Technische Berufe  Personalmangel plagt Industrie in Ostfriesland

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 17.04.2023 19:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Schweißer einer Firma schweißt Maschinenteile zusammen. Die Maschinenbaubranche leidet unter dem anhaltenden Fachkräftemangel. Foto: Gabbert/DPA-Zentralbild/DPA
Ein Schweißer einer Firma schweißt Maschinenteile zusammen. Die Maschinenbaubranche leidet unter dem anhaltenden Fachkräftemangel. Foto: Gabbert/DPA-Zentralbild/DPA
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Der Personalmangel ist ein branchenübergreifendes Problem – bundesweit. Im Maschinenbau und in der Elektrotechnik trifft er die Unternehmen in Ostfriesland hart. Verlieren junge Leute das Interesse?

Ostfriesland/Hannover - Bundesweit plagt der Fachkräftemangel die Industrie. So sprach Karl Haeusgen, Präsident des Branchenverbands VDMA, zum Start der Hannover-Messe von einem eklatanten Personalmangel im Maschinenbau und forderte neue Strategien im Bildungssektor.

„Das beginnt irgendwo in der Schule“, sagte auch Dieter Janssen, Geschäftsführender Gesellschafter der Auricher Rolf Janssen GmbH. Bereits dort müssten die Jungen und insbesondere die Mädchen stärker an Technik und Naturwissenschaften herangeführt werden. Denn gerade von Frauen gebe es relativ wenige Bewerbungen – sei es nun für eine betriebliche Ausbildung oder nach einem Studium. Mädchen und junge Frauen müssten stärker dazu motiviert werden, sich technischen Berufen zu widmen, sagte Janssen: „Wir hätten ein unheimliches Potenzial, wenn die Damenwelt das auch tun würde.“

Das Problem betrifft längst nicht nur die Industrie

Der Personalmangel treffe das Unternehmen nicht nur im Bereich Maschinenbau – der nur einen Teil der Arbeit bei Rolf Janssen ausmache –, sondern auch in der Elektrotechnik. „Das ist bei uns genauso problematisch wie in der Gastronomie“, so Janssen. Dass der Fachkräftemangel viele Unternehmen in der Region trifft, bestätigte auch Max-Martin Deinhard, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg. „Die Betriebe müssen sich über alle Branchen strecken, um Personal zu bekommen“, sagte er.

Das Problem kennt auch Sascha Blank: Es sei „sehr, sehr schwierig“, sowohl Fachkräfte als auch Auszubildende zu finden, sagte er. Blank gründete 2015 gemeinsam mit Christoph Peters die P&B Maschinenbau GmbH in Großefehn. Das Unternehmen beschäftigt derzeit sechs Mitarbeiter – inklusive der beiden Gründer. Speziell für solche mittelständischen Betriebe werde die Suche nach Fachpersonal immer schwieriger, so der VDMA. Laut einer Umfrage des Verbands unter Mitgliedsfirmen gibt es fast überall Engpässe, und die Hälfte der Betriebe befürchtet eine Verschärfung. Gleichzeitig haben mehr als vier Fünftel das Ziel, zusätzliche Fachkräfte einzustellen.

Arbeit wäre genug da – nur am Personal fehlt es

Diesen Plan verfolgten auch Blank und Peters, als sie sich vor acht Jahren selbstständig machten: Das Unternehmen sollte wachsen – und ebenso die Zahl der Beschäftigten. „Wir waren immer auf der Suche nach Mitarbeitern“, sagte Blank. Doch diese zu finden – und dann auch zu halten – gestalte sich schwierig: Auszubildende würden zwar eine Lehre beginnen, diese dann jedoch wieder abbrechen, weil sie mit falschen Erwartungen an die Sache herangegangen seien. Zudem würden auch Quereinsteiger sich mit zu hohen Gehaltsvorstellungen bewerben.

Dabei sei die Auftragslage gut, so Blank. Das Potenzial für ein Wachstum des Unternehmens sei also vorhanden – allein am Personal fehle es. „Das ist schade – man kriegt es halt nicht umgesetzt“, sagte Blank.

Zahl der Studierenden im Maschinenbau geht in Ostfriesland zurück

Aber woran liegt es? Nimmt das Interesse junger Leuten an technischen Berufen ab? Darauf deuten zumindest auch Zahlen der Hochschule Emden/Leer hin. Dort nahm die Zahl der Studierenden in den Studiengängen Industrial and Business Systems sowie Maschinenbau und Design ab. Im Wintersemester 2019/2020 waren es zusammengerechnet noch 398 Studierende, im Wintersemester 2021/2022 nur noch 329.

„Wie auch viele andere Hochschulen stellen wir eine leicht fallende Tendenz in diesen Studiengängen fest, obgleich die Nachfrage an Fachpersonal groß ist“, so Professor Dr. Marco Rimkus, Vizepräsident der Hochschule für Studium und Lehre. „Um unserer Rolle in der Region gerecht zu werden, versuchen wir hier seit einiger Zeit, aktiv gegenzusteuern.“ Zum kommenden Wintersemester solle es so etwa ein speziell auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Studienangebot im Bereich Maschinenbau geben, so Rimkus.

Mit Material von DPA

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