Hamburg  Air Defender 2023 im Juni: Wie sich die Luftwaffenübung auf Ihren Urlaub auswirkt

Sören Becker
|
Von Sören Becker
| 28.04.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verteidigungsminister Pistorius bei der Marine Foto: Christian Charisius
Verteidigungsminister Pistorius bei der Marine Foto: Christian Charisius
Artikel teilen:

Es ist die größte Luftwaffen-Übung seit Jahrzehnten: Bei Air Defender 2023 soll die Verlegung von Nato-Flugzeugen geprobt werden. Dabei dürfte es auch zu Luftraumsperrungen kommen. Was das für Ihren Urlaub bedeutet und welche Ansprüche Sie im Ernstfall haben.

10.000 Soldaten und 220 Flugzeuge aus 25 Ländern sollen bei Air Defender vom 12. bis zum 23. Juni die Verlegung an die Ostflanke der Nato üben. Und das wird auch der eine oder andere Urlauber in Norddeutschland zu spüren bekommen. „Die Luftwaffe tut alles dafür, die Belastung durch Air Defender 23 für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten”, versichert ein Sprecher der Luftwaffe. Ausgeschlossen sind Probleme damit aber keineswegs.

Denn: „Aufgrund der zu erwartenden Dynamik dieser bislang einzigartigen Großübung und der ohnehin vorhandenen Komplexität des Systems können aber Beeinträchtigungen an einzelnen Flughäfen oder Flugstrecken nicht ausgeschlossen werden”, ergänzt die deutsche Flugsicherung auf Anfrage unserer Redaktion. 

Kritisch dürfte es dabei vor allem für  zivile  Flüge werden, die durch oder in die drei Hauptgebiete der Übung führen.  Dort definiert die Luftwaffe Lufträume, die exklusiv von Übungsteilnehmern genutzt werden dürfen. Vorgesehen sind die folgenden Zeiten:

„Um Überlastungen zu vermeiden, werden Flüge, wo erforderlich, umgeleitet und feste Startzeitfenster vergeben. Übersteigt die geplante Anzahl an Flügen die aus Flugsicherungsgründen akzeptable Kapazität, können Verspätungen entstehen”, teilt die Deutsche Flugsicherung mit. Gerade außerhalb der drei ausgewiesenen Sektoren dürfte sich der Flugverkehr während Air Defender ausdehnen.

Zivile Flugzeuge müssen das entsprechende Gebiet dann großräumig umfliegen, was zu erheblichen Verspätungen führen kann. Wenn dann kein Landeplatz auf den Flughäfen verfügbar ist, kann es auch zu Flugausfällen kommen. Laut Deutscher Flugsicherung ist das jedoch nicht zu erwarten: „Neueste Erkenntnisse der von Eurocontrol vorgenommenen Simulationen lassen erwarten, dass mit Flugannullierungen im Vorfeld nicht zu rechnen ist.“ 

Darüber hinaus ist es aber noch zu früh, um Genaueres zu sagen. Wie sich die Übung im Detail auf den Flugplan auswirkt, müssen Airlines und Flughäfen ohnehin spontan entscheiden. „Beeinträchtigungen des zivilen Luftverkehrs werden wohl nicht vermieden werden können“, teilt der Bundesverband der Deutschen Luftwirtschaft mit. 

Wenn der Flug in den Urlaub wegen Air Defender ausfällt, stehen die Chancen auf Schadensersatz eher schlecht.  Da die Fluggesellschaft nicht an dem Ausfall schuld ist, sondern die Militärübung, ist das ein klassischer Fall von höherer Gewalt. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, hat jedoch einen Anspruch darauf, rechtzeitig über Verspätungen und Ausfälle informiert zu werden. Wer nicht informiert wird, kann unter Umständen Anspruch auf Preisnachlass oder Schadensersatz haben.

Reisende haben in jedem Fall Anspruch auf eine Ersatzbeförderung. Diese kann auch per Bahn erfolgen. Wer den Ersatztransport selbst bucht, kann sich die Kosten von der Airline zurückerstatten lassen. Wenn die Ersatzbeförderung auf den nächsten Tag fällt, stehen dem Betroffenen Hotelzimmer und ein Transport zur Unterkunft zu. 

Wer während der Übung in den Urlaub fliegen will, sollte versuchen seinen Flug auf den 17. oder 18. Juni zu legen. In dieser Zeit macht die Übung eine kurze Pause und Fluggesellschaften können ihre Passagiere ohne Einschränkungen durch die Großübung transportieren..

Ähnliche Artikel