Abstimmung über Resolution  Rhauderfehner CDU-Fraktion fordert „wolfsfreie Zone“

Elke Wieking
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Von Elke Wieking
| 21.04.2023 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Streit um den Wolf geht weiter. Foto: DPA/Bernd Thissen
Die Streit um den Wolf geht weiter. Foto: DPA/Bernd Thissen
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Die Christdemokraten wollen alle Ratsmitglieder über eine „Resolution zum Umgang mit dem Wolf“ abstimmen lassen. Tenor: Das Wildtier ist zu gefährlich, es schadet dem Menschen und anderen Tieren.

Rhauderfehn - Die CDU-Fraktion im Gemeinderat Rhauderfehn fordert, „die ostfriesische Halbinsel zur wolfsfreien Zone zu erklären“. So steht es in einem „Antrag auf Beschluss einer Resolution zum Umgang mit dem Wolf“, den die Christdemokraten am Montag erst im Verwaltungsausschuss (VA) – dem höchsten Gremium nach dem Rat – und am 29. Juni im Gemeinderat beschließen lassen wollen.

Im Namen der Fraktion hat Ratsherr Niels Plaisir in einem dreiseitigen Antrag acht Punkte aufgeführt, wo dargelegt wird, warum „diese Landschaft keinen Raum für den Wolf“ bietet. Angriffe auf Schafe seien auch immer ein Angriff auf den Deichschutz. „Was sollen wir machen, wenn Schäfer aufgeben?“, fragt Plaisir.

„Muss erst was passieren?“

Außerdem seien die „dauerhaften und in letzter Zeit zahlreichen Übergriffe auf Schafe, Pferde und Rinder“ nicht mehr zumutbar. Vor diesem Hintergrund müsse der Artenschutz gegen die Belange des Küsten- und Hochwasserschutzes, also der Deichsicherheit, abgewogen werden. Der Wolf komme den Menschen immer näher. „Muss erst was passieren?“, fragt Niels Plaisir.

Deshalb appelliert die hiesige CDU an die Politik in Hannover, in Berlin sowie in Brüssel, Luxemburg und Straßburg, die „Rechtsetzung zum Schutz des Wolfes soweit zu ändern, „dass der Küsten- und Hochwasserschutz sowie ein sicheres Leben und Wirtschaften auf dem Land und in der Stadt für Mensch und Tier möglich werden und bleiben“.

„Weidehaltung steht vor dem Aus“

Die Risse von Nutztieren seien gestiegen, heißt es in der Petition. „Die für unsere Region, sowohl für die Landwirtschaft als auch den Tourismus wichtige Weidehaltung steht vor dem Aus“, schreibt Niels Plaisir im Namen der CDU-Fraktion. Die strengen Auflagen, um die Tiere vor Wolfsrissen zu schützen, seien kaum umzusetzen. „Landwirte werden zunehmend stark belastet. Hobby- und Haustierhalter sind verunsichert. Einwohner sind verängstigt, Eltern befürchten Wolfsangriffe auf ihre Kinder, zum Beispiel auf den oft einsamen ländlichen Schulwegen.“

Deshalb fordert die christdemokratische Ratsfraktion unter anderem nach Wolfsrissen in Ostfriesland und Friesland ein beschleunigtes Verfahren zur Prüfung einer „Abschussfreigabe beziehungsweise Abschussforderung binnen Tagesfrist“, die „bis aufs ganze auffällige Rudel ausgedehnt werden kann“. Jäger müssten entsprechend ausgestattet werden, zum Beispiel mit Nachtsichtgeräten. Es müsse Untergrenzen für die Population in ganz Deutschland geben. Man könne nicht alles einzäunen, denn die Schafhaltung sei für den Küsten- und Hochwasserschutz wichtig. „Um die Schafhaltung zu erhalten muss es Ziel sein, diese Gebiete und möglichst zusätzliche Pufferzonen grundsätzlich vom Wolf frei zu halten.“ Vorhandene Tiere müssten „entnommen“ – also getötet – oder umgesiedelt werden.

