Hamburg  Bundeswehr feiert Eröffnungsparty: Darth Vader war eingeladen, die Presse nicht

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 06.04.2023 12:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Generalmajor Michael Traut eröffnet das Weltraumkommando der Bundeswehr umringt von Stormtroopern. Foto: Bundeswehr-Mediathek
Generalmajor Michael Traut eröffnet das Weltraumkommando der Bundeswehr umringt von Stormtroopern. Foto: Bundeswehr-Mediathek
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Darth Vader, zwei Pfarrer und ein neuer Marsch: Mit einer Art Fetisch-Party hat die Bundeswehr das neue Gebäude ihres Weltraumkommandos in Uedem eröffnet und sorgt im Netz für Spott, zu Unrecht.

Seit Monaten versucht der Kollege, einen Termin beim Weltraumkommando der Bundeswehr zu bekommen – immer wieder wurde er vertröstet, war ein Ortstermin nicht möglich. Auch zur feierlichen Eröffnung des neuen Gebäudes des Weltraumkommandos im nordrhein-westfälischen Uedem bei Kleve wollte die Bundeswehr lieber unter sich bleiben: Keine Presse, nur geladene Gäste.

Jetzt muss man sagen: Wir verstehen das. Denn die feierliche Eröffnung gehört zu jener Sorte Party, nach der man am besten alle Zeugen beseitigt. Warum die Bundeswehr jedoch mit der BTB Concept einen Mediendienstleister beauftragt hatte, darüber einen Film zu drehen, der nun auf Twitter für Spott und auf YouTube für Spaß sorgt, bleibt vorerst ihr Geheimnis.

Das irre Schauspiel aus dem von Star Wars-Darstellern flankierten Generalmajor Michael Traut, zwei Geistlichen, die das Gebäude segnen und der Uraufführung des „Space Guard Salute“ – dem neuen Truppenmarsch des Weltraumkommandos –, ist allerdings absolut sehenswert.

Hier sehen Sie das Video vom Festakt:

Der Marsch, so erklärt es der Leiter des ausführenden Luftwaffenmusikkorps Münster Major Alexander Kalweit im Video, enthalte „klangliche Effekte, wie wir ins Weltall fliegen, wie ein richtiger Raketenstart, wie wir die Galaxie erkunden und dann auch hier wieder sicher in Uedem landen.“

Was Komponist Oberstleutnant a. D. Robert Kuckertz, der immerhin einst bei Leonard Bernstein studiert hat und lange Zeit Leiter der Big Band der Bundeswehr war, sich dabei gedacht hat: Offenbar irgendwas zwischen A-Team, Indiana Jones und Raumpatrouille Orion.

Ohnehin hat die Bundeswehr eine Vorliebe für klangliche Anleihen bei popkulturellen Weltraum-Klassikern. So klingelt nicht nur die Apple Watch des Verteidigungsministers Boris Pistorius mit der Star Trek-Melodie, auch die neuen Leopard 2 A7V für das Panzerbataillon 104 wurden unter Abspielung des „Imperial Marches“ aus Star Wars vorgestellt.

Dabei hat das Weltraumkommando mit Star Wars und epischen Weltraumschlachten eher nichts zu tun: Seine Hauptaufgabe ist es, Satelliten und Weltraumschrott zu beobachten.

Der Spott und die Empörung in den Sozialen Netzwerken über das neuerliche Bekenntnis zur dunklen Seite der Macht in Uedem ist auch deshalb ganz unangebracht: Denn wenn die Bundeswehr bei allen Ausrüstungs- und Nachwuchssorgen schon einmal Spaß hat, dann soll man sie ruhig lassen.

Außerdem hätte alles noch viel schlimmer kommen können: Nahegelegen hätte ja auch eine Anleihe bei der „Bezaubernden Jeannie“, jener Nasa-Serienromanze aus den 1960ern mit Barbara Eden als leicht bekleidetem Flaschengeist und Larry Hagman als zugeknöpftem Major.

Was nicht nur in Uedem losgewesen wäre, wenn neben dem General statt Darth Vader eine Jeannie in Pumphosen und Bikinioberteil gestanden hätte, mag man sich nicht vorstellen.

Wir jedenfalls freuen uns erst jetzt so richtig auf unseren Presse-Besuch im nun neu eröffneten Gebäude: Anvisiert ist jetzt das dritte Quartal. Bleiben Sie dran.

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