Vorschlag für Emden Alle öffentlichen Innenstadt-Parkplätze könnten bald was kosten
Das lange erwartete Parkraumkonzept für Emden schlägt einige einschneidende Veränderungen vor. Wir erklären, wie die Situation für Autofahrer jetzt ist und wie sie werden könnte.
Emden - In Emden kann die Parkplatz-Suche zum Krampf werden - insbesondere, wenn man in der Woche gerne kostenlos parken möchte. Man kurvt von einem Geheimtipp zum nächsten, muss eine Einbahnstraße nach der anderen umgehen und landet am Ende womöglich in einem angrenzenden Wohnviertel, was die Anwohner nervt. „Bei den kostenlosen Parkplätzen herrscht ein großer Parkdruck, auf den bewirtschafteten nicht“, erklärt Stadtplaner David Malzahn in Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz am Donnerstagabend. Er stellte einen Vorentwurf für ein lange erwartetes Parkraumkonzept vor.
Was und warum
Darum geht es: Das Parken könnte in der Emder Innenstadt auf allen öffentlichen Stellplätzen kostenpflichtig werden - und vielleicht sogar teurer.
Vor allem interessant für: Leute, die mit dem Auto nach Emden kommen und andere, die gerne dort bummeln gehen, ohne von Autoverkehr genervt zu werden
Deshalb berichten wir: Im Ausschuss für Stadtentwicklung wurde ein Vorentwurf des lange erwarteten Parkraumkonzepts vorgestellt. Wir haben eine Facette daraus als besonders spannend erachtet und stellen sie vor. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Das sieht eine besonders einschneidende Veränderung vor: Weil in Emden „etwas ungesteuert und durcheinander“ kostenlose Parkplätze direkt neben bewirtschafteten sind, empfiehlt das Gutachterbüro, alle städtischen Parkplätze im Zentrum kostenpflichtig zu machen. Das soll verhindern, dass Autofahrer - so wie jetzt - bei der Parkplatzsuche so lange durch die Innenstadt kurven, auch „durch die kleinste Straße“, bis sie einen kostenlosen Platz gefunden haben, so Malzahn.
Wie könnten die zukünftigen Parkplatz-Gebühren aussehen?
Im Moment kostet eine Stunde Parken noch 90 Cent auf den knapp 1500 bewirtschafteten Parkplätzen im Zentrum. Der Preis hätte eigentlich schon auf einen Euro angehoben werden sollen, weil durch ein neues Gesetz bestimmte Parkplätze für die Kommunen steuerpflichtig werden und die Stadt sonst ein Verlustgeschäft eingehen würde. Noch wurde das aber nicht umgesetzt.
Nur etwa 42 Prozent der insgesamt rund 3500 Stellplätze innerhalb des Wallrings werden bewirtschaftet. Sollte sich die Politik für den Schritt entscheiden, der Empfehlung der Gutachter zu folgen, dann könnten alle Parkplätze kostenpflichtig werden. Anwohner könnte sich dann - ebenfalls kostenpflichtig, aber günstiger als das Einzelticket - einen Anwohner-Parkausweis für ein Jahr ausstellen lassen. Es könnte Abstufungen innerhalb der Parkplatz-Gebühren geben - etwa, dass Parkbuchten direkt im Zentrum zwei Euro pro Stunde kosten könnten und weiter in den Außenbezirken günstiger wären. Auch im Parkhaus und auf Sammelparkplätzen könnte es günstiger sein, als beispielsweise am Straßenrand und in Wohnvierteln.
(Wie) kommt man dann noch in die Innenstadt?
Die Sorge wurde schon häufiger geäußert, dass die Emder Innenstadt unattraktiver werden könnte, wenn Autos nicht mehr direkt vor dem Geschäft parken können oder das Parken teurer wird. In anderen Städten sind solche Parkraum-Konzepte schon lange eingeführt und sehr erfolgreich - etwa in Groningen oder Amsterdam in den Niederlanden. Dort folgt man dem Prinzip, dass nur noch wenige Autos ins Zentrum kommen sollen und die wenigen in Parkhäusern verschwinden. Dadurch soll das Zentrum an Aufenthaltsqualität gewinnen und mehr Fußgänger- und Radverkehr ermöglichen. Auch Emden will die Innenstadt so autoarm wie möglich gestalten.
Schon jetzt besteht der innerstädtische Verkehr zu 32 Prozent aus Fahrradfahrern. Das soll auf 40 Prozent gesteigert werden. Auch der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) soll verbessert werden. Ein neues Konzept, das eine deutlich bessere Vertaktung und Anbindung an die Nachbargemeinden vorsieht, soll ab August 2024 greifen. Durch eine Verkehrsberuhigung in der Neutorstraße und langfristig auch Am Delft sollen Besucherinnen und Besucher der Stadt entspannter flanieren können.
Was verdient die Stadt dabei?
Derzeit hat die Stadt Jahreseinnahmen von etwa 530.000 Euro durch die Parkplatz-Gebühren. Würden alle Parkplätze bewirtschaftet, kommt das Gutachter-Büro in seiner Schätzung auf rund 630.000 Euro bei 90 Cent pro Stunde. Würde die Stadt auf 1,50 Euro erhöhen und noch den Samstag kostenpflichtig machen, wären es rund 1,3 Millionen Euro an Jahreseinnahmen. Bei zwei Euro plus Samstag wären es rund 1,7 Millionen Euro.
Wie geht es jetzt weiter?
Im Ausschuss am Donnerstag wurde zunächst der Vorentwurf des Konzepts von dem Stadtplaner vorgestellt. Das fertige Konzept soll am 20. Juni von dem Gutachterbüro im öffentlich tagenden Stadtentwicklungs-Ausschuss noch einmal in Gänze präsentiert und erklärt werden. Die Stadtverwaltung will der Politik danach für detaillierte Erläuterungen in den einzelnen Fraktionen zur Verfügung stehen, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz im Ausschuss. Die Gespräche sollen nach der Sommerpause laufen.
Gemeinsam werde man Handlungsempfehlungen entwickeln, die dann in einer Beschlussfassung münden. Der nächste Stadtentwicklungs-Ausschuss nach der Sommerpause ist am 31. August. Ob noch vor dem Herbst eine finale Entscheidung fällt und es dann in die Umsetzung geht, ist noch offen.