Osnabrück Herr Wübbe, werden Sie neuer Bischof von Osnabrück?
Bis nach dem Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode ein neuer Bischof gewählt ist, können viele Monate vergehen. In der Zwischenzeit kümmert sich ein Interimschef um die Belange des Bistums. In Osnabrück ist das Weihbischof Johannes Wübbe. Als sogenannter Diözesanadministrator kümmert er sich darum, dass im Bistum kein Stillstand entsteht.
Im Interview spricht Johannes Wübbe über den Austausch mit Bischof Franz-Josef Bode und die Stimmung im Bistum. Auf die Frage, ob er neuer Bischof von Osnabrück werden möchte, antwortet Wübbe zwar nicht mit Ja oder Nein. Seine Antwort sagt aber einiges aus.
Frage: Herr Weihbischof, wie geht es Ihnen in der neuen Rolle als Interims-Chef des Bistums Osnabrück?
Antwort: Für mich ist diese Rolle tatsächlich immer noch sehr neu und ich bin sozusagen noch in der Einarbeitung. Zum Glück muss ich die Aufgabe nicht alleine machen. Viele Menschen im Bistum unterstützen mich dabei.
Frage: Ich kann mir vorstellen, dass das eine sehr umfangreiche Einarbeitung bedeutet. Sind Sie jetzt von morgens bis abends mit Aktenstudium beschäftigt?
Antwort: Nein, mein Tagesablauf hat sich eigentlich gar nicht groß verändert. Das heißt: Es gibt Tage, die mit vielen Begegnungen und Gesprächen gefüllt sind. An anderen studiere ich natürlich auch Akten. Und da kommen dann Themen dazu, die ich als Weihbischof bislang nicht bedienen musste.
Frage: Tauschen Sie sich dazu mit Bischof Bode aus, der ja im Nachbargebäude wohnt?
Antwort: Natürlich ist er immer noch da und ich kann ihn fragen, wenn mir Dinge unklar sind. Einiges hat unter ihm begonnen. Damit ich den Faden gut aufnehmen kann, ist es hilfreich, mit ihm zu sprechen.
Frage: Wir sitzen jetzt hier im Haus rechts neben dem Bischofshaus, in dem Sie auch wohnen. Ziehen Sie noch um ins große Bischofshaus?
Antwort: Nein, ich werde hier bleiben. Administrator des Bistums zu sein, ist eine Übergangslösung. Deswegen ist es sinnvoll, wenn ich weiter hier wohne und arbeite.
Frage: Wut und Unverständnis bei vielen Mitarbeitern haben eine Rolle beim Rücktritt des Bischofs gespielt - wie nehmen Sie die Stimmung im Bistum jetzt wahr?
Antwort: Ich habe gerade zu Beginn wahrgenommen, dass viele vom Zeitpunkt dieses Rücktritts überrascht waren. Es gibt eine Reihe von Mitbrüdern, von Kolleginnen und Kollegen, die den Rücktritt bedauern. Es gibt andere, die Respekt dafür aussprechen. Und es wird auch einige geben, die es schon vorher erwartet hätten. Da gibt es eine große Spannbreite. Gleichzeitig sind wir alle eingeladen, die Arbeit im Bistum gut weiterzuführen.
Frage: Sehen Sie es jetzt auch als Ihre Aufgabe, das zu adressieren und etwa mit Mitarbeitern in Gemeinden in den Austausch zu gehen, in denen es um Missbrauch und den Umgang mit Tätern geht?
Antwort: Die Missbrauchsaufarbeitung geht bei uns im Bistum weiter. Ich war ja als Mitglied der Monitoringgruppe auch damit beschäftigt. Diese Aufgabe habe ich jetzt abgegeben. Es ist aber ein wichtiges Thema in meiner Arbeit und ich stehe für Gespräche in vielerlei Hinsicht zur Verfügung.
