Stockholm Spionage in Skandinavien: 38 mutmaßliche russische Spione enttarnt
In der Dokumentationsserie „Der Schattenkrieg“ enthüllen vier skandinavische Länder die Identitäten 38 mutmaßlicher russischer Spione. Der Kreml dementiert jegliche Spionagevorwürfe.
Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender vier skandinavischer Länder präsentierten am Mittwoch 38 vermeintlich russische Spione mit Namen und Fotos. Zu sehen war dies in der von Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland produzierten Dokumentationsreihe „Der Schattenkrieg“, der sich auf die Mithilfe skandinavischer Geheimdienste stützte sowie auf das „Dossier Centre“, ein Recherche-Netzwerk, das von dem Ex-Oligarchen und aktiven Putin-Gegner Michail Chordokowski finanziert wird.
Ein Drittel bis die Hälfte des Personals in den diplomatischen Vertretungen Russlands in Schweden, Norwegen und Dänemark ist mit Spionagetätigkeit befasst, so die Einschätzung. Allgemein findet in Europa nun ein strenges Vorgehen gegen Russlands Spionagetätigkeit statt, das zumeist in Ausweisungen von russischen Diplomaten mündet.
Bei ihrer Recherchearbeit schickten die Sender die Personaldateien der russischen Vertretungen an „Dossier Centre“, das nach eigenen Angaben über geleakte Daten russischer Nachrichtendienste verfügt. Dabei kam heraus, das mehrere Dienste des Kremls aktiv sind. Zum einen der Inlandsgeheimdienst FSB, der militärische Geheimdienst GRU sowie der Auslandsgeheimdienst SWR.
Die Russische Föderation würde seine Botschaften und Konsulate in den skandinavischen Ländern auch nutzen, um Telefon- und Funksignale sowie andere Kommunikationsformen abzufangen. In den russischen Vertretungen verfügten die Mitarbeiter des Nachrichtendiensts über Personal wie Abhörspezialisten und andere Technik-Experten. Auch würden sogenannte IMSI-Catcher eingesetzt, um Mobiltelefone abzuhören und deren Standorte zu bestimmen.
Laut PST, dem norwegischen Inlandsgeheimdienst nimmt die Risiko-Bereitschaft der russischen Dienste deutlich zu. „Wir beobachten, dass Russland durch den Einsatz seiner Geheimdienste in Europa mehr zu gewinnen als zu verlieren hat.“ so Inger Haugland, ein leitender Beamter des Dienstes in der TV-Dokumentation.
„Der Schattenkrieg“, dessen erster Teil am 19. April zu sehen war, befasste sich mit der Kartographierung von Windkraftanlagen, Datenkabeln und Pipelines in der Nord-und Ostsee durch russische Dienste. So könnten diese Sabotage-Akte vorbereiten. Für Insider sind diese Informationen nichts wirklich Neues, doch die dreiteilige TV-Dokumentation, welche in vier Ländern ausgestrahlt wurde und online zu sehen ist, zeigt Wirkung – in Skandinavien wie in Russland.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskov reagierte umgehend und wies den Inhalt der Sendung zurück. „Sie (die skandinavischen Länder) werfen alles mögliche grundlos Russland vor.“ Eine „koordinierte, gefälschte Geschichte“ sei die Sendung, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova, es gebe keine Beweise für die angeblichen illegalen Aktivitäten russischer Diplomaten.
„Schweden ist aus seinem Dornröschentraum aufgewacht“ so der öffentlich-rechtliche Sender Schwedens svt., der auf die Geschichte der bilateralen Beziehungen mit Russland zurückblickt. Nach dem Kalten Krieg hat das Land massiv abgerüstet und erst im Jahr 2014 angesichts der Krim-Annexion wieder mit der Aufrüstung begonnen. Das Land hat im vergangenen Jahr Antrag auf die NATO-Mitgliedschaft gestellt, welcher im Gegensatz zu Finnlands Beitritt von Ungarn und der Türkei nicht ratifiziert wurde.
Am dritten Mai wird dann der dritte Teil ausgestrahlt, der ebenso Kreml-Dementi nach sich führen wird.