Straftaten von Kindern und Jugendlichen im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel zugenommen haben – ein beängstigender Anstieg.
Was ist bei uns los, frage ich mich? Die Taten klein zu reden, wie manche Therapeuten es jetzt tun, bringt uns nicht weiter. Es geht vielmehr darum, dieses Unerklärliche zu erklären. Wie können Kinder zu einer solchen Tat fähig sein? Was haben die Eltern dazu beigetragen? Wie ticken diese Familien? Welche Konsequenzen wird die Tat für die strafunmündigen Mädchen haben, werden sie weiter in ihre Schule gehen?
Wir brauchen Antworten auf diese Fragen – sonst setzen sich die Ratlosigkeit und das Entsetzen dauerhaft fest. Deshalb ist es nicht gut, dass die Öffentlichkeit nichts über die tatverdächtigen Mädchen erfährt. So entstehen Spekulationen und Verschwörungstheorien.
Grundsätzlich heißt es, dass Kinder aus geordneten, beschützten Verhältnissen kaum je durch extreme Gewalttaten auffallen. Umgekehrt führt aber Vernachlässigung zur Verrohung, genauso wie der Konsum von nicht jugendfreien Medien. Ich glaube, dass eine Gesellschaft, deren Kinder in immer größerer Zahl zu Gewalt greifen, ein Problem hat, ja vielleicht sogar am Ende ist.
Dabei sehen wir nicht nur bei Kindern eine zunehmende Gereiztheit und Aggressivität – sondern auch bei uns Erwachsenen, und das in allen Bereichen des Lebens. Wie konnte es dazu kommen? Machen die Inflation und der steigende wirtschaftliche Druck infolge von Corona, Energiekrise und Ukraine-Krieg uns fertig? Zerstören die Horrorvisionen über die angeblich unabwendbare Klimakatastrophe unsere Zuversicht?
Oder vergiften die sozialen Netzwerke unsere Seelen? Überfordert uns die wachsende Zuwanderung? Oder sind es die Schulen, in denen zu wenige und dazu auch noch überforderte Lehrer kaum mehr einen Erziehungsbeitrag leisten können? Sind Eltern unter diesem Druck damit überfordert, ihre Kinder zu erziehen?
Wahrscheinlich ist das so. Wir alle sind derzeit in einem ungeheuren Stress- und Überforderungs-Zustand. Vielleicht ist das gerade aber auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir Kinder wieder mehr in den Blick nehmen. Denn sie sind die Seismographen für den Zustand unserer Gesellschaft. Kinder erziehen sich nicht von selbst zu guten Menschen – dafür brauchen sie uns, die Erwachsenen, mit aller Fürsorge und Aufmerksamkeit.