Frage: Nicht nur Bistums-Personal, auch Gemeindemitglieder sind wütend, manche fragen sich rückblickend, was sie mit dem heutigen Wissen über Täter anfangen sollen. Einer war zum Beispiel im Domchor aktiv. Gibt es Pläne, wie die Kirche nicht nur unmittelbare Opfer, sondern einen weiteren Kreis Betroffener adressieren will, die sich nun mit Blick auf ihre Biografie Fragen stellen?
Antwort: Diese Angebote werden wir weiterhin in vielfältiger Art und Weise haben. Wir haben schon Gesprächsforen angeboten. Gleichzeitig laden wir Menschen ein, sich zu melden. Da stehen wir zur Verfügung. Einige reagieren auf Einladungen, andere reagieren auf Gesprächsangebote. Grundsätzlich wünsche ich uns allen, dass wir mit einer hohen Sensibilität unterwegs sind, wenn es Menschen gibt, die ein Gespräch suchen.
Frage: Hat Sie der Rücktritt von Franz-Josef Bode überrascht?
Antwort: Ich war als einer der ersten darüber informiert, dass er sich mit diesem Gedanken trägt. Ich habe Bischof Franz-Josef Bode immer so erlebt, dass er sich beraten lässt. Das war nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts der Fall und auch bei der Entscheidung zu seinem Rücktritt. Er hat länger überlegt und sich mit verschiedenen Menschen auch über den richtigen Zeitpunkt beraten. Auch mir hat er das dann mitgeteilt.
Frage: Hat Sie überrascht, dass der Papst dieses Gesuch angenommen hat?
Antwort: Der Bischof hat mir von seinem Brief an den Papst erzählt. Der enthielt aus meiner Sicht viele gute Argumente. Ich habe dem Bischof gewünscht, dass der Papst seinem Wunsch folgt.
Frage: Die nächste Frage haben Sie wahrscheinlich erwartet: Werden Sie der nächste Diözesanbischof?
Antwort: Das habe ich ja Gott sei Dank nicht zu entscheiden. Wir werden ja in Kürze beginnen, uns auch mit Delegierten, die der Katholikenrat benannt hat und dem Domkapitel Gedanken über Vorschläge zu machen. Bei Bischof Bode haben sich übrigens die Verantwortlichen damals bewusst für jemanden entschieden, der nicht aus dem Bistum kam. Das finde ich auch heute noch sehr sympathisch. Dann kann jemand ohne Vorgeschichte Bischof werden, der auf seine Weise das Bistum kennenlernen kann.
Frage: Lassen Sie sich aufstellen?
Antwort: Auch das habe ich nicht zu entscheiden - Gott sei Dank.
Frage: Die Beteiligung von Laien bei der Bischofswahl fällt nun doch nicht so weitreichend aus. Die Vorsitzende des Katholikenrates stellte fest, dass die Kirche offenbar davon ausgehe, dass Laien ein Geheimnis nicht so gut wahren könnten wie geweihte Männer. Das letzte Wort hat Rom. Wie erklären Sie das den Laien, die gerade vom Synodalen Weg zurückkommen?
Antwort: Uns als Teilnehmern am Synodalen Weg war schon klar, dass wir das nicht alleine entscheiden können. Ich bedauere, dass der Vatikan derzeit nicht auf staatliche Stellen zugeht, um mit ihnen zu besprechen, ob es ein anderes Verfahren geben könnte. Da können wir als Bistum wenig machen. Die Verhandlungspartner sind der Vatikan und die Landesregierung.
Frage: Es könnte auch jemand von außen kommen, der Reformen zurückdreht und politisch nicht zu diesem Bistum passt. Wie schätzen Sie diese Gefahr ein?
Antwort: Wenn ein Bistum in Deutschland in den vergangenen Jahren einen neuen Bischof wählen musste, haben viele Domkapitel gesagt, sie hätten aus Rom eine Kandidatenliste zurückbekommen, aus der man gut habe wählen können. Wir sind optimistisch, dass uns eine ähnliche Liste zur Verfügung gestellt wird.