Südlich der Wigboldstraße  Nochmal teurer – Norder Politik winkt Luxus-Baugebiet durch

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 19.04.2023 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Baugebiet südlich Wigboldstraße wird schon seit 2016 geplant. Nun ist klar: Die Grundstückspreise werden noch einmal deutlich teurer. Diese unverbindliche Darstellung der Firma Urbano zeigt, wie in etwa das Baugebiet südliche Wigboldstraße in Norden angelegt werden soll.
Das Baugebiet südlich Wigboldstraße wird schon seit 2016 geplant. Nun ist klar: Die Grundstückspreise werden noch einmal deutlich teurer. Diese unverbindliche Darstellung der Firma Urbano zeigt, wie in etwa das Baugebiet südliche Wigboldstraße in Norden angelegt werden soll.
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Wer ein Grundstück in dem geplanten Baugebiet südlich der Wigboldstraße kaufen will, muss jetzt ganz tief in die Tasche greifen. Die Norder Politik sorgte mit ihrer Entscheidung dafür.

Norden - Norden braucht dringend Wohnraum – vor allem auch für Norder Familien. Denn die sind auf dem Norder Wohnungsmarkt nahezu abgehängt, wie selbst Bürgermeister Florian Eiben jüngst bestätigte. Ob die Entscheidung des Norder Bauausschusses am Dienstag zum geplanten Baugebiet südlich der Wigboldstraße allerdings dazu führen wird, dass junge Norder Familien zu einem Baugrundstück kommen, ist fraglich. Denn die dürften die von der Politik genehmigten angehobenen Verkaufspreise nicht mehr leisten können.

Statt ursprünglich 80 Euro pro Quadratmeter werden die günstigsten Grundstücke in dem Gebiet nun 139 Euro pro Quadratmeter kosten. Bei einem 600 Quadratmeter großen Grundstück ist das ein Preissprung von 48.000 Euro auf 83.400 Euro – also 35.400 Euro mehr, nur für das Grundstück. Dazu kommt noch der Preis für das Haus. Und auch der ist angesichts gestiegener Baukosten und teurer gesetzlicher Vorgaben in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ein Einfamilienhaus in diesem Wohngebiet wird also deutlich mehr als 500.000 Euro kosten. Diese Summen werden aber nur für die Hälfte der geplanten 95 Bauplätze aufgerufen. Wie Investorin und Entwicklerin des Baugebietes Anja Claashen-Schneider am Dienstag im Ausschuss mitteilte, werden die restlichen freiverkäuflichen Grundstücke im Innenbereich des Wohngebietes 183,50 Euro, in Randlage rund 250 Euro pro Quadratmeter kosten. In unserer Beispielrechnung mit einem 600 Quadratmeter großen Grundstück sind das 110.100 Euro beziehungsweise 150.000 Euro pro Grundstück. In einem Gespräch mit unserer Zeitung hatte auch Bürgermeister Florian Eiben schon klar gemacht: Diese Grundstücke werden nicht an Norder verkauft, denn kaum einer könne sich solche Preise leisten.

Nicht die erste Preisanhebung, vielleicht aber die letzte

Wie berichtet, sollen im Baugebiet südlich der Wigboldstraße rund 95 neue Bauplätze entstehen. Geplant wird das Baugebiet bereits seit dem Jahr 2016. Im Jahr 2021 hatte der Norder Rat dem Bebauungsplan zugestimmt. Schon da hatte die Firma Claashen eine Anhebung des maximalen Kaufpreises für das Wohnbauland von 80 Euro pro Quadratmeter auf 95 Euro pro Quadratmeter gefordert. Außerdem sollte die Preisdeckelung nicht mehr wie vom Norder Baulandmanagement vorgegeben, für 60 Prozent der Grundstücke, sondern nur noch für 50 Prozent der Grundstücke gelten. Die andere Hälfte der Grundstücke darf ohne Deckelung frei verkauft werden. Als Argument führten die Investoren damals die massiv gestiegenen Baukosten an. Beidem stimmte der Rat damals zu.

Und auch diesmal waren die gestiegenen Kosten das Argument des Unternehmens, die Preisdeckelung anzuheben. Andernfalls würden die restlichen Grundstücke noch teurer, sagte Anja Claashen-Schneider im Ausschuss. Die Herstellungskosten für das Baugebiet seien um das 6,5-fache gestiegen, sagte sie und legte Vergleichszahlen offen. In der Dr.Frerichs-Straße in Norden lagen demnach die Herstellungskosten bei 54,54 Euro pro Quadratmeter, in der Westlinteler Straße bei 71,24 Euro, im Baugebiet südlich der Wigboldstraße sind sie mit 172,80 Euro angegeben. Bürgermeister Florian Eiben hatte nach eigener Auskunft die Unterlagen und die Kalkulation gesehen und geprüft. Die seien nach seinem Dafürhalten plausibel und nachvollziehbar.

Mit Ausnahme der Norder Grünen stimmten die Ausschussmitglieder nach kurzer Diskussion für die Erhöhung der Preise. Genau dieses Vorgehen hatte der Bürgermeister im Gespräch schon am Vortag prophezeit. Der Grund dafür: Die Norder Politik will die Diskussion um das Baugebiet endlich beenden. Eine Sache genehmigten sie allerdings nicht: Die Firma Claashen-Verwaltung hatte über die konkrete Preisanhebung für das Baugebiet südlich der Wigboldstraße hinaus beantragt, dass die Preisanhebung automatisch auch für alle künftigen Baugebiete gelten solle. Dagegen sträubte sich die Politik. Sie wollen weiterhin in jedem Einzelfall entscheiden. Angesichts der von Bürgermeister Eiben angekündigten Gesamtstrategie für den Norder Wohnungsbau (wir berichteten) dürften sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau ohnehin komplett ändern.

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