Stockholm ESC-Schlagerstar polarisiert mit islamfeindlichen Aussagen
Für ihre islamfeindlichen Parolen erntete die Schlagersängerin Carola Häggkvist viel Kritik – aber auch Applaus. Ihre Aussagen stehen symptomatisch für den Gesinnungswandel in der schwedischen Migrationspolitik.
Mit dem Hit „Fremder” holte Carola Häggkvist für Schweden im April 1983 beim Eurovision Song Contest in München den dritten Platz. Es ging um die Liebe zu einem Mann aus fernem Lande. Nun, vierzig Jahre später, wird der Schlager in Schwedens Medien gerade umgedichtet – „Fremder, passe Dich an.“
Denn die 56-jährige Häggkvist, schlicht bekannt als „Carola“, hatte sich kürzlich in einem Interview der Zeitung „Svenska Dagbladet“ über Migranten geäußert, was Wellen schlägt. „Ich glaube nicht, dass man sagen kann, kommt und lebt so wie ihr wollt in unserem Land“, sagte die Sängerin und appellierte „Schwedens Traditionen zu schützen.“ Die Situation Schwedens mache sie verzweifelt.
Gemeint war das schwedische Topthema: die Bandenkriege. Bei dem Kampf um Drogenreviere gab es im vergangenen Jahr 66 Tote in dem skandinavischen Land. Die meisten Mitglieder der Gangs haben einen Migrationshintergrund; die Schuldfrage, ob die Gesellschaft bei der Integration versagt habe, steht seit Jahren im Raum. Aber drängender bewegt die Frage, wie das Schießen aufhören kann.
Auch die Mitte-Rechts-Regierung unter Ulf Kristersson, die seit Oktober in der Verantwortung ist, konnte bislang keine Ergebnisse liefern. Sie wird derzeit als Minderheit von den rechten Schwedendemokraten unter Jimmie Akesson im Parlament unterstützt.
Nun wird Carola vorgehalten, die Schwedendemokraten zu fördern. „Sie klingt schon wie Jimmie Akesson.“ so die linksliberale Zeitung „Dagens Nyheter“. Denn die temperamentvolle Popsängerin erklärte, wie auch die Rechten, die Muslime für die Schuldigen – es kämen Einwanderer, „in deren Schriften stünde, dass es in Ordnung sei, gegenüber Ungläubigen zu lügen.“
Sie wirke wie eine „Muslimhasserin“, so die überregionale Tageszeitung. Die Sängerin ruderte dann via Instagram zurück und meinte, sie habe niemanden verletzen wollen, ihren Worten haben die Nuancen gefehlt, auch sei sie unvorbereitet auf politische Fragen gewesen. Der temperamentvolle Star, der in Schweden als „volksnah“ tituliert wird, war auch bislang nicht für politische Äußerungen bekannt. Als überzeugte Christin einer Freikirche adoptierte sie ein Kind aus Südafrika, während der Flüchtlingskrise 2015 nahm Häggkvist persönlich Flüchtlinge auf.
Doch das Interview steht auch für einen Gesinnungswandel in Schweden. Denn gegen Ende 2015 gestand die schwedische Regierung unter Stefan Löfven, dass sie die bislang großzügige Einwanderungspolitik nicht mehr weiter führen könne. Gleichzeitig gewann die migrationsfeindliche Partei „Schwedendemokraten“ immer weiter an Zulauf, ebenso übernahmen die gemäßigten Parteien einen Teil der rechtspopulistischen Postulate.
Carola erhält nun neben den üblichen Verdächtigen auch Unterstützung von Robert Hannah, einem führenden Politiker der Regierungspartei „Die Liberalen“ – die Debatte um Einwanderung müsse geführt werden, er werde auf ihr nächstes Konzert gehen, um „das freie Wort zu unterstützen“. In ihrem Land ist Carola sehr populär, neun ihrer Alben konnte sie auf Platz eins platzieren, 1991 gewann sie mit „Gefangen im Sturmwind“ den Eurovision Song Contest.
Diese Beliebtheit könnte nun dazu führen, die schwedischen Rechten noch salonfähiger zu machen. Denn die Auseinandersetzung der Gangs hören in den Vorstädten des Königreichs nicht auf. Jede Woche gibt es Schussverletzte, manchmal Tote. Darum brauchen die Schwedendemokraten Ergebnisse, um ihre Wähler bei der Stange zu halten. Ein Zankapfel zwischen ihr und der Regierung sind beispielsweise die Verhandlungen der Führung in Stockholm zum EU-Migrationspakt. Hier wollen die Rechten deutlich mehr Verschärfungen.