Rostock  Wie eine junge Rostockerin ihr Studium trotz psychischer Erkrankung meistert

Carolin Beyer
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Von Carolin Beyer
| 03.05.2023 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Celine Norden leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Foto: Carolin Beyer
Celine Norden leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Foto: Carolin Beyer
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Schlimme Erfahrungen machen Celine Norden aus Rostock den Unialltag schwer. So schafft sie es trotz PTBS an ihren Träumen festzuhalten.

Achtung: In diesem Text geht es unter anderem um häusliche und sexuelle Gewalt sowie um das Thema Suizid.

Wer Celine Norden über ihre Uniaufgaben gebeugt in einem Café in Rostock sieht, würde wohl kaum auf die Idee kommen, dass die Rostockerin schlimme Dinge erlebt hat, die ihren Alltag von dem anderer Studenten stark unterscheidet. Die junge Rostockerin leidet an Depressionen und einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Trotzdem hat sie sich entschieden, Psychologie zu studieren und ihre Geschichte sogar auf Instagram zu teilen.

„Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe eine Posttraumatische Belastungsstörung aufgrund von häuslicher und sexueller Gewalt, hervorgerufen von mehreren Vorfällen und Tätern“, erzählt Celine Norden. Im Oktober 2021 sei dann der Vorfall passiert, der sie schließlich in eine psychiatrische Klinik brachte. „Ich habe mich selbst eingewiesen, weil ich Hilfe brauchte“, sagt die 22-Jährige. Bei diesem Klinikaufenthalt wurde der Rostockerin eine Posttraumatische Belastungsstörung und eine wiederkehrende Depression diagnostiziert. Heute weiß Celine Norden, dass die Selbsteinweisung die beste Entscheidung war, die sie treffen konnte.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist eine Erkrankung der Psyche, die durch eines oder mehrere schwere Traumata ausgelöst werden kann. Betroffene sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt und durchleben die Erlebnisse immer wieder. „Ich bin sehr reizbar, reagiere auf verschiedenste Geräusche und Gerüche. Es kommen vereinzelt Flashbacks, die mich vieles erneut durchleben lassen. Hinzu kommen Albträume und Schlafstörungen, die mir die Kraft für den Tag nehmen“, so Celine Norden.

Seit Anfang 2023 ist die Rostockerin nun auch in ambulanter psychotherapeutischer Betreuung und hat einen Weg gefunden, ihren Alltag trotz der PTBS zu meistern. Das Fach Psychologie studiert sie derzeit im Fernstudium. Nur diese Form des Studierens erlaubt ihr, dann zu lernen, wenn es ihr gut geht. „Ich habe gemerkt, dass ich tagsüber gar nicht lernen kann. Deswegen lerne ich hauptsächlich abends“, sagt die Rostockerin.

Ihr Tanztraining, Gespräche mit Familien und Freunden, Atemübungen und auch kreative Aufgaben helfen ihr an Tagen, an denen gar nichts mehr geht. Seit einigen Wochen teilt die Rostockerin ihre Geschichte und ihre Tipps auch auf ihrem Kanal psychologiecafe auf Instagram.

„Das Thema psychische Erkrankung wird immer mehr entabuisiert, aber viele wissen trotzdem nicht, wie sie mit Menschen wie mir umgehen sollen“, sagt Celine Norden. Aus diesem Grund möchte sie im Netz darüber aufklären. „Später könnte ich mir sogar vorstellen, mal einen Podcast zu machen“, so die 22-Jährige. Personen, die nicht wissen, wie sie auf psychische Erkrankungen anderer reagieren sollen, gibt Celine folgenden Tipp: „Es ist wichtig, auf die Liebsten zu achten und nicht nur sporadisch zu fragen, wie es einem geht. Für den Fall, dass jemand den Mut hat, seine Geschichte zu teilen, fragt nach, wie ihr helfen könnt.“ Oftmals reiche es einfach nur da zu sein und zuzuhören.

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