Mehrkosten  Das Emder Festspielhaus wird um 1,1 Millionen Euro teurer

| | 17.04.2023 19:49 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fensterfront ist mittlerweile fast fertig. Das Festspielhaus soll im September neu eröffnen, dafür sind noch einmal Mehrkosten nötig. Foto: Müller
Die Fensterfront ist mittlerweile fast fertig. Das Festspielhaus soll im September neu eröffnen, dafür sind noch einmal Mehrkosten nötig. Foto: Müller
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Die Emder Politik hat den zusätzlichen Ausgaben am Montag im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss zugestimmt. Woher das Geld kommen soll, steht schon fest.

Emden - Ende Januar hieß es noch, man sei preislich im Rahmen. Jetzt ist klar: Die Rund-um-Sanierung des Emder Festspielhauses, das im Herbst eröffnen soll, wird teurer. Insgesamt belaufen sich die Mehrkosten auf 1,1 Millionen Euro, teilt die Pressestelle der Stadt am frühen Montagabend mit. Der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss (VA) des Emder Rates hat am Montag die zusätzlichen Ausgaben beschlossen. Für die Ausgaben sei ein Eilbeschluss im VA notwendig, da das Projekt für eine Abrechnung mit der EU bis Ende 2023 geprüft und abgeschlossen sein müsse. Eine weitere Verzögerung würde den Erhalt der Fördersumme gefährden.

Als Gründe für die Mehrkosten nennt die Stadt pandemiebedingt erschwerte Materialbeschaffung und die Preissteigerungen bei Glas, Holz und Stahl um bis zu 35 Prozent. Außerdem habe es unerwartete Komplikationen bei der Sanierung gegeben. Asbest wurde beispielsweise im Teppichkleber gefunden. Erweiterte Anforderungen im Brandschutz hätten sich ergeben und vergaberechtliche Schwierigkeiten bei den Ausschreibungen seien entstanden, die die Kosten gesteigert hätten. Zuletzt war man von Gesamtkosten in Höhe von rund 4,7 Millionen Euro ausgegangen.

Neu in der Planung: Musikraum für Schüler

Außerdem soll das Bauprojekt nun um ein Teilvorhaben erweitert werden, das bislang noch gar nicht im Gespräch war. Entgegen den bisherigen Planungen soll der Anbau, der vom Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) als Musikraum genutzt wird, ebenfalls grundlegend saniert werden, heißt es von der Stadt. Deswegen soll nun in Ergänzung der Baumaßnahme fürs Festspielhaus der Raum für die Schülerinnen und Schüler wieder hergerichtet und modernisiert werden, zum Beispiel durch bessere Isolierung und Barrierefreiheit.

„Sollte die Sanierung zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden, wäre dies voraussichtlich deutlich teurer, als die Arbeiten nun, wo die Firmen vor Ort sind, mitmachen zu lassen“, erklärt die Pressesprecherin. Außerdem erscheine das Gebäude innen wie außen dann nach der Sanierung „aus einem Guss“ durch eine einheitliche Holzverschalung.

Stadt schiebt andere Investitionen für Mehrkosten auf

Eine Million Euro an Mehrkosten sollen durch die Investitionsmaßnahmen zum geplanten KiTa-Neubau Borssum gedeckt werden, da dieser im Jahr 2023 noch nicht so weit sei, als dass dieser Haushaltsansatz vollständig gebraucht würde. „Hintergrund ist, dass der Schulneubau am Standort Borssum aufgrund der Verwerfungen im Baugewerbe verschoben wurde“, so die Erklärung. Es sollen aber ausreichend Mittel bestehen bleiben, um in eine Planung starten zu können. Weiter deckt der Baubetrieb 65.000 Euro aus der ursprünglich geplanten Investition in den Fuhrpark sowie 35.000 Euro aus Mitteln für die Bestandsunterhaltung ab.

Damit das Festspielhaus am Wall wie geplant fertiggestellt werden kann, seien dringend weitere Auftragsvergaben erforderlich gewesen. Diese beziehen sich auf Bodenbelagsarbeiten in Höhe von mehr als 155.000 Euro, Fenster und Türenelemente für rund 189.400 Euro, Malerarbeiten für knapp 100.000 Euro und Trockenbauarbeiten für mehr als 400.000 Euro. Eröffnet werden soll das neue Festspielhaus Anfang September 2023. Im Vergleich zum ehemaligen „Neuen Theater“ ist das künftige „Festspielhaus am Wall“ als Multifunktionshaus geplant, das heißt, es ermöglicht eine deutlich intensivere Nutzung und Auslastung als bisher unter anderem für große Feierlichkeiten, Kongresse oder Fachtagungen. Weiterhin soll es auch ein Ort für Kulturveranstaltungen und die Veranstaltungen der anliegenden Schulen bleiben.

Auch das Freibad Borssum wird teurer

Erst vor knapp einem Monat hatte der Verwaltungsausschuss Mehrkosten für die Sanierung des Freibads Borssum abgenickt. 400.000 Euro sollen auf die bislang geplanten 3,3 Millionen Euro noch drauf geschlagen werden. Ein Zurück gibt es bei dem Projekt nicht mehr, denn die im Februar 2022 begonnene Sanierung sei inzwischen an einen Punkt gekommen, bei dem etwa 90 Prozent der Arbeiten bereits ausgeführt beziehungsweise als Aufträge vergeben worden seien, sagte Kämmerer Horst Jahnke zuletzt. Würde man die Sanierung stoppen, müsste die Stadt einen Teil oder die Gesamtsumme des Fördergelds an den Bund zurückzahlen. „Das wäre noch fataler“, so Jahnke. Das Freibad, das seit 2017 gesperrt ist, soll noch in diesem Jahr öffnen.

Die Teuerungen für diese Baumaßnahmen, die in den Bereich der freiwilligen Leistungen der Stadt fallen und keine Pflichtaufgabe sind, wiegen besonders schwer. Emden ist wegen der klammen Stadtkasse bereits im Fokus der Kommunalaufsicht des Landes. Der Haushalt 2023 wurde nur unter Auflagen genehmigt. Ab 2024 soll es nach aktuellem Stand extrem ins Minus gehen. Mehr als 20 Millionen Euro Defizit wird ab da erwartet.

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