Osnabrück  Da wird der Hund in der Pfanne verrückt! Warum sagen wir das?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 21.04.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Warum wird der Hund in der Pfanne verrückt? Die Redensart hat einen grausamen Kern. Foto: www.imago-images.de
Warum wird der Hund in der Pfanne verrückt? Die Redensart hat einen grausamen Kern. Foto: www.imago-images.de
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Warum wird eigentlich der Hund in der Pfanne verrückt? Die Redensart drückt Erstaunen, ja völlige Verblüffung aus. Doch woher kommt der Spruch? In ihm steckt eine grausame Geschichte.

Ich glaub es nicht! Ich fress´en Besen! Du kriegst die Motten! Das alles kann man sagen, wenn das Erstaunen für einen Moment die Oberhand über alles Nachdenken gewinnt. Ich sage ganz spontan: Da wird der Hund in der Pfanne verrückt!

Aber warum eigentlich? Was hat der Hund mit meinem Erstaunen zu tun? Und wie kommt er in die Pfanne, wenn es doch nur darum geht, der Überraschung deutlichen Ausdruck zu verleihen?

Wenn es besonders emotional wird, reden wir offenbar den größten Widersinn. Erstaunlich, dass doch verstanden wird, was gemeint ist, auch wenn niemand sagen kann, was es mit Besen, Motte oder Hund nun auf sich hat.

Woher kommen alte Wörter oder Redensarten? Wer nach ihren Ursprüngen fahndet, verliert sich oft genug im Wirrwarr der Erklärungsansätze. Das ist bei dem Hund, der in der Pfanne verrückt wird, ganz anders – zum Glück für uns, nicht für den Hund.

Von dessen Schicksal berichtet die 47. Historia der Abenteuer des Till Eulenspiegel. Der Schalk verdingt sich bei einem Braumeister. Der gibt ihm einen klaren Auftrag: „Und vor allen Dingen sollte er Fleiß tun und den Hopfen wohl sieden, uff dass das Bier scharpf davon schmecken würd, dass er das verkaufen kunnt“. Dieses Deutsch hört sich altertümlich an. Wir verstehen es trotzdem.

Was macht Till Eulenspiegel? Er wirft keinen Hopfen in den Siedekessel, sondern den Hund des Braumeisters. Der heißt Hopf – zu seinem Unglück. Klingt lustig, ist es aber nicht. Die Historia berichtet in drastischen Worten vom qualvollen Tod des Tiers im Kessel.

Ob es daran liegt, dass für uns immer noch der Hund in der Pfanne verrückt wird – an diesem Lachen, dass uns bei der Geschichte im Halse steckenbleibt? Daran, dass diese Historia besonders drastisch belegt, wie grausam Eulenspiegel sein konnte, wenn er jemandem einen Streich spielen wollte?

Ich finde es beeindruckend, wie nachhaltig Literatur in das kollektive Gedächtnis eingehen kann. Genau das belegt die Redewendung. Das Schicksal des Tiers aber rührt mich. Vielleicht fresse ich doch lieber einen Besen, als das noch einmal der Hund in der Pfanne verrückt werden muss.

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