Osnabrück Tagesgeld: Höhere Zinsen sind möglich – aber nur unter komplizierten Bedingungen
Aufs Tagesgeldkonto gibt es neuerdings wieder bis zu 3 Prozent Zinsen und das sowohl für Neu- als auch Bestandskunden. Der Haken: Die Banken knüpfen die attraktive Verzinsung oftmals an bestimmte – mitunter ziemlich komplexe – Bedingungen. Ein Überblick.
Der Wettbewerb um Spareinlagen nimmt Fahrt auf: Die Direktbank ING bietet seit Kurzem auf Tagesgeld 3 Prozent Zinsen; und das nicht nur für Neukunden. Auch diejenigen, die schon ein Tagesgeldkonto bei dem Institut haben, bekommen auf neu eingezahlte Gelder die 3 Prozent. Laut dem Vergleichsportal Verivox steht die ING damit an der Marktspitze. So hohe Tagesgeldzinsen erhalten Sparer demnach bei keiner anderen deutschen Bank.
Gleichwohl gibt es immer mehr Banken, die wie die Direktbank inzwischen mit höheren Zinsen auf dem Tagesgeldkonto werben. Häufig gibt es dabei allerdings einen Haken: Denn diese attraktive Verzinsung ist oft an bestimmte – teilweise auch ziemlich komplexe – Bedingungen geknüpft.
Beispiel ING: Neukunden, die in den letzten vier Monaten kein Extra-Konto bei der ING hatten, bekommen für ein neues Tagesgeldkonto 3 Prozent Jahreszins, sechs Monate lang ab dem Zeitpunkt des Geldeingangs. Der Betrag muss mindestens 100 Euro und darf nicht mehr als 50.000 Euro sein. Das Geld für den Bonuszins muss zudem von einer anderen Bank auf das neue ING-Extra-Konto überwiesen werden, und zwar bis spätestens zum 25. April.
Deutlich komplizierter ist es für ING-Bestandskunden, die ebenfalls den Bonuszins von 3 Prozent bekommen können – wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Denn Bestandskunden wird der hohe Aktionszins ebenfalls nur für Gelder zwischen 100 und 50.000 Euro gewährt, die bis zum 25. April eingezahlt werden und bislang noch nicht bei der Bank angelegt waren.
Das heißt: Wie Neukunden müssen auch Bestandskunden das Geld von einer anderen Bank direkt auf das ING-Extra-Konto überweisen. Es darf nicht innerhalb der ING umgebucht werden. Guthaben, das beispielsweise erst auf einem ING-Girokonto ankommt und erst dann auf das Extra-Konto fließt, zählt nicht. Ebenso sind Zahlungen von anderen ING-Konten ausgeschlossen – auch beispielsweise nach Wertpapierverkäufen aus einem Depot bei der ING.
Hat jemand mehrere Extra-Konten bei der ING, zählt nur das älteste für die Aktion, auf das die Einzahlung überwiesen werden muss. Welches das ist, lässt sich anhand der IBAN-Nummer ermitteln: Das Extra-Konto mit der kleinsten Kontonummer ist zugleich das älteste.
Auch gilt die Aktion nicht für Extra-Konten, die in den letzten vier Monaten eröffnet wurden oder die schon einen Bonuszins erhalten, also insbesondere Konten mit dem bisher gültigen Aktionszins von 2 Prozent.
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Haben Interessenten die durchaus komplexen Bedingungen durchschaut, bleibt immer noch die Frage, worauf die hohe Verzinsung eigentlich angerechnet wird. Denn wie bei Bankzinsen üblich, beziehen sich die 3 Prozent rechnerisch auf ein Jahr. Da der Aktionslaufzeit bei der ING aber nur sechs Monate beträgt, gibt es entsprechend nur die Hälfte an Zinsen. Heißt: Wer 5.000 Euro Guthaben einzahlt, bekommt 75 Euro Zinsen. Nach den 6 Monaten Aktionslaufzeit gilt dann wieder der ING-Standardzins in Höhe von 0,6 Prozent pro Jahr – übrigens auch für höhere Beträge oder andere Tagesgeldkonten.
