Bremen Militär im Weltraum: Die Bundeswehr lässt an neuem Raumschiff tüfteln
Die Bundeswehr will im Weltraum aktiver werden. Dafür lässt sie die Firma Polaris nun ein neues unbemanntes Weltraumflugzeug entwickeln. Getestet wird das Raumschiff in Peenemünde auf Usedom.
Die Bundeswehr dringt weiter in den Weltraum vor. Nachdem ein neues Weltraumkommando, inklusive Auftritt von Darth Vader und anderer Star-Wars-Figuren eröffnet wurde, nehmen die Planungen für das erste unbemannte Weltraumflugzeug der Truppe weiter Formen an. Wie das Bremer Unternehmen Polaris bekannt gab, hat das Beschaffungsamt der Bundeswehr einen Vertrag über die Entwicklung eines neuartigen Raketen-Triebwerks für dieses Flugzeug geschlossen.
Ein maßstabsgetreues Modell soll laut Behörde unter dem Titel Nova noch in diesem Jahr fliegen. Wie Polaris auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, soll der Testflug auf dem Flugplatz Peenemünde auf Usedom stattfinden. Ein Prototyp soll laut Polaris bis 2025 fertiggestellt werden.
Ein Weltraumflugzeug ist, wie der Name schon sagt, ein Flugzeug, das in einer Höhe von 100 Kilometern und damit im Weltraum fliegen kann. Das könnte etwa bei der Aufklärung hilfreich sein, denn das Flugzeug könnte einen Staat überfliegen, ohne seinen Luftraum zu verletzen. Auch ein Einsatz, um Satelliten in den Orbit zu bringen, ist laut Polaris denkbar.
Anders als herkömmliche Raumfahrzeuge ist es dabei nicht auf Trägerraketen angewiesen, sondern kann auf einem mehr oder weniger normalen Flugplatz starten und lande, wie ein normales Flugzeug. Um auf die Reiseflughöhe zu kommen, wird jedoch weiterhin ein Raketen-Triebwerk benötigt. Das sogenannte „Linear Aerospike”-Triebwerk (kurz LAS), das für das Raumflugzeug entwickelt wird, soll deutlich effizienter sein als herkömmliche Triebwerke.
Dadurch soll das Flugzeug am Ende leichter sein und so den Treibstoffverbrauch senken sowie schwerere Ladungen ermöglichen. Bei der NASA wird bereits seit den 1990ern an einem solchen Treibwerk geforscht. Im Flug wurde es bis jetzt allerdings noch nicht getestet.
Das soll sich nun ändern, denn Teil des Vertrags ist die Erprobung des neuartigen Triebwerks an einem Technikdemonstrator. Das große Problem der LAS-Triebwerke war bislang die Kühlung der Motoren, die Polaris “durch neue Fortschritte im 3D-Druck” bewerkstelligen will.
Es handelt sich dabei um den zweiten Test, den Polaris für die Bundeswehr ausführt. Im Oktober 2022 wurde ein 3,5 Meter langes, 120 Kilogramm schweres Modell namens „Athena“ mit Erfolg auf Mach 0,4 beschleunigt. Der Test damals wurde noch ohne Raketentriebwerk vorgenommen. Dafür wurde eine 260 Quadratkilometer große Fläche um den Flugplatz Peenemünde auf Usedom gesperrt.
Dort wurde unter Leitung des Nazi-Wissenschaftlers Wernher von Braun bereits die erste Rakete mit Flüssigtreibstoff, die später berüchtigte V2, getestet. Zu diesem Zweck wurden 4400 Zwangsarbeiter vornehmlich aus Polen, Frankreich und der Sowjetunion unter miserablen Bedingungen versklavt.
Auch die NVA hat das Gelände benutzt. Eine Alternative zu dem vorbelasteten Gelände gibt es jedoch wohl nicht: „Seine abgeschiedene Lage und die direkt in die Ostsee ragende Start- und Landebahn mit 2.400 Metern Länge erfüllten alle Voraussetzungen für die Durchführung der Tests“, teilt das Beschaffungsamt mit.