Vermarktung der Auricher Innenstadt  Ist der verkaufsoffene Sonntag noch zeitgemäß?

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 06.05.2023 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bettina Rademaker ist froh, dass sie ihre Waren wieder nach draußen stellen kann. Das Pflaster vor ihrem Geschäft in der Burgstraße ist nämlich seit Dienstag verlegt. Foto: Ortgies
Bettina Rademaker ist froh, dass sie ihre Waren wieder nach draußen stellen kann. Das Pflaster vor ihrem Geschäft in der Burgstraße ist nämlich seit Dienstag verlegt. Foto: Ortgies
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Zum Geranienmarkt am Sonntag in Aurich öffnen die Geschäfte. Das hat Tradition, ist aber für viele Geschäftsleute mittlerweile ein Kraftakt. Alternativen sind rar.

Aurich - Wenn es um den Auricher Geranienmarkt geht, überschlagen sich die Superlative. „Die große Attraktion zu Beginn des Gartenjahres“, heißt es dann, oder aber „Schon am Morgen war der Marktplatz brechend voll und es gab kein Durchkommen mehr“. In diesem Jahr wird die traditionelle Veranstaltung zum 28. Mal vom Kaufmännischen Verein ausgerichtet. Am 7. Mai ist es so weit. Die Gartenschau ist immer mit einem verkaufsoffenen Sonntag verbunden. Gerade in Zeiten von Ukraine-Krieg, Lieferengpässen, Inflation und akutem Personalmangel stellt sich die Frage, wie zeitgemäß es ist, eine solche Veranstaltung mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu koppeln. Was verlangt das den Geschäftsleuten ab? Zahlen sie drauf? Die Redaktion hat stellvertretend mit zwei Kauffrauen gesprochen, die seit vielen Jahren ihre Waren in Aurich an den Kunden bringen. Ihre Positionen sind konträr, aber in einem Punkt treffen sie sich.

Bettina Rademaker betreibt seit acht Jahren das Accessoire- und Lifestyle-Geschäft Wohnkooje. Erst war sie an der Hafenstraße ansässig. Im März 2020 ist sie in die Burgstraße 31 gezogen, weil sie dort über mehr Platz verfügt und ihre Waren besser präsentieren kann. Mehr Platz und mehr Waren ziehen auch einen höheren Bedarf an Personal nach sich. Konnte die gebürtige Berlinerin die Arbeit an der Hafenstraße noch weitgehend alleine bewältigen, benötigt sie jetzt Mitarbeiter. Die seien schwer zu finden, sagt Bettina Rademaker. Intensive Suchaktionen seien weitgehend erfolglos gewesen. Außer einer Floristin beschäftigt sie derzeit eine Frau als Halbtagskraft. Die unterstützt sie auch am 7. Mai. Die Honorierung von Sonntagsarbeit ist mit einem Zuschlag verbunden. Dieser ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben. Bettina Rademaker zahlt ihn aber, um damit ihre Wertschätzung zu bekunden. Ein freier Tag steht der Mitarbeiterin ebenfalls zu.

Was bietet der verkaufsoffene Sonntag noch?

Kurzum: Die Teilnahme am verkaufsoffenen Sonntag ist für sie, wie sie sagt, ein „absoluter Kraftakt“, ein Geschäft, bei dem sie draufzahlt. Sie stemme das, weil sie sich mit den anderen Geschäften solidarisch zeigen will. Eine solche Aktion stehe und falle mit der Präsenz möglichst aller Geschäfte, ist sich die Kauffrau sicher. Ebenso sicher ist sie sich aber auch, dass der verkaufsoffene Sonntag im Grunde genommen die Zugkraft der Anfangszeit eingebüßt hat. Früher sei es etwas Besonderes gewesen, an diesem Tag durch die Innenstadt zu flanieren und Geschäfte zu besuchen. In ihren Augen wäre es produktiver, neue, zugkräftige Aktivitäten zu entwickeln und umzusetzen. Denn eines steht für sie absolut fest: „Aurich als Stadt hat viel Potenzial.“

Angelika Schäfer sieht den verkaufsoffenen Sonntag weniger skeptisch als Bettina Rademaker: „Es gehört halt dazu. Alle Städte bieten so etwas an.“ Die Inhaberin der Teemanufaktur in der Burgstraße 33 macht keinen Hehl daraus, dass die Sanierung der Fußgängerzone für sie als Geschäftsfrau sehr schwer zu verkraften war. Dass jetzt bald ein Abschluss der Arbeiten in Sicht ist, bezeichnet sie als „Licht am Ende des Tunnels“. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Jahre hofft die Unternehmerin, dass der Geranienmarkt viele Menschen in die Stadt spült. Ob ein verkaufsoffener Sonntag generell langfristig als Angebot Bestand haben wird, zweifelt sie an: „Jeder möchte am Wochenende nach Möglichkeit frei haben, keiner will mehr arbeiten. Woher sollen die Menschen kommen, die am Sonntag hinterm Tresen stehen? Das ist ja schon in der Gastronomie ein Problem, wo die Wirte so gut wie kein Personal mehr finden.“ Sie selbst beschäftigt in Aurich sechs Mitarbeiter. Die Teemanufaktur betreibt sie an diesem Standort seit sieben Jahren. Vorher war sie zwei Jahre lang an der Norderstraße ansässig.

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