Ein weiteres Aktionsangebot, das sich wie bei der ING auch an bestehende Kunden richtet, macht die Bank of Scotland. Sie gibt Neu- und Bestandskunden, die noch bis zum 28. April mindestens 1.000 Euro neu einzahlen, aufs gesamte Tagesgeldguthaben zwei Monate lang einen Zinsaufschlag in Höhe von 1 Prozent und zwar zusätzlich zum regulären Tagesgeldzins.
Der liegt aktuell bei 1,5 Prozent. Insgesamt erhalten Kunden, die die Einzahlung getätigt haben, dann also eine Verzinsung in Höhe von 2,5 Prozent – allerdings nur im Zeitraum vom 5. Mai bis einschließlich 6. Juli und bis zu einem Betrag von maximal 500.000 Euro. Das heißt: Das Tagesgeldguthaben, das sich in diesem Zeitraum auf dem Konto befindet, wird mit 2,5 Prozent verzinst. Sofern das Guthaben während dieses Zeitraums 500.000 Euro übersteigt, wird der Betrag, der darüber liegt, mit dem regulären Tagesgeldzinssatz von 1,5 Prozent verzinst.
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Bestandskunden können dabei ihr bereits bestehendes Konto nutzen. Als Neukunden wiederum definiert das Institut Personen, die am 20. März noch kein aktives Konto bei der Bank of Scotland geführt haben. Die regulären Tagesgeldzinsen sowie die zweimonatigen Bonuszinsen werden dem Konto dann jeweils am Jahresende beziehungsweise bei Kontoschließung gutgeschrieben.
Dem Vergleichsportal Verivox zufolge gehört die Bank auch schon mit ihren regulären Konditionen zu den Top-Anbietern. Der durchschnittliche Bestandskundenzins von Banken mit einem bundesweit verfügbaren Tagesgeldangebot liegt laut Verivox aktuell bei 0,88 Prozent.
Sonderkonditionen mit einer besonders langen Zinsgarantie können sich Tagesgeldsparer bei der Consorsbank sichern. Sechs Monate lang garantiert das Institut Neukunden eine Tagesgeldverzinsung von 2,4 Prozent pro Jahr, unter bestimmten Voraussetzungen sogar zwölf Monate lang. Allerdings können Neukunden das Tagesgeldkonto nur in Kombination mit einem Wertpapierdepot eröffnen.
Wer sich den Tagesgeldzins sogar für zwölf Monate sichern will, muss sich dafür entweder einen Wertpapier-Sparplan einrichten – ab einer Rate von 10 Euro –, oder Wertpapiere für mindestens 1.000 Euro kaufen. Für die Depotführung entstehen zwar keine Kosten. Für Sparpläne und Einzelkäufe fallen allerdings in der Regel Ordergebühren an. Das Nachsehen haben bei der Consorsbank die Bestandskunden: Für sie liegt der Zinssatz weiterhin bei 0,6 Prozent pro Jahr.
Dies ist allerdings immer noch mehr im Vergleich dazu, was Kunden im regionalen Sektor bekommen: Verivox zufolge zahlten die örtlichen Sparkassen für Tagesgeldanlagen Mitte März durchschnittlich 0,15 Prozent Zinsen. Bei den genossenschaftlich organisierten Regionalbanken sind es durchschnittlich 0,13 Prozent. Etwas besser sieht es bei der Deutschen Bank und Postbank aus, die das Tagesgeld ihrer Neu- und Bestandskunden seit Anfang April mit 0,40 Prozent verzinsen. 0,6 Prozent erhalten Kunden für ihr Tagesgeld fortan bei der Commerzbank. Die Bedingungen, die Kunden hierfür erfüllen müssen, sind zwar weniger streng. Bei der mickrigen Verzinsung lohnt der Wechsel allerdings auch kaum.