ADFC-Foto des Monats Wildwuchs – Radweg um ein Drittel geschrumpft
Wenn Radwege nicht regelmäßig gepflegt werden, verlieren sie durch Wildwuchs beträchtlich an Breite. Der ADFC nennt zwei krasse Beispiele aus Aurich.
Aurich - Blockierte Durchfahrten, unsinnige Schilder, marode Wege: Mit dem „Foto des Monats“ weist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Aurich auf Missstände beim Thema Radverkehr hin. Aber auch positive Beispiele sollen mit der Initiative, die diese Zeitung journalistisch begleitet, dargestellt werden. Der ADFC möchte damit der öffentlichen Debatte über eine bessere Fuß- und Radverkehrs-Infrastruktur Impulse geben und zu Verbesserungen beitragen.
Diesmal geht es um zugewachsene Radwege. „So schmilzt die Radweg-Breite dahin“, heißt es in der ADFC-Mitteilung zum Foto des Monats Mai. Der Geh- und Radweg an der Esenser Straße in Sandhorst sei jahrelang nicht gereinigt worden, „sodass er bereits zu mehr als einem Drittel zugewachsen ist“, schreibt ADFC-Vorstandsmitglied Albert Herresthal. „Von dem ursprünglich 2,20 Meter breiten Asphaltstreifen sind stellenweise nur noch 1,20 Meter unbedeckt. An den Rändern breiten sich Gras, Löwenzahn und Gundermann zwischen Eichenlaub und -ästen aus.“
Behörde hat schnell reagiert
Die Redaktion hat bei der Stadt Aurich nachgefragt. Die ist für den Radweg in Sandhorst nicht zuständig, da dieser an einer Bundesstraße liegt. Die Stadt pflege jedoch einen guten Draht zur Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, sagt Tiefbauamtsleiter Bernd Ewerth. Daher griff er spontan zum Telefonhörer und informierte die Kollegen. Vier Tage später meldete Ewerth Vollzug: Die Straßenmeisterei habe den Radweg in Sandhorst in Ordnung gebracht.
Behördenleiter Frank Buchholz erklärt auf Nachfrage, dass die Radwege an Bundes- und Landesstraßen nicht nach einem festen Turnus gepflegt würden. „Wenn Luft ist, wird das gemacht.“ Es sei jedoch im Interesse der Behörde, die Radwege in Ordnung zu halten. Insbesondere schmale Radwege müssten von Bewuchs freigehalten werden. „Da tut jeder Zentimeter weh.“
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Wildkrautbürste reichte nicht
Der ADFC nennt als zweites krasses Beispiel aus Aurich den Radweg am Hoheberger Weg, für den die Stadt zuständig ist. „Manchmal fällt auch den Verantwortlichen auf, dass Wege nicht nur gebaut, sondern ebenso gepflegt werden müssen“, heißt es süffisant in der ADFC-Mitteilung. Ein Abschnitt des Hoheberger Weges sei „von den ausufernden Grassoden befreit worden“. Herresthal: „Die Größe der Haufen zeigt, dass man sich diese Arbeit offenbar jahrelang erspart hat. Der Weg ist hier nun wieder 40 Zentimeter breiter geworden, wie die Spuren noch eindrucksvoll zeigen.“
Tiefbauamtsleiter Ewerth hatte sich selbst schon länger daran gestört, dass der Radweg am Hoheberger Weg zugewachsen war. Er benutzt ihn täglich auf dem Weg zur Arbeit. Der Betriebshof habe sich den Radweg nun vorgeknöpft, sagt Ewerth. Die Wildkrautbürste habe nicht gereicht. Stattdessen sei ein Radlader zum Einsatz gekommen.
„Hätte sich gerne melden können“
Die Stadt gehe Hinweisen von Bürgern auf ungepflegte Radwege nach, betont der Tiefbauamtsleiter. „Wenn jemand der Auffassung ist, es müsse mehr gereinigt werden, soll er sich melden. Herr Herresthal hätte sich auch gerne melden können.“ Die Stadt könne allerdings nicht sicherstellen, „dass jeder Radweg zu jeder Zeit super gefegt und gereinigt ist“, sagt Ewerth. „Das würde ich gerne sagen, aber das ist nicht so. Wir arbeiten dran.“
Der ADFC meint dazu: „Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass alle Radwege regelmäßig gewartet und besonders auch im Herbst/Winter gereinigt werden sollten, so wie es bei Straßen auch normaler Standard ist. Nur so ist sicheres und komfortables Radfahren möglich.“