Norder Umweltausschuss tagte  Lautstarker Protest gegen die Bebauung des Kolklandes

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 18.04.2023 09:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schon vor der Sitzung des Norder Umweltausschusses machten die Gegner des Baugebietes Kolkland ihre Meinung deutlich. Auch der potenzielle Investor Jens Haan, der für die FDP im Umweltausschuss sitzt, musste an den Demonstranten vorbei. Foto: Rebecca Kresse
Schon vor der Sitzung des Norder Umweltausschusses machten die Gegner des Baugebietes Kolkland ihre Meinung deutlich. Auch der potenzielle Investor Jens Haan, der für die FDP im Umweltausschuss sitzt, musste an den Demonstranten vorbei. Foto: Rebecca Kresse
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Anwohner und Umweltverbände machten sich im Norder Umweltausschuss für den Erhalt des Naturgrundstückes stark. Auch die Norder Verwaltung ist gegen die Bebauung. Entscheiden wird die Politik.

Norden – Lautstark und mit Transparenten machten die Gegner der Bebauung des Norder Kolklandes am Montag ihrem Ärger Luft: Vor der Sitzung des städtischen Umweltausschusses demonstrierten Anwohner der Kolklandstraße gemeinsam mit Vertretern von Umweltverbänden für den Erhalt des innenstadtnahen Naturgrundstückes.

„Wir sind hier, wir sind laut, dann wird das Kolkland nicht bebaut“, skandierten die Gegner und bildeten vor der Tür der Oberschule Norden einen Protestspalier. Durch diesen musste auch Jens Haan (FDP) hindurch, der mit seinem Unternehmen auf dem Kolkland insgesamt 60 Sozialwohnungen bauen will. Wie berichtet, sollen dafür fünf Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf Wohnungen in dreigeschossiger Blockbauweise entstehen.

Der Lageplan zur möglichen Bebauung des Kolklandes wurde den Ausschussbesuchern nicht gezeigt. Foto: Rebecca Kresse
Der Lageplan zur möglichen Bebauung des Kolklandes wurde den Ausschussbesuchern nicht gezeigt. Foto: Rebecca Kresse

Bürgermeister: Kolkland ist die grüne Lunge der Stadt

Haan gab sich im Vorfeld des Ausschusses von dem Protest unbeeindruckt. „Das ist mir relativ egal. Die wissen ja gar nicht genau, worum es geht“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er rechnete aber auch nicht damit, dass die Gegner nach dem Ausschuss anderer Meinung sein werden. „Die sind da ja alle sehr festgelegt“, so Haan. Das sei aber auch nicht ungewöhnlich. „Egal, wo man baut, die Nachbarn sind immer dagegen“, sagte der Bauunternehmer.

In diesem speziellen Fall sind aber nicht nur die Nachbarn gegen die Bebauung des Kolkandes, sondern auch die Norder Verwaltung. Das zeigte sich in einer emotionalen Stellungnahme, die Bürgermeister Florian Eiben höchstpersönlich abgab: Für den sozialen Wohnungsbau böten sich in Norden andere Möglichkeiten, die schneller zu realisieren seien und auch dem Stadtentwicklungskonzept entsprechen. Die Fläche am Kolkland tue dies nicht. „Die Fläche an der Kolklandstraße stellt stadtklimatisch und stadtökologisch einen Bereich von enormer Bedeutung dar. Die Kolklandstraße ist die grüne Lunge unserer Stadt und die sollten wir erhalten und sichern“, sagte Eiben. Zudem müsse die Verwaltung nachhaltig und zukunftsorientiert handeln.

Bauunternehmer lieferte nur wenige Fakten

Dem vorausgegangen war die angekündigte Projektvorstellung durch Jens Haan. Anders als von vielen erwartet, erstreckte sich diese aber in nur wenigen Sätzen. „Man braucht für den Bau von Sozialwohnungen günstige Grundstücke, weil die Fördergelder der KFW-Bank mittlerweile gestrichen sind“, sagte Haan. Das Grundstück Kolkland sei ihm günstig angeboten worden. Bis auf den Lageplan habe er noch nicht viel gemacht. Nicht einmal diesen Lageplan, den Haan vom Norder Stadtplanungs- und Architekturbüro Urbano hat erstellen lassen, stellte er vor. Darüber hinaus lieferte er nur wenig Konkretes. Das Gebiet sei „weder ein Biotop, noch ein Naturschutzgebiet“, sagte Haan. Es handele sich bei dem Gelände einfach nur um ein Mischgebiet.

