London  Darum ist Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters so umstritten

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 25.04.2023 18:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Roger Waters war jahrzehntelang Kopf der legendären Band Pink Floyd. Foto: dpa/Lehtikuva/Onni Ojala
Roger Waters war jahrzehntelang Kopf der legendären Band Pink Floyd. Foto: dpa/Lehtikuva/Onni Ojala
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Mit seiner Band Pink Floyd schrieb Roger Waters Musikgeschichte. Mittlerweile ist der Sänger vor allem für antisemitische und verschwörerische Aussagen bekannt. Wie konnte es so weit kommen?

Vor 50 Jahren erschien das legendäre Album „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd. In diesem Zusammenhang geht Gründungsmitglied Roger Waters auf eine ausgedehnte Tournee und macht im Mai auch Station in Hamburg, Köln, Berlin, München und Frankfurt am Main.

Doch während sich viele eingefleischte Pink-Floyd-Fans darauf freuen dürften, die alten Songs zu hören, gibt es auch heftige Kritik an den geplanten Auftritten in Deutschland. Die Stadt Frankfurt ging gegen das Konzert sogar juristisch vor. Ein Gericht entschied jedoch kürzlich, dass Waters auftreten darf. Aber warum ist Roger Waters eine so umstrittene Persönlichkeit?

Kritiker werfen dem Musiker immer wieder vor, ein Antisemit und Verschwörungstheoretiker zu sein. Das liegt zum einen daran, dass Waters Mitglied der internationalen BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) ist. Diese Organisation behauptet, der Israel unterdrücke und vertreibe das palästinensische Volk, weshalb sie den Staat politisch, kulturell und wirtschaftlich isolieren will.

Darüber hinaus hielt Waters bei Konzerten bereits mehrmals Wutreden auf den Staat Israel, sprach von einer „mächtigen jüdischen Lobby“ und zog Parallelen zwischen der israelischen Politik und dem Holocaust.

Allerdings ist Roger Waters ein Künstler, der sich häufig in Widersprüche verstrickt. Immer wieder beruft sich der Musiker auf seinen Vater, der ein englischer Kommunist gewesen sein soll und laut Waters im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis und für die Freiheit gekämpft hat. Des Weiteren erklärte er Donald Trump zu seinem Hauptfeind und kritisierte den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Er sprach sich gegen den Brexit aus und setzte sich für die Freilassung von Julian Assange ein.

Auf der anderen Seite relativierte Waters die russische Rolle im Ukraine-Krieg. Im Februar sprach der Musiker auf Einladung des Kremls vor dem UN-Sicherheitsrat. Dort erklärte der Musiker: „Die Invasion der Ukraine durch die Russische Föderation war illegal. Ich verurteile sie auf das Schärfste. Aber die russische Invasion der Ukraine war nicht unprovoziert. Deswegen verurteile ich auch die Provokateure auf das Schärfste.“

Gegenüber der „Berliner Zeitung“ erklärte er darüber hinaus, Russlands Präsident Wladimir Putin habe einen potenziellen Völkermord an der russischsprachigen Bevölkerung im Donbass verhindern und den „Faschismus“ in der Ukraine bekämpfen wollen.

Waters selbst dementiert immer wieder, ein Antisemit zu sein. Im August 2020 gab der Künstler dem arabischen Sender Al-Jazeera ein Interview und erklärte, in seinem ganzen Leben niemals ein antisemitisches Wort gesprochen oder einen antisemitischen Gedanken gehegt zu haben. In demselben Gespräch sagte er jedoch auch, dass Israel eine „Propagandamaschine“ sei, die Millionen von Dollar ausgebe, um jeden Antisemitismus vorzuwerfen, der die israelische Politik kritisiert.

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Trotz der zahlreichen Kontroversen hat der Pink-Floyd-Mitbegründer bis heute zahlreiche prominente Fürsprecher. Darunter befinden sich andere Musiker wie Eric Clapton, Peter Gabriel und Brian Eno. Auch sein ehemaliger Bandkollege Nick Mason nahm Waters immer wieder in Schutz. Die Schauspielerin Susan Sarandon gilt ebenfalls als Fürsprecherin des Briten.

Trotz der Vorwürfe und den Protesten werden die Konzerte von Roger Waters in Deutschland im Mai voraussichtlich stattfinden. Ob der Musiker dann für weitere Kontroversen sorgen wird, bleibt abzuwarten. Fest dürfte jedoch stehen, dass es sich um eine der letzten Touren von Waters handeln dürfte. Am 6. September wird er 80 Jahre alt.

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