Oldenburg Bande vor dem Landgericht: Nach reicher Beute in Delmenhorst geschnappt
Fünf Männer sollen in ganz Niedersachsen 21 Container und einen Lkw-Anhänger gestohlen haben. Ihre größte Beute machten sie in Delmenhorst – doch danach wurden sie verhaftet.
Ihre Beute hatten sie mit dem Lkw abtransportieren müssen – und doch blieben sie monatelang unentdeckt: An diesem Montag hat vor dem Landgericht Oldenburg der Prozess wegen schweren Bandendiebstahls gegen fünf Männer begonnen, die von Januar bis Juli 2022 von Baustellen und Betriebshöfen in ganz Niedersachsen 21 Container in Größen von zehn bis 40 Kubikmetern und einen Lkw-Anhänger gestohlen haben sollen. Vor Gericht verantworten müssen sich drei Männer aus Barnstorf im Landkreis Diepholz (53, 52 und 29 Jahre alt), Peine (47 Jahre) und dem Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen (27).
Beendet wurde ihre Serie kurz nach ihrem größten Coup: dem Diebstahl am 13. Juni eines mit wertvollem Baggerzubehör beladenen Abrollcontainers von einer Baustelle in Delmenhorst mit einem Beutewert laut Staatsanwaltschaft von 130.000 Euro. Drei Wochen später wurden vier der Angeklagten verhaftet.
Gleich zehnmal soll die Bande in Vechelde im Landkreis Peine zugeschlagen haben. Entscheidend geholfen habe der 47-jährige Angeklagte, der in all den Monaten selbst im betroffenen Entsorgungsbetrieb gearbeitet hatte. Damit konnte er es der Bande leicht machen: Mal stellte er laut Staatsanwaltschaft einen der Container außerhalb zum Abholen ab, in den meisten Fällen schloss er den Dieben einfach das Tor auf. Und mehr noch: Durch seinen Zugang zum betriebsinternen Buchungssystem habe der 47-Jährige den Verbleib der Container im Wert von meist 4000 bis 5000 Euro verschleiern können. Auch sollen die Täter unter anderem in Celle, Wildeshausen, Vechta und Stuhr zugeschlagen haben, wo sie am 20. März zwei zur Reparatur abgestellte Container auf ihren Lkw verladen haben sollen.
Drahtzieher und Entscheidungsträger der Bande soll der 52-Jährige gewesen sein. In allen Fällen verantwortlich für den Abtransport der meist leeren Abrollcontainer mit seinem Lkw war laut Anklage der 53 Jahre alte Angeklagte. Beide Hauptangeklagte befinden sich seit Anfang Juli in Untersuchungshaft. Bei neun Taten soll der 29-jährige Sohn des Drahtziehers mitgewirkt haben. Als Hehler in sechs Fällen aktiv gewesen sein soll der 27-Jährige.
Insgesamt soll die Bande Beute im Wert von deutlich über 300.000 Euro gemacht haben. Doch im Rahmen der Polizeiaktion am 5. Juli wurde beim mutmaßlichen Hehler laut damaliger Angaben der Polizeiinspektion Delmenhorst Diebesgut im Wert von rund 200.000 Euro gefunden, ihm zudem sechs gestohlene Container in der Nähe zugeordnet. Der nicht mehr auffindbare Teil der Beute besitzt laut Anklageschrift einen Wert von exakt 100.036 Euro. Eine Summe, die vor allem die beiden Hauptangeklagten im Falle einer Verurteilung zurückzuzahlen haben.
Der gesetzliche Strafrahmen für schweren Bandendiebstahl liegt bei einem bis zehn Jahren Freiheitsstrafe, für Hehlerei bei bis zu fünf Jahren Haft. Der 47-Jährige aus Peine als Tippgeber könnte mit einer Verurteilung wegen Beihilfe davonkommen. Einen Strafrahmen könnte das Gericht bereits an diesem Mittwoch nach einem nichtöffentlichen Rechtsgespräch verkünden, in dem den Männern für eine geständige Einlassung ein Strafrahmen angeboten werden könnte. Gelingt den Prozessbeteiligten der „Deal“, würde er die Verhandlung enorm abkürzen. Vor der Polizei ein Teilgeständnis abgelegt haben soll aber bisher nur einer der Männer. Vorsorglich hat das Landgericht Oldenburg so noch 22 weitere Verhandlungstage bis Mitte August angesetzt.