Entscheidung fällt am Mittwoch Krankenhaus-Betrieb in Norden vor dem Aus
Das Krankenhaus in Norden wird es in seiner jetzigen Form bald nicht mehr geben. An seine Stelle tritt ein Regionales Gesundheitszentrum. Der Förderverein geht auf die Barrikaden.
Aurich/Norden - Der vollstationäre Krankenhaus-Betrieb in der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) Norden steht vor dem Aus. Nach Informationen dieser Zeitung entscheiden der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden am Mittwochnachmittag über die mögliche Umwandlung des Standortes Norden in ein Regionales Gesundheitszentrum (RGZ). Ein entsprechender Antrag soll beim Land Niedersachsen gestellt werden.
Mitglieder der Kreistagsfraktionen wurden am Dienstagabend in einer nicht öffentlichen Sitzung in Aurich von Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster über die geplanten Schritte informiert. Der Landkreis Aurich und die Stadt Emden sind Gesellschafter der Trägergesellschaft. Sie planen den Bau einer gemeinsamen Zentralklinik in Uthwerdum, die die bestehenden Krankenhäuser in Aurich, Emden und Norden ersetzen soll.
„Wo ein Krankenhaus nicht oder nicht mehr besteht“
Über den Inhalt der Informationsveranstaltung sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es von Teilnehmern. Der Auricher Landrat Olaf Meinen (parteilos) teilte auf Nachfrage mit, dass es am Donnerstag eine Pressemitteilung zu dem Thema geben werde. Zuvor werde das Klinikpersonal in einer Belegschaftsversammlung informiert, hieß es.
Regionale Gesundheitszentren sollen nach Angaben des Gesundheitsministeriums eine neue Form der medizinischen Versorgung ermöglichen. Seit Inkrafttreten des neuen Krankenhausgesetzes zum 1. Januar bestehe die Möglichkeit, die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu überwinden und neue Formen der Kooperation zu fördern. „Ein RGZ kann die lokale Gesundheitsversorgung sicherstellen, wo ein Krankenhaus nicht oder nicht mehr besteht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. „Das bietet gerade für ländliche Regionen neue Chancen.“ Patienten könnten im RGZ von einem Facharzt ambulant behandelt werden. Sofern es medizinisch notwendig sei, könnten sie über Nacht oder für einige Tage stationär versorgt werden. Auch kleine Operationen seien dort möglich.
„Die Norder machen sich große Sorgen“
Der Förderverein der UEK Norden hatte am Dienstag in einer Pressemitteilung davor gewarnt, die Krankenhaus-Grundversorgung in Norden zu streichen. „Ein weiteres Herunterfahren auf ein Niveau, das weit unterhalb von einem Krankenhaus liegt, darf auf keinen Fall beschlossen werden“, wird Vorstandsmitglied Dr. Axel Schönian in der Pressemitteilung zitiert. „Wir erwarten von Politik und Klinikführung, dass der bisher immer fest zugesagte geordnete Übergang der drei Krankenhäuser in Norden, Emden und Aurich mit mindestens funktionierender Grundversorgung bis zur Verfügbarkeit einer Zentralklinik sichergestellt wird.“
Seit Jahren halten sich Gerüchte, dass der Klinik-Standort Norden geschlossen werden soll. Klinik-Geschäftsführer Balster, der seit dem 1. Januar im Amt ist, hatte in einer Kreistagssitzung Ende Februar auf Anfrage der Grünen-Politikerin Angelika Albers ausdrücklich keine Bestandsgarantie für den Standort Norden ausgesprochen. „Die Norderinnen und Norder machen sich große Sorgen, ob eine gute Grund- und Regelversorgung bis zum Start der Zentralklinik erhalten bleibt“, hatte Albers gesagt. Die Befürchtung sei, dass dort jetzt schon peu à peu abgebaut werde. „Da bin ich im Moment noch nicht sprechfähig“, hatte Balster erwidert. „Wir haben eine schwierige Situation am Standort, was die medizinische Leistungserbringung angeht. Ich kann da im Moment noch keine weiteren Aussagen tätigen, welche Möglichkeiten wir haben, die Negativ-Spirale zu stoppen.“
„Unter dem Niveau eines Krankenhauses“
Die UEK Norden beteiligt sich am Modellprojekt Statamed der AOK, das sich als Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung versteht. „Die im Projekt etablierte neue Versorgungsform umfasst eine kurzstationäre allgemeinmedizinische Behandlung in strukturschwachen ländlichen und städtischen Regionen“, heißt es in einer Pressemitteilung der AOK Rheinland/Hamburg.
Der Förderverein der UEK Norden sieht das kritisch: „Mit einem Klinikbetrieb mit den Elementarbereichen Innere, Chirurgie und Notfallversorgung wäre Schluss“, schreibt er. Stattdessen sei eine kurzstationäre allgemeinmedizinische Versorgung für einen relativ eingeschränkten Patientenkreis mit weniger schweren Erkrankungen geplant. Die Bettenzahl würde sich stark verringern. Ärztliches Personal müsse zwar erreichbar, aber nicht vor Ort sein. „Damit liegt das Projekt deutlich unter dem Niveau eines Krankenhauses“, schreibt der Förderverein.