Jugendtrio macht Furore  Talentschmiede Ostfriesland – neuer Rekordschiri aus Halbemond

| | 19.04.2023 10:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Maron Arends hatte am Samstag in Larrelt alles im Griff und wurde mit Lob überhäuft. Fotos: Doden
Maron Arends hatte am Samstag in Larrelt alles im Griff und wurde mit Lob überhäuft. Fotos: Doden
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Mittlerweile pfeifen gleich drei 16-Jährige aus der Region in der Männer-Bezirksliga. Der jüngste von ihnen erlebte am Samstag ein besonderes Spektakel.

Ostfriesland - Der Niedersachsenrekord des Ihrhovers Fußball-Schiedsrichters Joris Mülder hatte nur drei Wochen Bestand. Mit 16 Jahren und sechs Monaten sorgte er im März als jüngster Unparteiischer des Landes in der Männer-Bezirksliga für Furore. Nun haben zwei andere Jungs die Marke geknackt. Und kurioserweise stammen auch die beiden um noch zwei Monate jüngeren Spielleiter aus Ostfriesland. Mülders Ihrhover Kumpel Florian Hillebrand und Maron Arends aus Halbemond sind seit Ostern die jüngsten Männer der siebten Liga und untermauern damit den Ruf der Region als aktuell führende Talentschmiede im ganzen Land.

Torflut beim zweiten Einsatz

Florian Hillebrand gab sein Debüt Ostermontag beim Spiel zwischen FC Norden und Germania Wiesmoor (1:1). Der um noch drei Tage jüngere Maron Arends war zeitgleich bei der Partie zwischen SV Holtland und TuS Middels (2:1) der „Juniorchef“ auf dem Feld und trägt nun den inoffiziellen Titel des jüngsten Siebtliga-Schiedsrichters Niedersachsens.

In Larrelt musste Maron Arends nur zwei Gelbe Karten verteilen. Eine davon erhält hier Sportfreunde-Akteur Jonas Nessen (Mitte).
In Larrelt musste Maron Arends nur zwei Gelbe Karten verteilen. Eine davon erhält hier Sportfreunde-Akteur Jonas Nessen (Mitte).

Gleich seine zweite Begegnung sorgte am vergangenen Samstag für reichlich Gesprächsstoff in der Szene. Denn da tanzten die Akteure bei dem Zwölf-Tore-Spektakel in Larrelt nach der Pfeife von Maron Arends. Beim Larrelter 7:5 über den TV Bunde musste der jungen Mann pausenlos Treffer notieren. Dafür hatte er weniger Stress mit Disziplinlosigkeiten und musste nur zwei Gelbe Karten verteilen.

Großes Lob vom Larrelt-Coach

„Bei so vielen Toren habe ich mich gefühlt wie in der Jugend“, sagt der Zehntklässler. „Es war für mich körperlich richtig anstrengend. Es ging ständig hin und her.“ Trotz Laufstress und Torflut behielt Maron Arends offenbar perfekt die Übersicht. Der Lehrer und Larrelter Trainer Marten Sandmann verteilte hinterher jedenfalls die Bestnote für den Jugendlichen inmitten der Männerhorde. „Der Schiedsrichter war genial“, lobte der Coach. „Er hat totale Ruhe ausgestrahlt und war überaus sympathisch.“ Nicht nur der Trainer zeigte sich angetan. „Auch meine Spieler waren begeistert.“

Dabei gab es auch eine strittige Szene in der zweiten Halbzeit. Da wehrte SF-Torhüter Keno Schmidchen einen Elfmeter ab. Doch der Schiedsrichter ließ den Versuch wiederholen, weil der Torwart zu früh die Linie verlassen haben soll. „Das hat der Assistent angezeigt“, sagt Sandmann. „Da blieb dem Schiri keine andere Wahl, als den Elfmeter wiederholen zu lassen.“ Im überragenden Urteil über den Mann mit der Pfeife steckt übrigens keinerlei „Fohlen“-Bonus, wie Sandmann versichert. „Wir wussten gar nicht, dass der Schiedsrichter so jung ist.“

Mutter übernahm Fahrdienst

Auch Maron Arends selber hat die Leitung des Torefestivals bestens gefallen. „Es hat richtig Spaß gemacht“, sagt der Gymnasiast des Norder Ulrichsgymnasiums. Weil mit 16 Jahren der Führerschein noch in weiter Ferne ist, hatte die Mutter den Fahrdienst übernommen und freute sich am Seitenrand über den souveränen Auftritt ihres Sohnes. „Sie war zufrieden mit mir“, sagt der Sohnemann. „Aber das ist sie immer.“

Seit zwei Jahren bewundern meist im Wechsel Vater oder Mutter Marons Pfeifenkünste. „Obwohl es immer mal Kritik am Schiedsrichter gibt, gefällt es mir super“, sagt Maron Arends. Dieses Hobby prägt ihn auh in seiner Entwicklung. „Ich muss mich häufig mit Erwachsenen auseinandersetzen. Charakterlich habe ich da eine Menge gelernt.“

Mit der Fahne in der Landesliga

Betreut wird Maron Arends vom Moordorfer Schiedsrichter Ole Onnecken. Wenn der erfahrene Mann Landesligaspiele pfeift, steht sein Schützling oft mit der Fahne an der Linie. Der Schüler pfeift und winkt aber nicht nur, sondern kickt auch noch selber im Mittelfeld der B-Junioren vom Süderneulander SV. „Aber der Schiedsrichterjob hat jetzt Priorität“, betont er.

Auch Florian Hillebrand pfeift mit 16 schon in der Bezirksliga. Foto: Privat
Auch Florian Hillebrand pfeift mit 16 schon in der Bezirksliga. Foto: Privat

In diesem Metier könnten es Maron Arends, Florian Hillebrand, Joris Mülder noch weit bringen. „Wir haben einen Superjahrgang 2006“, freut sich der Emder Ex-Oberliga-Schiedsrichter Peter Bartsch über das emporstrebende Ostfriesland-Trio. Bartsch engagiert sich in der Region als Schiedsrichter-Betreuer und nennt noch eine weite Hoffnungsträgerin. „Mit Felina Wilkens aus Berumerfehn haben wir auch ein 16-jähriges Mädchen, das hervorragend pfeift.“

An der Küste reift offenbar gerade ein ungewöhnlich starker Schiedsrichter-Jahrgang 2006 heran. Da muss die Bezirksliga noch lange nicht Endstation sein.

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