Osnabrück Tatort „Donuts“ aus Bremen: Der Kommissar glänzt durch Abwesenheit
Vierter Fall für das neue Tatort-Team in Bremen. Die Folge „Donuts“ zeigt heute Abend einmal mehr, dass längst noch nicht alles rund läuft.
Quietschende Reifen, ein jaulender Motor, ein Auto, das auf der Stelle im Kreis schleudert – Donuts dreht, wie man in Tunerkreisen sagt. Dann ein riesiger Parkplatz mit tausenden Fahrzeugen aus der Vogel- beziehungsweise Drohnenperspektive. Es braucht keine Minute für die Gewissheit: Dies wird ein Auto-Tatort. Nicht aus Bremen, sondern aus Bremerhaven, einem der größten Autoumschlaghäfen Europas, wo nun das Blut eines Toten aus dem Kofferraum eines Neuwagens rinnt. Es ist der Bereichsleiter der Fahrer, die die Autos auf die Schiffe steuern.
„Donuts” ist gleich für mehrere Beteiligte ein Heimspiel, allen voran Liv Moormann, dargestellt von Jasna Fritzi Bauer, der in diesem Tatort ganz klar die Hauptrolle der drei Bremer Ermittler zufällt. Moormann ist in Bremerhaven geboren und im prekären Stadtteil Lehe aufgewachsen – nun wird sie aufs Unangenehmste mit der Vergangenheit und ihrer Familie konfrontiert. Mit einer Mutter, die sämtliche Asi-Klischees erfüllt, und einer Schwester, die immer wieder mit einem Bein im Knast steht.
Ein Heimspiel ist es aber auch für Regisseur Sebastian Ko, der ebenfalls auf eine Jugend in Bremerhaven zurückblickt, mit 18 als Aushilfe im Hafen arbeitete und manchmal auch Autos auf die Schiffe fuhr.
„Der Hafen war für mich ein Sehnsuchtsort,” sagt er im Senderinfo. Vieles von dem, was er damals erlebte, sei in die Hauptfiguren dieses Films eingeflossen. Viel Lokalkolorit atmet sein Film dennoch nicht.
Mit den Hauptfiguren meint Ko wohl vor allem ein junges schräges Trio, das ins Visier der Ermittler gerät: Gheorge (Adrian But), der Neffe des Toten, der mit seinem Onkel offenbar krumme Geschäfte gemacht hatte, seine Freundin Marie (Luisa Böse), eine junge Frau mit extrem kurzer Lunte, und Gheorges geistig behinderter Bruder Oleg (Jonas Halbfas). Alle drei haben eine ausgeprägte Vorliebe für schnelle Autos, die man sich im Hafen ja mal „ausleihen” kann.
Es ist ein sonderbarer Tatort, der eigentlich immer nur dann Fahrt aufnimmt, wenn gerade mal wieder jemand das Gaspedal durchdrückt. Handlung und Dialoge dagegen wirken eher wie ein Auto, das nur auf drei „Töppen“ läuft. Und wenn ein Tatort daherkommt wie ein Abziehbild des RTL-Klassikers „Cobra 11 - die Autobahnpolizei”, stimmt irgendetwas nicht.
Das könnte auch daran liegen, dass das noch junge Bremer Tatort-Trio unübersehbare Auflösungserscheinungen aufweist: Mads Andersen (Dar Salim) hat in Brüssel zu tun und ist nur einmal kurz per Videoschalte zu sehen, Linda Selb (Luise Wolfram) wird von ihm ebenfalls nach Brüssel gelotst und kommt kaum über eine Nebenrolle hinaus.
Stattdessen ermittelt Moormann gemeinsam mit dem Bremerhavener Kollegen Robert Petersen (Patrick Güldenberg). Ein netter Kerl, aber diesen Tatort kann auch er nicht aus dem grauen Mittelmaß heben.
Bei Radio Bremen aber sollte man sich langsam mal fragen, ob mit dem neuen Team wirklich alles okay ist. Klar, die Verpflichtung von „Game of Thrones“-Star Dar Salim als Kommissar Mads Andersen war ein Coup. Doch der Mann hat seine Prioritäten. In Dänemark ist er ein Superstar, in England und Hollywood zumindest ein gefragter Darsteller. Der dreht Tatort, wenn gerade Zeit ist. Und wenn keine Zeit ist, muss sich fürs Drehbuch eine Erklärung finden lassen, warum er wieder mal nicht dabei ist.
Dieses Mal ist’s also Brüssel. Mads Andersen ist als Polizist ebenso international gefragt wie Dar Salim als Schauspieler. Mehr als ein On-Off-Kommissar wird er im Bremer Tatort niemals sein. Man müsse auch mal kleinere Brötchen backen und mit dem zufrieden sein, was man bekommt, sagt ein Sprecher von Radio Bremen auf Anfrage unserer Redaktion. Doch wenn das große Brötchen zur Ausnahme wird, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man das Frühstück nicht anders gestalten sollte.
Tatort: Donuts. Das Erste, Sonntag, 2. April, 20.15 Uhr.
Wertung: 3 von 6 Sternen