Leben in der Innenstadt  In der Osterstraße kann man unter und auf Kirschen sitzen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 31.03.2023 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das klassische A darf natürlich auch in der Osterstraße nicht fehlen. Foto: Ortgies
Das klassische A darf natürlich auch in der Osterstraße nicht fehlen. Foto: Ortgies
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Seit dieser Woche ist die erste Phase der Fußgängerzonen-Sanierung in Aurich beendet. Das gibt den Passanten ganz neue Möglichkeiten.

Aurich - Regen kann ein Augenöffner sein. Am Freitagvormittag mochte das in der Osterstraße in Aurich zunächst niemand glauben. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos), Mitarbeiter der Bauverwaltung und der Firma Strabag hatten sich versammelt, um den ersten Abschnitt der neu gestalteten Fußgängerzone in Augenschein zu nehmen. Der Regen zwang zum Aufspannen von Schirmen, führte aber auch zu einem besonderen Effekt: Das neue Mobiliar in der Osterstraße kam noch besser zur Geltung. „Dass die Sitzbänke einen so schönen Kirschholzton haben, ist mir vorher gar nicht aufgefallen“, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltung. Außer den Bänken waren Fahrradbügel, Spielgeräte und Mülleimer in den Boden eingelassen worden. 15 Leuchten müssen in den nächsten Wochen montiert werden. Sie seien in Auftrag gegeben, aber noch nicht geliefert worden, hieß es. Der Standort sei gemeinsam mit den Geschäftsinhabern ausgewählt worden.

Im Regen ist es zwar nicht gemütlich, aber die Farbe der Bänke kommt gut zur Geltung. Fotos: Boschbach
Im Regen ist es zwar nicht gemütlich, aber die Farbe der Bänke kommt gut zur Geltung. Fotos: Boschbach

Das Licht wird später die Flächen mit den Bänken ins rechte Licht rücken. Sie heißen bereits im Volksmund „Snackdeelen“. In der Sprache der Stadtplaner sind es Verweilzonen, Orte also, die der Fußgängerzone ein besonderes Flair verleihen sollen. Dazu tragen die alten und neuen Bäume bei. Zwei Platanen sorgen in der Osterstraße im Frühjahr und Sommer für ein grünes Schattendach. Damit die alten Bäume noch lange erhalten bleiben, wurde der Bereich um die Wurzeln herum ausgekoffert, belüftet und mit einem speziellen Nährstoffkonzentrat ausgelegt. „Passanten könnten wegen der schwarzen Farbe glauben, wir hätten die Fläche um den Baum herum asphaltiert. Das ist aber nicht der Fall“, stellte Bernd Ewerth klar. Der Leiter des Tiefbauamts bei der Stadt Aurich kündigte weitere florale Aktionen an: In den nächsten Wochen werde das Gärtner-Team beim Baubetriebshof voluminöse Blumenkübel mit Stauden und saisonalen Pflanzen bestücken und in der Osterstraße aufstellen. 30 dieser Behältnisse habe man angeschafft. Sie seien für die ganze Fußgängerzone gedacht.

Variantenreich verlegter Klinker dämpft Schritte

Für den stolperfreien Lauf ist einstweilen nur das Stück in der Osterstraße freigegeben. Auf einer Länge von 192 Metern dämpft dort jetzt variantenreich verlegter Klinker die Schritte der Passanten. Die werden, ohne dass es spürbar ist, leicht Richtung Mitte gelenkt. Dort zieht sich eine Entwässerungsrinne die Gehbahn entlang. Sie ist mit einer Breite von 90 Zentimetern und der Tiefe einer Standard-Damenhandtasche vergleichsweise üppig angelegt, hat aber mindestens zwei Vorteile: Pfützen und Wasserlachen auf dem Trottoir gehören der Vergangenheit an. Die reliefartige Oberfläche der gusseisernen Rinnen-Deckel dient blinden Passanten als Orientierung. „Wir werden dafür sorgen, dass noch weitere Elemente eingebaut werden, die einen Weg in die angrenzenden Lohnen und Seitenstraßen weisen“, kündigte Tanja Ahrens von der Bauverwaltung an.

Horst Feddermann und Tanja Ahrens testeten ein Spielgerät in der Fußgängerzone.
Horst Feddermann und Tanja Ahrens testeten ein Spielgerät in der Fußgängerzone.

Entgegen anderslautender Medienberichte seien die Bauarbeiten derzeit exakt im Zeitplan. Innerhalb von rund sieben Monaten sei die Osterstraße fertiggestellt worden, sagte Hans-Jürgen Heyn, Bauleiter der Firma Strabag. Mitte Januar habe man die Arbeiten in der Burgstraße begonnen. Dort verlege man derzeit vom Hohen Wall aus in Richtung Marktplatz mittig die Entwässerungsrinne. Ende April wolle man auf Höhe der Einmündung zur Kirchstraße angelangt sein. „Wir sind derzeit mit zwei Kolonnen vor Ort tätig. Einer, die für die Pflasterung zuständig ist, und einer weiteren, die den Erdbau bewerkstelligt“, sagte Hans-Jürgen Heyn. Es habe sich gezeigt, dass es nicht sinnvoll sei, mehr Kolonnen an einer Baustelle wie dieser zu beschäftigen. Alle Beteiligten gaben sich zuversichtlich, dass die Arbeiten in der Fußgängerzone bis Ende des Jahres 2023 abgeschlossen sein werden. Spätestens dann werden auch die demontierten Kunstwerke, die vielen Tiere aus Bronze, Seehunde, Federvieh und Bullen, ihren angestammten Platz erhalten. Den Abschluss soll ein besonderes Ereignis krönen, kündigte Horst Feddermann an: „Wir lassen uns etwas einfallen.“ Vor 50 Jahren, als die damalige Fußgängerzone fertiggestellt wurde, feierte Aurich erstmals ein Stadtfest. Und das wurde dann gleich zu einer festen Institution.

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