Hamburg  BossHoss-Sänger Alec Völkel im Interview: „Ich esse kein Fleisch mehr, wenn...“

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 02.05.2023 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alec Völkel, Sänger von The BossHoss, macht zwar County-Musik, hat jedoch wenig gemeinsam mit einem schweigsamen Cowboy. Foto: dpa/Soeren Stache
Alec Völkel, Sänger von The BossHoss, macht zwar County-Musik, hat jedoch wenig gemeinsam mit einem schweigsamen Cowboy. Foto: dpa/Soeren Stache
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Er ist ein Großstadt-Cowboy und liebt PS mehr als Pferde. Was Alec Völkel von The BossHoss dennoch mit dem Landleben und Western-Romantik verbindet, verrät er im Interview mit unserer Redaktion.

Bei einem Cowboy denkt man an einen eher wortkargen, verschlossenen Mann. Sänger Alec Völkel alias „Boss Burns“ ist jedoch alles andere als schweigsam. Egal, ob der Berliner von seiner Rinderzucht, seiner Familie oder seiner Musik erzählt: Er redet gern und viel.

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Auch musikalisch prescht der 51-Jährige zusammen mit Sascha „Hoss Power“ Vollmer auf dem zehnten BossHoss-Album „Electric Horsemen“ munter vorwärts. Einige Stücke hüllen sich in elektronische Beats – ohne ihr Nashville-Flair vollständig aufzugeben. So funktioniert Großstadt-Country.

Frage: Was verbindet einen Großstadt-Cowboy eigentlich noch mit dem machomäßigen Westernhelden?

Antwort: Der Cowboy bietet natürlich eine große Spielwiese an Klischees – vom klassischen Western bis zum Tarantino-Roadmovie. Wir sind auf jeden Fall eher Großstadtjungs. Uns interessieren Muscle-Cars und Harleys mehr als Pferde. Trotzdem fasziniert mich Westernromantik. Der Cowboy sitzt abends mit den Jungs am Feuer und macht noch ein bisschen Musik. Wenn er in die Stadt kommt, bleibt er ein, zwei Tage. Dann reitet er davon – keiner weiß, wohin. Seine Unabhängigkeit und seine Freiheitsliebe imponieren mir.

Frage: Dabei sind Sie ein Familienvater, der von sich sagt, seine Mutti-Skills seien unschlagbar.

Antwort: Meine Tochter ist gerade zwei geworden, mein Sohn ist sieben. Ich bin also voll drinnen im Kleinkind-Business. Sagen wir so: Mein Leben ist zweigeteilt. Während einer Tour kann ich schon meinen Rock‘n‘Roll-Traum leben und mein Rockstar-Ding durchziehen. Ich gehe auf die Bühne, 10.000 Leute jubeln mir zu. Wenn ich dann nach Hause komme, heißt es: „Wechsel dem Kind mal die Windel, bring den Müll runter.“ Das ist ein derber Kontrast, der aber gut ist. Das Familienleben hält mich am Boden.

Frage: Stichwort Familie: Sie betreiben mit Ihrer Schwägerin in Ostfriesland eine Rinderzucht. Wie ist es dazu gekommen?

Antwort: Als ich den TV-Koch Lucki Maurer, der in Bayern einen Biohof hat, kennengelernt habe, war klar: Der Cowboy braucht jetzt Rinder, damit es authentisch wird. Auch meine Schwägerin hatte Bock, etwas Neues zu machen. Wir haben Lucki drei Wagyu-Rinder abgekauft, inzwischen besitzen wir vier. Nun haben wir uns einer Challenge gestellt: Wenn wir es in zwei Jahren nicht schaffen, das erste Tier zur Schlachtung zu schicken, hören wir auf, Fleisch zu essen.

Frage: Könnten Sie sich vorstellen, ganz aufs Land zu ziehen?

Antwort: Wegen der Kinder denke ich immer wieder über ein Häuschen im Grünen nach. Doch dann merke ich: Ich brauche die Stadt, ich brauche das Gewusel. Wenn ich rausgehe, muss um mich herum etwas passieren.

Frage: Genauso scharen Sie auf Ihrem Album „Electric Horsemen“ gern Menschen um sich. Mit Ilse DeLange singen Sie das Lied „You“, im Video ersetzen Frauen Ihre Band.

Antwort: Es geht um mehr Sichtbarkeit für Frauen! Als feststand, dass Ilse zu uns stoßen würde, überlegten wir: Warum drehen wir den Spieß nicht einfach um? Statt Ilse in eine Boygroup einzupferchen, stehen Sascha und ich mit einer Girlband auf der Bühne. Es ist mal ganz gut, das Maskuline zu brechen, das BossHoss sonst so sehr nach vorne rückt.

Frage: Im Song„“ heißt es „A queen is a better king“. Würden wir in einer besseren Welt leben, wenn sie von Frauen regiert werden würde?

Antwort: Davon bin ich überzeugt. Alphamännchen verteidigen ihr Revier, sie sind schlechtere Diplomaten als Frauen. In Konflikten setzen sie nicht unbedingt auf Empathie, sondern machen auf dicke Hose. Darum sollten wir uns häufiger fragen: Was würde eine Frau in dieser Situation wohl tun? Insofern ist das ein feministischer Song.

Frage: Mit dem Lied „Best Friends forever“ feiern Sie und Sascha Vollmer dagegen Ihre Freundschaft.

Antwort: Absolut. Wir kennen uns seit 2000. Wenn uns keine tiefe Freundschaft verbinden würde, würde unsere Band nicht funktionieren. Gefühlt sehen wir uns jeden Tag, wir telefonieren dauernd. Seit 20 Jahren stemmen wir BossHoss mit allen Höhen und Tiefen. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Und weil wir auch mit Michael Patrick Kelly befreundet sind, haben wir ihn für dieses Lied dazugeholt.

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The BossHoss sind auf Tour und spielen unter anderem diese Konzerte:

Karten und weitere Informationen unter www.fkpscorpio.com.

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