Sicherheit in Emden Die Polizei hat weiter verstärkt ein Auge auf den Neuen Markt
Die Sicherheitspartnerschaft zwischen Polizei, Stadt und Gastronomen habe sich erst aktuell getroffen. Die Bilanz fällt gut aus. Eine Sache bereitet aber Sorgen.
Emden - Der Neue Markt ist weiterhin ein Schwerpunkt für die Emder Polizei. Zwar ist die Zahl der gewaltsamen Auseinandersetzungen dort noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau, doch die Sicherheitspartnerschaft aus Polizei, Stadt und Gastronomen ist weiterhin aktiv - und wachsam.
Was und warum
Darum geht es: die Frage, ob die Schlägereien auf dem Neuen Markt wieder zugenommen haben und welche Maßnahmen greifen
Vor allem interessant für: Leute, die abends gerne in Emden essen oder tanzen gehen und sich dabei sicher fühlen wollen
Deshalb berichten wir: Die Polizei hat am Mittwoch die Kriminalstatistik für 2022 vorgestellt. Wir haben speziell zur Sicherheitspartnerschaft für den Neuen Markt nachgefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Das bestätigten Polizeioberrat Arno Peper und 1. Kriminal-Hauptkommissar Stephan Bohlken bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2022 am Mittwoch. Erst vor einer Woche habe es einen aktuellen Austausch mit Gastronomen und Disco-Betreibern gegeben, so Peper. Man schaue gemeinsam, was sich noch optimieren lasse, so Bohlken.
Was sagen die Zahlen?
416 Fälle von Körperverletzungen wurden in der Stadt insgesamt von der Polizei aufgenommen, wobei häusliche Gewalt nicht dazu gezählt wird, denn dafür gibt es eine extra Statistik. Die Zahl ist deutlich höher als noch im Corona-Jahr 2021, als nur 323 Körperverletzungen gemeldet wurden. Lockdowns, Ausgangssperren und weniger Feste: Das machte beispielsweise Schlägereien seltener. 436 Fälle waren es im Jahr 2018. Erfreulich: Während die Zahl der einfachen Körperverletzungen in der aktuellen Statistik ungefähr so hoch ist wie damals, sind die gefährlichen Körperverletzungen deutlich zurückgegangen. Erschreckend: Es seien die vermehrten Körperverletzungen durch Personen unter 21 Jahren, die die Zahl insgesamt nach oben schießen lassen.
Die Aufklärungsquote der Delikte indes ist aber sehr gut: Sie liegt bei rund 90 Prozent. Die Opfer kannten häufig die Täter, es seien oft Beziehungstaten, erklärt Stephan Bohlken.
Was wird getan?
Schon 2007 wurde - zunächst in einem Modellversuch - eine private City-Streife von der Stadt Emden beauftragt, nachts insbesondere den Neuen Markt zu patrouillieren. 100 Fälle von Körperverletzungen und 44 Sachbeschädigungen hatte die Polizei im Jahr davor allein am Markt registriert. Der Dienst der Sicherheitskräfte wurde verstetigt, weil er schnell Erfolg brachte. Um das noch zu verbessern, wurde 2013 eine Sperrstunde eingeführt. Gaststätten müssen seitdem unter der Woche von 4 bis 6 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 5 bis 7 Uhr geschlossen bleiben. Sonst drohen empfindliche Geldstrafen.
2016 wurde dann die Sicherheitspartnerschaft besiegelt. Die Gastronomen hatten die Polizei um mehr Präsenz gebeten, weil sich Zwischenfälle erneut gehäuft hatten. Durch die Partnerschaft wird unter anderem gewährleistet, dass das für einen Schläger ausgesprochene Hausverbot in einem Lokal auch in allen anderen gilt. Seit 2017 ist der Neue Markt videoüberwacht.
Wie ist die Bilanz?
Die Partnerschaft funktioniere seit Gründung gut, sagt Arno Peper. Die kombinierten Maßnahmen brächten Erfolg und sollten Bestand haben, betont er. Sperrzeit, Videoüberwachung oder Sicherheitspartnerschaft sollten bleiben. Andere Städte würden Emden um einen solchen Präventionsrat beneiden. „Wenn wir ein Phänomen feststellen, holen wir alle nötigen Akteure schnell mit ins Boot.“
Auch technisch - etwa bei der Videoüberwachung - werde geschaut, wie man diese verbessern könne, so Stephan Bohlken. Klar sei dabei allerdings: Wer sich prügeln wolle und wisse, wo die Kameras sind, verlagere die Schlägerei eben woandershin. „Die anderen werden aber gesehen“, sagt er.
Was bereitet der Polizei Sorgen?
118 Polizeibeamtinnen und -beamten verteilt auf 97 Fälle wurden im vergangenen Jahr bei der Ausübung ihrer Arbeit angegriffen oder es wurde Widerstand gegen sie geleistet, zeigt die Statistik für die Stadt Emden und den Landkreis Leer aus. 2018 gab es nur 39 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In Emden passiert so etwas aber deutlich seltener als im Landkreis Leer. Von den 97 Fällen sind nur 20 in der Seehafenstadt passiert.
Arno Peper sorgt nicht nur der Anstieg der Angriffe, sondern auch, dass 60 Prozent der Täter unter dem Einfluss von Alkohol oder Rauschmitteln waren. Bei Personen, die durch Alkohol und Rauschmittel uneinsichtiger und schmerzunempfindlicher würden, griffen die normalen Polizei-Methoden ins Leere. „Dann wird es problematisch“, sagt Peper. Für Außenstehende sehe es dann „nicht so schön aus“, wenn die Beamtinnen und Beamten anders zupacken müssten.
Die Zahl zeige aber auch, dass rund 40 Prozent ganz nüchtern Beamtinnen und Beamte angriffen. „Es ist eine Haltungssache“, sagt er. Junge Kolleginnen und Kollegen, teilweise zwischen 22 und 24 Jahre alt, kämen mit einem Idealismus zur Polizei, seien hochmotiviert und wollten den Menschen helfen. Im Job würden sie allerdings schnell desillusioniert, beobachtet er.
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