Tourismus in der Krummhörn  So versucht Greetsiel, die Besuchermassen in den Griff zu kriegen

| | 07.04.2023 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Günther Groll und Beate Schmitt aus Kaiserslautern nutzen die digitale Infotafel, die Touristen über die Auslastung in Greetsiel informieren soll. Foto: Wagenaar
Günther Groll und Beate Schmitt aus Kaiserslautern nutzen die digitale Infotafel, die Touristen über die Auslastung in Greetsiel informieren soll. Foto: Wagenaar
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Gibt es noch ein Plätzchen in der Sauna? Die Greetsieler Touristiker ziehen erste Bilanz zur digitalen Besucherlenkung. In Zukunft haben sie noch einiges mit dem System vor.

Greetsiel - Volle Parkplätze, belegte Strandkörbe, lange Warteschlangen und überfüllte Restaurants. Dieses Bild hat sich besonders während der Corona-Pandemie für viele Nordseeurlauber verstärkt. Um dem Andrang von Gästen an der niedersächsischen Nordseeküste besser gerecht zu werden, hat die zuständige Marketingorganisation Die Nordsee GmbH ein digitales Besucherlenkungssystem erarbeitet, das vor knapp einem Jahr im Wangerland vorgestellt wurde. Dieses wurde unter anderem auch in Greetsiel eingeführt. Wie funktioniert das System und was ist der Stand der Dinge?

Das System soll an beliebten Orten entlang der Küste mithilfe von Sensoren die Auslastung von Stränden, Parkplätzen oder Freizeiteinrichtungen messen. Urlauber sollen sich so anhand eines Ampelsystems im Internet und über Info-Monitore über die Auslastung an Ausflugszielen informieren können. Die Monitore stehen etwa am Parkplatz in der Mühlenstraße in Greetsiel oder am Pilsumer Leuchtturm. So können die Urlauber über Echtzeitdaten gelenkt werden, zum Beispiel weg von vollen Stränden oder dem vollen Parkplatz am Leuchtturm hin zu Gegenden, wo es gerade nicht so voll ist. Weiter ins Hinterland etwa, oder in die nächste Eisdiele. Oder an einen leereren Strandabschnitt gar nicht weit weg.

Genauigkeit von rund 90 Prozent

Die Sensoren erstellen ein dreidimensionales Bild der Fläche. Die Erfassung kann über einfache Drehkreuze oder über sogenannte Lidar-Sensoren erfolgen. Diese sehen zwar aus wie Kameras, machen aber keine Fotos. Sie erstellen grobe Punktdiagramme, auf denen man lediglich erkennen kann, ob es sich um einen Menschen, ein Auto oder ein Wohnmobil handelt. Alles datenschutzkonform also.

Laut Wolfgang Lübben, Marketings- und Vertriebsmanager der Krummhörn Touristik GmbH, ist das System in den letzten Monaten in Greetsiel und Umgebung noch weiter vorangetrieben worden. „Das wird von Zeit zu Zeit immer besser“, sagt er auf Nachfrage. Sein Chef, Benjamin Buserath, sagte dazu im Dezember im Interview mit dieser Zeitung: „Wir sind bei einer Genauigkeit von rund 90 Prozent. Das reicht für unsere Zwecke völlig aus, gerade, was die Parkplätze angeht.“ Die digitalen Infotafeln können an mehreren Orten genutzt werden und auch die Anzeige über das Internet funktioniert.

System soll ausgeweitet werden

In Zukunft soll das System sogar noch ausgeweitet werden: „Wir wollen die Tafeln an weiteren Punkten aufstellen. Zum Beispiel bei der Tourist-Information oder auch beim Schwimmbad, wenn es nach der Sanierung wieder eröffnet. Dann kann man von Zuhause aus sehen, ob man noch einen Platz in der Sauna bekommt oder nicht“, sagt Wolfgang Lübben. Im nächsten Schritt sollen dann sämtliche Services in einer App zusammengefasst werden. Etwa eine digitale Gästekarte, Veranstaltungstickets und eben die Besucherlenkung. „Bisher fehlt diese Anbindung aber noch. Das hängt mit dem Datenschutz zusammen“, sagt Lübben. Außerdem soll das System künftig Empfehlungen geben, wann und wo sich der Besuch lohnt. „Das nimmt einen guten Weg“, sagt Wolfgang Lübben.

Besonders die Corona-Pandemie, in der zahlreiche Gäste zur Erholung an die deutschen Küsten strömten, habe die Notwendigkeit eines digitalen Besuchermanagements aufgezeigt, sagte die Geschäftsführerin der Die Nordsee GmbH, Sonja Janßen. „Wir sind eine Region, die stark auf die Sommersaison ausgerichtet ist. Da gibt es dann Hotspots, die stark frequentiert sind. Besondere Stellen wie Strände oder Parkplätze sind dann eine große Herausforderung für uns, das Gästeaufkommen Corona-konform zu managen und zu entzerren.“

Auch angesichts hoher Zahlen von Tagesgästen an der Nordsee werde es künftig ohne digitale Lenkungssysteme kaum noch gehen, zeigte sich Janßen überzeugt. Es gehe dabei nicht darum, jemanden mithilfe der Technik zu kontrollieren. „Im Gegenteil, wir wollen dem Gast den bestmöglichen Service bieten.“ Gäste sollten sich bei einem Urlaub an der Küste sicher fühlen. Zudem biete die Technik auch die Chance, die weniger stark besuchte Nebensaison stärker auszulasten. „Dann können wir Orte, die vielleicht nicht so bekannt sind, auch mal ein bisschen in den Vordergrund rücken“, sagte die Tourismuschefin.

Mit Material der dpa

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