„Grünlandhaltung muss wolfsfrei sein“

Zu bedenken sei auch, dass die Zäune andere Tiere ebenfalls einsperren würden, die dann vor einem Wolf nicht mehr flüchten könnten. Ersatzleistungen bei Wolfsrissen sind für die Lokalpolitiker gerechtfertigt, aber keine Hilfe bei der Lösung. „Wir fordern, hier die Priorität auf die Verhinderung von Nutztierrissen zu setzen.“ Nutztierrisse würde außerdem dazu führen, dass Landwirte ihre Tiere nicht auf die Weide ließen, sondern im Stall ließen oder sogar ihren Betrieb aufgeben würden, heißt es in der Petition. „Auch vor diesem Hintergrund muss die Grünlandhaltung wolfsfrei sein.“ Zu Bedenken sei auch, dass durch das Nahrungsangebot die Population der Wölfe wachse.

Im Leeraner Kreistag sei zum Thema Wolf noch nichts eingegangen, teilt Pressesprecher Philipp Koenen auf Nachfrage mit. Allerdings tage dieser erst am 27. Juni. Bis könnte Kreispolitiker noch einiges einreichen.

Angstfrei und sicher leben

In Aurich fordern Jäger inzwischen ebenfalls, dass Ostfriesland wolfsfrei wird. Dort ist für Sonnabend, 10. Juni, eine große Demonstration geplant. Man wolle wieder angstfrei und sicher leben können, heißt es auf einem Flyer.

Laut Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft (wolfsmonitoring.com), gibt in Ostfriesland im Gegensatz zum Osten Deutschlands wenig Wölfe. Dennoch: Die Sichtungen seien in Niedersachsen seit dem Monitoringjahr 2011/2012 von 130 auf aktuell 6500 gestiegen.

Nur ein DNA-Test ist sicher

Ob ein Wolf oder ein Hund ein Tier gerissen habe, sei nur durch eine DNA-Untersuchung zweifelsfrei zu klären, heißt es dort auch. Denn Hunde und Wölfe würden ähnlich jagen und töten, teilt Jennifer Kraushaar dort mit. Sie ist für die Betreuung und Koordination der Rissbegutachtung im Rahmen der Richtlinie Wolf bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zuständig.

Mit Stand vom 19. April sind zwischen dem 1. Januar und 31. März dieses Jahres 2583 Meldungen bei der Landesjägerschaft eingegangen. Derzeit gibt es danach 51 Wolfsterritorien in Niedersachsen mit 46 Rudeln, drei Wolfspaaren und zwei residenten Einzelwölfen, die gesichert nachgewiesen wurden.

89 tote und verletzte Tiere

Für den Landkreis Aurich wurden bisher elf Übergriffe durch Wölfe, 48 tote, 20 verletzte und zwei verschollene Tiere ausgewiesen, für den Landkreis Leer sind es zwölf Übergriffe, 80 tote, 9 verletzte und 24 verschollene Tiere und im Landkreis Emsland 100 Übergriffe, 344 tote, 44 verletzte und 61 verschollene Tiere.

Das sind im Verhältnis noch wenig: Der Kreis Cuxhaven gehört zu den Gebieten, wo besonders viele Risse von Wölfen nachgewiesen wurden, nämlich 158 Übergriffe mit 395 toten, 147 verletzten und 46 verschollenen Tieren.

Angriff auf ein Pferd mit Reiterin

Dort soll Anfang der Woche sogar ein Pferd mit einer Reiterin angriffen worden sein. Weil das Pferd, das verletzt wurde, aber direkt nach dem Biss behandelt wurde, konnte die Landwirtschaftskammer keine DNA-Probe mehr nehmen, um eindeutig zu klären, ob der Angreifer ein Hund oder ein Wolf war. Die Reiterin selbst sprach gegenüber Medien und Experten mal von einem Wolf, mal von einem Hund.

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