Nach Rückzug der Gemeinde  Erste Gespräche über künftigen Betrieb des RTC Timmel laufen

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 03.05.2023 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die große Halle des RTC in Timmel spiegelt sich in einer Pfütze. In den kommenden Wochen wird sich herauskristallisieren, wie es mit der Anlage weitergeht. Foto: Cordsen
Die große Halle des RTC in Timmel spiegelt sich in einer Pfütze. In den kommenden Wochen wird sich herauskristallisieren, wie es mit der Anlage weitergeht. Foto: Cordsen
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Die Gemeinde Großefehn hat das RTC in Timmel öffentlich zur Verpachtung ausgeschrieben. Wie geht es dort künftig weiter?

Timmel - Nach der Zukunftsentscheidung ist vor der Zukunftsentscheidung: In der Frage, wie sich das Reitsport-Touristik-Centrum (RTC) Ostfriesland in Timmel entwickeln könnte, geht die Gemeinde Großefehn den nächsten Schritt. Weil der kommunale Eigenbetrieb der Reitsport- und Pferdestall-Anlagen sowie der Veranstaltungshalle seit der Eröffnung des Anwesens vor etwa 15 Jahren unentwegt hohe Verluste, zuletzt waren es jährlich mehr als 400.000 Euro, erwirtschaftet hatte, entschied die Politik in der Gemeinde kürzlich, dass es damit spätestens zum Jahresende vorbei sein soll. Die Kommune zieht sich über ihre Tochtergesellschaft Großefehn Tourismus GmbH (GTG) vom Betrieb der Anlage zurück. Nun geht es um die Frage, wer auf dem Areal das Zepter übernehmen könnte. Auch wenn die Verwaltung einen Verkauf der Anlage nicht ausschließt: Sie möchte das bis 2008 für etwa fünf Millionen Euro errichtete RTC am liebsten verpachten. Interessenten dafür sucht die Gemeinde nun per Annonce. Die steht jetzt schon auf der Homepage der Verwaltung und wird zudem noch per Anzeige in Medien veröffentlicht.

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Dabei hat die Kommune die Suche in ihrer Annonce unterteilt und sucht einerseits Pächter für „die kleine Halle (Reithalle) mit Stalltrakten und Außenflächen“ sowie für „die große Halle (Reit- und Veranstaltungshalle) mit Nebenräumen“. Bürgermeister Erwin Adams bestätigte auf Anfrage, dass es erste Gespräche mit Interessenten gegeben hat. Darunter sind nach Informationen unserer Zeitung auch Reitstall-Betreiber aus Ostfriesland. Adams hielt sich dazu bedeckt und sagte: „Es waren Erstgespräche, damit Interessenten einen Einblick in die Anlage und das Leben darauf bekommen, und wir konnten erste Fragen beantworten.“ Man arbeite aktuell die Daten rund ums RTC auf, um sie möglichen Pächtern gebündelt, klar und präzise vorstellen zu können. „Auch die Interessenten müssen das für sich ja erstmal durchrechnen. Und noch ist es zu früh zu sagen, wohin die Reise geht, aber wir sind zuversichtlich, dass wir jemanden für den Betrieb der Anlage als Pächter finden“, sagte Adams.

Ist der Betrieb wirtschaftlich möglich?

Elke Wilken, Vorsitzende des Fahr- und Reitvereins Timmel, der im RTC per Pachtvertrag ein Bleiberecht bis 2034 hat, hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung angekündigt, dass durchaus denkbar sein könnte, dass der Verein seinen Hut in den Ring wirft als möglicher Pächter der Stalltrakte, Außenflächen und der kleinen Reithalle. Zugleich hatte sie aber frühzeitig klargestellt, dass der Verein „dann aber sehr wahrscheinlich ohne die große Halle“ auskommen wolle. Die sei „Luxus“. Um beide Hallen reitend auslasten zu können, bräuchte man eigentlich doppelt so viele Boxenreihen, dafür fehle aber Weidefläche ums Areal.

Um einen Pachtbetrieb wirtschaftlich stemmen zu können, werde man das Personalkonzept aber überdenken und da Kosten senken müssen, fügte Wilken an. Noch sind 22 Menschen, verteilt auf neun Vollzeitstellen, im RTC beschäftigt. „Die Erfahrung zeigt, dass so etwas in anderen Reitställen der gleichen Größenordnung mit anderthalb Stellen geleistet wird – und ehrenamtlichem Einsatz“, sagte sie. Unter den Einstellern, die ihre Pferde im RTC untergebracht haben, hieß es zuletzt: „Diese Anlage hat wirklich Potenzial, da könnte man noch viel mehr draus machen.“ Adams selbst hatte am Tag der Entscheidung am 11. April eingeräumt, dass eine Anlage wie das RTC in privater Hand deutlich effizienter, agiler und womöglich auch wirtschaftlich zu betreiben sei – anders als beim kommunalen Eigenbetrieb bisher. Er hatte auch vorhergesagt, dass ein Eigenbetrieb des RTC über die GTG wegen der deutlichen Tariferhöhung im öffentlichen Dienst sowie durch gestiegene Energiepreise künftig noch deutlich größere Löcher in den kommunalen Haushalt gerissen hätte.

„Kommunal nutzenstiftende Lösung“ als Ziel

Zugleich hatte der Bürgermeister den Wunsch geäußert, dass der Pferdesport auch über den kommunalen Eigenbetrieb des Areals hinaus dort sein Zuhause behalte. Und die Politik hatte übergreifend betont, an einer „kommunal nutzenstiftenden Lösung“ interessiert zu sein. Voraussichtlich bis zum 20. Mai werden mögliche Pächter Zeit haben, ihr Interesse am Betrieb des RTC oder von Teilen der Anlage zu bekunden. Danach werden die konkreteren, über den Erstkontakt hinaus führenden Gespräche und Verhandlungen beginnen. Bis zu den Sommerferien, hatte Bürgermeister Adams am 11. April öffentlich angekündigt, werde man vermutlich mehr wissen. Bis dahin sind noch einige Gespräche zu führen.