Jens Haan (FDP, zweiter von links) wirkte bei der Präsentation seiner Baupläne für das Kolkland Umweltausschuss unsicher. Viele Details gab er nicht Preis. Foto: Rebecca Kresse
Jens Haan (FDP, zweiter von links) wirkte bei der Präsentation seiner Baupläne für das Kolkland Umweltausschuss unsicher. Viele Details gab er nicht Preis. Foto: Rebecca Kresse

De facto hat Haan mit dieser Aussage Recht. Das Gebiet Kolkland ist im Flächennutzungsplan als Mischgebiet ausgezeichnet. Der Plan stammt aber noch aus dem Jahr 1981 und hätte angesichts der geltenden Rechtslagen längst überarbeitet werden müssen. Aufgrund von Personalmangel im Norder Rathaus gibt es zahlreiche Änderungen von Flächennutzungsplänen, die noch nicht abgearbeitet werden konnten.

Lage der Sozialwohnungen in Norden ist prekär

Statt weitere Details zu seinem Bauvorhaben zu nennen, wies Haan auf die prekäre Lage der Sozialwohnungen in der Stadt Norden hin. Gab es 2021 noch 187 Sozialwohnungen in der Stadt, sind es in diesem Jahr nur noch 118 Sozialwohnungen. Diese Zahl werde sich, wenn nicht Sozialwohnungen gebaut werden, bis zum Jahr 2025 auf 37 Sozialwohnungen reduzieren, so Haan.

In den von ihm geplanten 60 Sozialwohnungen würde zunächst ein Mietpreis von 5,80 Euro pro Quadratmeter gelten. Dieser würde sich dann aber alle drei Jahre um 5,13 Prozent erhöhen. Die Mietpreisbindung würde insgesamt für 35 Jahre gelten. Im Moment investiere er mit seinem Bauunternehmen aber nicht weiteres Geld in die Planungen, solange nicht klar sei, ob er dort bauen könne. Außerdem lägen ihm noch keine Unterlagen für eine genauere Kalkulation vor.

Politik fühlt sich nicht ausreichend informiert

Entsprechend konsterniert waren einige Ausschussmitglieder. „Es ist für uns schwierig, überhaupt etwas dazu zu sagen, solange wir nicht wissen, ob das Projekt abgespeckt werden kann, solange wir nicht wissen, welche Bäume dafür weg müssten. Sie können nicht kalkulieren und wir können uns dazu eigentlich keine Meinung bilden, weil wir nicht wissen, was letztendlich auf uns zukommt“, sagte Wolfgang Sikken (CDU). Ins gleiche Horn stieß Theo Wimberg (SPD): „Wir sind in einem Meinungsbildungsprozess. Die Grundlage für eine Entscheidung ist aber noch sehr dünn. Ich weiß noch gar nicht, was da eigentlich entstehen soll, wie die Baukörper aussehen sollen, ob es Kompromisse für die Gestaltung gibt.“ Er selbst tue sich sehr schwer damit, mit den bisher gegebenen Informationen, Argumente für das Bauprojekt zu finden, so Wimberg. Andreas Göhrlich (Zob) versuchte auszugleichen: „Wir wollen uns informieren und nicht von vornherein auf eine Lösung festlegen. Eventuell müsste man aber auch Kompromisse eingehen.“ Zum einen sehe die Zob die Bedeutung des Biotops Kolkland, zum anderen müsse die Norder Politik konstruktiv sein, sagte er. Volker Glumm (CDU) stellte sich klar auf die Seite derjenigen, die keine Wohnung haben oder sich eine Wohnung kaum noch leisten können. „Wohnungsbau ist kein Allheilmittel, aber jedesmal, wenn ich die Zeitung aufschlage, steht da, dass Wohnungen fehlen“, so Glumm. Der Grund dafür sei in Norden klar. „Es wird unendlich gestritten“, und es gebe „unendlich lange Verwaltungswege“, sagte Glumm. „Was nicht passiert ist, dass Wohnungen gebaut werden“, so Glumm. Er appellierte an die Politik, „wenigstens darüber nachzudenken“, wie auch immer, zu Wohnungen zu kommen.

Klar ist: In den kommenden zwei Jahren wird im Kolkland nicht gebaut werden. Das Gebiet ist von der Norder Verwaltung vorläufig unter Schutz gestellt worden. Ob daraus ein dauerhafter Zustand wird, muss die Politik entscheiden. Die wollen sich nun beraten.

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