Paukenschlag in Großefehn Reitsport-Touristik-Centrum in Timmel vor dem Aus
Das Reitsport-Touristik-Centrum Ostfriesland steht vor dem Aus. Weil es Jahr für Jahr sechsstellige Verluste einfährt, will die Gemeinde Großefehn den Betrieb einstellen.
Timmel - Paukenschlag in Großefehn: Die Gemeinde plant, das Reitsport-Touristik-Centrum (RTC) Ostfriesland in Timmel aus finanziellen Gründen zum Jahresende dichtzumachen. Am Dienstag nach Ostern werden der Ortsrat Timmel, der Finanzausschuss des Gemeinderates, der Verwaltungsausschuss, der Rat und die Gesellschafterversammlung der Großefehn Tourismus GmbH in fünf teils öffentlichen Sitzungen darüber abstimmen, ob der Reit- und Veranstaltungsbetrieb im RTC zum Jahresende eingestellt wird. Das teilte Bürgermeister Erwin Adams (parteilos) am Montag auf Anfrage mit. Er sprach von einem Grundsatzbeschluss.
Das RTC war im April 2008 eröffnet worden, vor 15 Jahren. Dies ist der Grund für den jetzigen Vorstoß: Zum 30. Juni läuft die Zweckbindung der Fördermittel aus. Die Gemeinde hatte seinerzeit 3,3 Millionen Euro vom Land Niedersachsen und vom Landkreis Aurich erhalten. Hätte sie das RTC vor Ablauf von 15 Jahren geschlossen oder verkauft, hätte das Geld zurückgezahlt werden müssen. Mit diesem Argument waren Vorstöße aus der Politik, sich von dem defizitären Prestige-Objekt zu trennen, stets zurückgewiesen worden.
Von Anfang an rote Zahlen
Das RTC gehört der Großefehn Tourismus GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Gemeinde. Es hat von Anfang an rote Zahlen geschrieben. Im Wirtschaftsplan für 2023 steht laut Adams ein Defizit von 469.000 Euro. 2022 waren es 431.000 Euro Minus, die die Gemeinde ausgleichen musste – ein Fass ohne Boden. „Jedes Jahr regen wir uns über das Defizit auf“, sagte Siebelt Fohrden (CDU) im Gespräch mit der Redaktion. Fohrden ist Vorsitzender des Finanzausschusses. „Wir können dem Bürger nicht zumuten, dass er das Defizit immer ausgleichen muss.“ Daher wolle man nun die Reißleine ziehen. SPD-Fraktionschef Wolfgang Dirksen sieht es ähnlich: „Irgendwann ist das nicht mehr tragbar.“
Wie aus der Beschlussvorlage für die Sitzungen kommende Woche hervorgeht, verspricht sich die Gemeinde durch die Einstellung des Betriebs in der kleinen Halle mit den Stalltrakten und Außenflächen sowie der großen Halle mit Nebenräumen Einsparungen von 250.000 Euro jährlich. Kosten beispielsweise für Abschreibungen und Steuern fielen weiterhin an, erläuterte Adams.
„Das ist ein Schmuckstück“
Die Gemeinde lässt jetzt prüfen, ob das RTC verpachtet oder verkauft werden kann. „Das Gebäude ist nicht schlecht“, sagte Fohrden. „Das ist ein Schmuckstück.“ Sollte ein Verkauf oder eine Verpachtung gelingen, lässt sich der Betrieb dort womöglich auch über das Jahresende hinaus aufrechterhalten. „Vielleicht kann das jemand aus privater Hand besser“, so Fohrden. Die Gemeinde wolle mit dem RTC kein Geld verdienen. Eine schwarze Null wäre ausreichend.
Eine kommunale Unternehmensberatung sei zu dem Ergebnis gekommen, „dass eine grundsätzliche Neuausrichtung des RTC erforderlich ist und eine Regieform-Änderung für mehr Effizienz notwendig sei“, heißt es in der Beschlussvorlage. „Aufgrund dieser Erkenntnisse werden sich die Geschäftsführung, die Verwaltung und die Gremien mit den Nutzungsalternativen befassen.“ Man strebe eine „wirtschaftlich tragbare, nachhaltige und kommunal Nutzen stiftende Lösung“ an. Das RTC ist nicht nur Schauplatz von Reitturnieren, sondern auch Veranstaltungsort beispielsweise für Seminare, Konzerte, Messen und Tagungen.
„Keine gute Kombination“
Laut Adams wären von der Schließung 22 Beschäftigte auf neun Vollzeitstellen betroffen. Unklar sei jedoch, ob ein Teil von ihnen auch nach Ende des RTC-Betriebs dort weiterbeschäftigt werden kann, etwa für die Pflege der Anlagen. Die Gemeinde prüfe zudem alternative Einsatz- und Beschäftigungsmöglichkeiten für das RTC-Personal. Eine Schließung des RTC würde auch rund 40 Pferdehalter betreffen, die dort Boxen für ihre Tiere gemietet haben. Der Fahr- und Reitverein Timmel hingegen hat laut Adams ein Nutzungsrecht bis 2034.
War die Eröffnung des RTC von vornherein ein Fehler? Ist eine solche Einrichtung für eine 14.000-Einwohner-Gemeinde nicht ein paar Nummern zu groß? Das wollte Adams nicht bewerten. „Ich bin hier, um für die Zukunft zu planen“, sagte der Bürgermeister, der seit 2019 im Amt ist. Er wolle nicht zurückschauen, sondern nach vorne. Nur so viel: „Die Kombination aus Veranstaltungs- und Reithalle war nicht optimal.“
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