Nach Explosion in Fahrzeug So sicher sind Autos mit Gastank
Von einer Explosion in seinem Wagen wurde der Fahrer eines Gas-Autos diese Woche in Aurich überrascht. Er erlitt Verbrennungen, Autoteile schleuderten auf die Straße. Wie sicher sind die Autos?
Aurich - Nach einer Explosion im Innenraum eines Gas-Fahrzeugs flogen am Montag in Aurich während der Fahrt auf der Kirchdorfer Straße Fahrzeugteile durch die Luft, landeten auf der Straße und schleuderten gegen ein Wohnhaus. Der 57 Jahre alte Fahrer des Wagens erlitt Verbrennungen, er konnte das Auto stoppen und sich selbst aus dem Auto befreien, wie die Polizei mitteilte. Rund 400.000 Pkws sind mit Autogas auf Deutschlands Straßen unterwegs. Autofahrer schätzten den alternativen Antrieb aufgrund der geringeren Kraftstoffkosten und den niedrigeren CO2-Werten, sagt Nils Linge, Sprecher des ADAC Regional-Clubs Weser-Ems. Doch wie sicher sind die Gas-Fahrzeuge?
Was und warum
Darum geht es: Autogas-Fahrzeuge verfügen über bestimmte Sicherheitsvorkehrungen. Explosionen während der Autofahrt sind äußerst selten.
Vor allem interessant für: Autofahrer, insbesondere Fahrzeughalter von autogasbetriebenen Pkws
Deshalb berichten wir: Anfang dieser Woche kam es in Aurich während der Fahrt in einem mit Autogas betriebenen Pkw zu einer Explosion. Die Redaktion wollte wissen, wie sicher die Fahrzeuge sind. Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de
Bei Autogas, das auch als LPG (Liquefied Petroleum Gas) bekannt ist, handelt es sich um ein Gemisch, das hauptsächlich aus Butan und Propan besteht. „In seiner chemischen Zusammensetzung ist es mit Benzin verwandt und kann nach einer Umrüstung in Ottomotoren eingesetzt werden“, erklärt Linge. Weil es nicht zu riechen sei, werde ein Geruchsstoff beigegeben. So würden Lecks früher bemerkt.
Ventile sorgen am Gastank für Sicherheit
Zu der Verpuffung während der Fahrt im Auricher Fall soll es vermutlich durch ein Leck im Gastank gekommen sein, sagt eine Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Die Untersuchungen dauerten an. Dass es während der Fahrt zu einer Explosion im Fahrzeuginneren kommt, sei absolut selten, sagt Dominik Janßen, Sprecher der Kreisfeuerwehr Leer. Er schätze die Sicherheit der LPG-Autos nicht geringer als die anderer Autos ein und habe so einen Fall, wie er sich kürzlich in Aurich ereignete, noch nie erlebt. Es komme hingegen vor, dass nach Verkehrsunfällen aus LPG-Autos Gas austrete, wenn die Tanks bei Unfällen beschädigt werden, sagt er. Dann ströme das Gas jedoch aus Sicherheitsventilen nach außen ab. Auch bei Hitzeeinwirkung, etwa bei einem Brand, sorgten die Sicherheitsventile für ein kontrolliertes Abbrennen der Gasfüllung und verhinderten damit die Gefahr einer Explosion, erklärt Linge.
Dass Explosionen während der Fahrt selten bis gar nicht vorkommen, bestätigt ebenso ein Sprecher der Auricher Polizei. Auch Linge vom ADAC sagt, dass LPG-Fahrzeuge in seltensten Fällen gefährdet seien – zumindest „nicht häufiger, als Benziner oder E-Autos“. Linge verweist außerdem darauf, regelmäßige Prüfungen des Wagens wahrzunehmen. Bei der Hauptuntersuchung werde zusätzlich eine Gas-Anlagen-Prüfung durchgeführt. Die sei ebenso nach jeder Reparatur der Gasanlage fällig, nach einem Unfall oder einem Fahrzeugbrand, bei dem die Gasanlage beeinträchtigt worden sei.
Füllstutzen sorgen beim Tanken für Sicherheit
Für die Sicherheit der LPG-Autos führt Nils Linge darüber hinaus ein Beispiel eines Heck-Crashtests eines auf LPG umgerüsteten Opel Astra Caravan aus dem Jahr 2008 vom ADAC an: „Trotz der starken Verformungen des Fahrzeughecks sind die Tanks dicht geblieben und haben keinen Schaden genommen“, so Linge. Nach dem Crashtest sei das beschädigte Fahrzeug zusätzlich in Brand gesetzt worden, um ein entsprechendes Unfallszenario zu simulieren. Explosionsgefahr habe zu keiner Zeit bestanden, der Überdruck sei kontrolliert entwichen.
Zu einer Explosion an einem LPG-Auto sei es zuletzt laut einem Sprecher der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund in der Region vor einem Jahr in Wittmund gekommen. Die Verpuffung ereignete sich beim Tanken, also im Stand. Der Tank des Wagens soll stark korrodiert gewesen sein, wie ein Sprecher des Zapfsäulenbetreibers Orangegas der Redaktion zu dem Zeitpunkt sagte. LPG-Autos würden mit einem speziellen Füllstutzen, den man mit dem Tankanschluss des Fahrzeugs verbindet, betankt, erklärt Nils Linge vom ADAC. Da der Gastank nur zu 80 Prozent gefüllt werden dürfe, schalte der Tankvorgang automatisch ab.