Hannover  Wenn die Angst vor Einsamkeit die Vorfreude auf Ostern überschattet

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 07.04.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn der Hund zum besten Freund wird: Viele Menschen in Niedersachsen haben kaum soziale Kontakte. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Wenn der Hund zum besten Freund wird: Viele Menschen in Niedersachsen haben kaum soziale Kontakte. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Die Stille in der eigenen Wohnung kann manchmal erdrückend sein: Einsamkeit wird für viele Menschen zu einem immer größeren Problem. Was die CDU in Niedersachsen dagegen unternehmen will.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen: Viele decken sich gerade mit Leckereien für das Osterfest im Kreise der Liebsten ein. Doch für eine wachsende Zahl von Menschen gehen Sonn- und vor allem auch Feiertage mit einer beklemmenden Sorge einher: Was soll ich bloß anfangen mit der vielen freien Zeit? Sie haben häufig keinen Partner mehr, die eigenen Kinder sind längst aus- und in die weite Welt gezogen.

Einsamkeit ist ein Problem, das auch in Niedersachsen immer mehr Menschen betrifft. Erst kürzlich hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) dazu aufgerufen, ältere Menschen aus Einsamkeit und Isolation herauszuholen. Die Bekämpfung von Einsamkeit sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mahnte der niedersächsische Landesvorsitzende des Sozialverbandes, Bernhard Sackarendt, zum „Tag der älteren Generation“.

Auf Landesebene müsse sich die Politik für mehr barrierefreie Mobilitätsangebote einsetzen, vor allem aber seien die Kommunen in Niedersachsen gefragt: „Die Altenhilfe muss hier sowohl personell als auch finanziell gestärkt werden. Auch generationsübergreifende Wohn- und Stadtentwicklungskonzepte sind ein wichtiger Baustein“, sagte Sackarendt. Es dürfe nicht sein, dass sich so viele Ältere einsam und ausgegrenzt fühlten.

Einsame Menschen seien häufiger krank und depressiv sowie früher pflegebedürftig, erklärte Sackarendt. Laut einer Forsa-Umfrage von 2021 fühle sich jede fünfte Mensch über 75 Jahren häufig oder zumindest hin und wieder einsam. Gründe seien der Tod der Ehepartnerin oder des -partners und die Gesundheit. „Vor allem spielt aber die Altersarmut eine große Rolle“, betonte der SoVD-Landeschef.

Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Sophie Ramdor weiß: „Einsamkeit wird zu einem immer größeren Problem, das Menschen jeden Alters, jeder sozialen Schicht und jeder Kultur betrifft. In unserer modernen Gesellschaft, in der viele Menschen sich auf digitale Medien und Technologien verlassen, um mit anderen in Kontakt zu bleiben, nimmt die Isolation zu.“

Ramdor verweist auf eine aktuelle NDR-Umfrage, wonach mehr als 60 Prozent der Teilnehmer aus Niedersachsen angaben, Erfahrung mit dem Gefühl der Einsamkeit zu haben. Unabhängig davon, ob sie in einer Beziehung leben, Familie haben oder andere Menschen und Freunde treffen. „Es geht um eine immer stärkere Distanzierung in sozialen Beziehungen, veränderte familiäre Bindungen und fehlende Kontakte. Die Distanzierung zeichnet sich auch durch eine abnehmende Bereitschaft aus, sich ehrenamtlich in Vereinen, Kirchen und Parteien zu engagieren“, stellt die Politikerin fest.

Die CDU fordert die rot-grüne Landesregierung in ihrem jüngst in den Landtag eingebrachten Antrag auf, bei der Staatskanzlei von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) einen Landesbeauftragten gegen Einsamkeit und für gesellschaftlichen Zusammenhalt anzusiedeln. Es gehe in dem Antrag um Ältere, die es schwerer hätten, außerhalb ihrer Wohnung mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, aber auch um junge Menschen, deren soziale Beziehungen immer „instabiler und schnelllebiger“ würden.

„Dies sind alles Phänomene, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer stärker auftreten werden, nicht wieder verschwinden und infolgedessen auch neue Lösungen notwendig machen. Einsamkeit kann schwerwiegende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit haben“, macht Ramdor deutlich und fügt hinzu: „Es wird Zeit, dass wir auch in Niedersachsen dieses Thema auf die Tagesordnung setzen und die Zusammenhänge zwischen Einsamkeit und anderen Merkmalen wie Bildung, Alter oder Herkunft erforschen, um den Menschen zu helfen und Lösungen anzubieten.“

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